Tiefsee voraus
Mar 17–20 in Taiwan ⋅ ⛅ 22 °C
Eine Zugfahrt stand an. Krugi war für den Transport verantwortlich. Ich für die Unterkünfte. Und den Reiseverlauf. Bei letzterem dachte ich, da quatsche ich mal ChatGPT. Nach einer knappen Stunde intensiver Unterhaltung stand die Reiseroute. Das war schon ein wenig spuki. Neben Taipeh sollten es nur drei weitere Stationen sein. Am Ende fragte ich, ob wir nicht doch irgendwo eine weitere Zwischenstation einbauen sollten. Ungefähre Antwort: „Nein, das lass mal. So wie es jetzt ist, ist es für dich und deine Bedürfnisse am Besten. Noch eine Station bedeutet noch mehr Hotels, Transport und das alles bedeutet Stress. Unterschätz das mal nicht!“ Als ob ich mit einem reiseerfahren Freund mal beim Café über meine Pläne plaudere. Sollte ich dem so ungeprüft folgen? Ich entschied – ja, was soll schon schiefgehen. Taiwan ist ein relativ einfach zu bereisendes Land. Da kann man auch mal umplanen. Taten wir übrigens nicht. War alles so, wie es sein sollte. Was irgendwie aber weniger so sein sollte, war das Buchen der Unterkünfte. Das gestaltete sich weniger bei der Suche als Herausforderung, eher der Nachfolgeprozess, sprich die Kommunikation. Es wurden so viele Fragen gestellt, Anforderungen aufgetan, Hinweise gegeben. Beim ersten Hotel dachte ich noch, das sei da eine Besonderheit. Aber es war bei allen, wirklich allen Unterkünften der Fall. Ich habe noch nie so viele eMails mit Hotels gewechselt. Und so merkwürdiger Kram – Sind sie sicher, dass sie das Zimmer mit Seeblick haben wollen? – Ja. – Sind sie wirklich, also wirklich sicher, dass sie das Zimmer mit Seeblick haben wollen? – Hä, verarschen die mich? Hinweise, dass Kinder unter 6 Jahren laut Gesetz verboten sind, also bitte keine mitbringen. Toilettenartikel aber bitte schon, denn die gibt es laut neuestem Gesetz auch nicht mehr. Und pünktlich sein, sonst können wir gleich wieder unverrichteter Dinge abreisen. Geht es noch freundlicher? Im Nachhinein gehe ich davon aus, dass viel durch die Übersetzung, denn alle schrieben auf Chinesisch, verloren ging bzw. der Tonfall sich änderte. Denn, waren wir einmal vor Ort, waren alle ausnahmslos freundlich und hilfsbereit. Aber der Weg dahin….
Auf jeden Fall ging es erst mal an die Ostküste der Insel, nach Hualien. Der Ort selbst – hm, ist ok. Aber die eigentliche Attraktion ist die Umgebung hier. Es gibt fantastische Strände und herrliche Berge. Beides aber nicht ungefährlich. Die Taroko Schlucht, das absolute Highlight hier, war bis vor kurzem noch geschlossen. Vor zwei Jahren gab es ein starkes Erdbeben, das weite Teile unpassierbar machte. Erdbeben sind auf Taiwan absolut keine Seltenheit. Zwei Tage vorher hatten wir in Taipeh bemerkt, wie unser Hotel schwankte. Keine Sirene, keine Aufregung, kein gar nichts folgte. Das war merkwürdig. Ich recherchierte später und das ergab eine Erschütterung von 4,9 auf der Skala. Alltag, hier finden erst Beben ab einer Stärke von 6 in den Zeitungen eine Erwähnung.
Auch jetzt waren die Aufräumarbeiten in der Schlucht noch in vollem Gange, und man konnte auch nur zu bestimmten Zeiten in die Schlucht. Und besser einen Helm tragen – als wir über eine Stunde warten mussten, weil die Straße nicht frei gegeben wurde, rieselte es von oben. Zum Glück blieb genug Zeit, unter den nächsten Felsvorsprung zu sprinten. Die Schlucht ist eine von weltweit drei, die komplett aus Marmor bestehen. Da Marmor sehr hart ist, bleiben die Wände hier auch länger erhalten, bis sie von selbst einstürzen und so bildete sich eine bis zu 800m tiefe, schmale Kluft, durch die sich ein Fluss zwängt. An einem weiteren Höhepunkt, am Qingsuhi Cliff ragen die hohen Felsen direkt ins Meer. Durch die starke Strömung wird der Marmor zerrieben und seine Bestandteile bilden mit dem Meerwasser, dem Licht und der abrupt abfallenden Tiefe des Ozeans ein Farbspiel, als hätte jemand gerade seinen Pinsel mit den Blau- und Türkistönen ausgewaschen. An all diesen Stränden badet aber niemand. Nicht mal mit den Füßen gehen die Leute hier rein. Das ist der zweite gefährliche Teil – um Taiwan herum gibt es tiefe Täler im Ozean und hier bei Hualien fällt das Wasser bereits nach 50 Metern steil 500 Meter in die Tiefe. Das sieht farblich mit dem plötzlichen tiefen Blau fantastisch aus. Reißt aber alles mit sich, was sich gerade im Wasser befindet. Ein im Januar gesunkenes Kleinflugzeug tauchte bis heute nicht wieder auf. Den Abschluss des Ausflugs bildete ein Wasserfall, den wir auf einem Rundweg erreichten. Der Rückweg zog sich nach dem Wasserfall immer länger und ging auch bergauf, statt runter. Waren wir noch richtig? Da, ein Schild – lauter chinesische Schriftzeichen und in der Mitte eine 10. Google Translator hilft - laut las ich vor: „10 Personen werden kommen.“ Darauf Krugi: „Wann?“, „Hä, wer, wann?“, „Na die 10 Leute, wann kommen die?“, „Welche 10 Leute? – Hä, papperlapap, worüber reden wir hier, das hilft uns doch gar nicht weiter!“ Skurril. Wir gingen einfach weiter und kamen irgendwann wieder am Parkplatz an.
Am nächsten Tag bummelten wir rum und fuhren mit ausgeliehen Rädern des Hotels zu einem Strand. Mit diesen Kinderfahrrädern gestaltete sich das als ganz schön anstrengend. Aber der Gestank eine Müllkippe und die Hoffnung auf Cappuccino ließen uns in die Pedale treten.Read more

























