• Ein Bär auf Wache

    Mar 20–22 in Taiwan ⋅ 🌙 21 °C

    Zugfahren war heute wieder angesagt. Aber erst am späten Nachmittag. Was bis dahin tun? Richtig, keinen Café-Kurs. Aber einen Kochkurs buchte ich kurzerhand. Das besondere an ihm war, dass er von einer Vertreterin der 5 auf Taiwan beheimateten Aborigines-Gruppen gegeben wurde und sie uns ihre Art zu kochen zeigte. Tainan, unser Ziel an der Westküste Taiwans, war eine Großstadt, aber eine, der man das nicht so anmerkte. Als wir am nächsten Tag durch die Straßen schlenderten, war das ganz entspannt und angenehm. Irgendwie gefiel mir diese Stadt, auch wenn sie architektonisch nicht so viel hergab. Leider stellte ich fest, dass man hier gut shoppen konnte. Zum Glück hielt ich mich zurück, meistens jedenfalls. Neben Altem gab es auch Neues zu entdecken. So z.B. das Museum für moderne Kunst, selbst auch ein Kunstwerk. Es gab gerade eine Ausstellung, in der die Stile taiwanesischer Künstler mit denen aus dem Westen, also Europa, verglich wurden. Spannend fand ich, dass schon bei Landschaftsmalerei – sowohl im Osten als auch im Westen ein großes Thema, allein der Blick auf eine Landschaft, verschieden geschult, dann auch verschieden war – der Westen malte, was er sah, der Osten, was er fühlte. So verstand ich es jedenfalls. Manches blieb mir auch unerschlossen. Dann gab ich mich den faszinierenden Lichtinstallationen einfach nur hin.

    Das es hier so entspannt war, lag sicherlich zum einen daran, dass nicht täglich mehrfach die Düsenjets über den eigenen Kopf jagten. In Hualien gibt es u.a. eine US Airforce Basis, die nun äußerst geschäftig war. Wenn man am Strand steht und so ein Kampfjet mit voller Raketenbewaffnung direkt auf einen zuhält, damit er auf dem Flughafen dahinter landen kann, dann wird einem schon kurz mulmig. Und die Kriege dieser Welt fühlen sich plötzlich ganz nah an. Zum anderen lag die Entspannung wohl auch an dem Haus, welches ich in der Altstadt angemietet hatte. Naja, was Altstadt so heißt. Das Haus war, wie die Umgebung auch, ca. 80 Jahre alt, die Stadt selbst gut 400 Jahre. Die alte Hauptstadt Taiwans. Aber es war trotz Reihenhaus luftig und ruhig und damit angenehm, darin zu wohnen. Ein großer Bär saß unten am Eingang und gab uns Sicherheit.
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