Mit 300 km/h zum nächsten Tick
March 28 in Taiwan ⋅ ⛅ 26 °C
Abreisetag aus dem Paradies. Aber bevor es Frühstück gab und es ans Packen gehen sollte, war Schwimmen angesagt. Und wieder enttäuschte das Meer nicht. Jeden Tag, eigentlich jede Stunde sieht es anders aus und ist auch anders. Und jetzt zeigte der Ozean alles was er hatte, groß, mächtig, glasklar. Da, wo sonst der Sand aufgewirbelt für Eintrübung sorgte, war nichts außer ein Blick zum Boden wie durch eine Glasscheibe. Ich hatte bei meinen verschiedenen Arten von Begegnungen mit dem Meer für mich ausgemacht, dass es mindestens 4 verschiedene Arten von Wellen geben musste – also angefangen mit der kleinen Kräuselwelle vom Wind bis zu der mächtigen Grundwelle, wie sie nur ein großes, tiefes Gewässer hervorbringen kann. Das sieht dann aus, als würde ein Riese langsam atmen und die Bauchdecke hebt und senkt sich gemächlich. Die Art von Welle, die selbst große Schiffe auf Gipfel heben und in Täler sinken lassen kann. Heute gab es nur diese eine Welle, sonst keine. Ich schwamm raus und jedes Mal, wenn ich von der Riesenwelle nach oben gehoben wurde, konnte ich kilometerweit sehen, das klare Wasser in allen Blautönen, die Gebirge aus Felsen unter Wasser, die Sturmfront weit draußen auf dem Ozean. Sonst nichts. Niemand. Nur unendliche Weite mit Wasser gefüllt. Ein wohliger Angstschauer durchzog mich. Und ich war wiederholt froh, dass die Bojen mich zurückhielten. Ich wäre wohl einfach still und leise immer weiter rausgetrieben. Die Kälte des Wassers zwang zur Umkehr. Hatte seit gestern der nicht sichtbare Plankton sein Unwesen eingestellt, so hatte er sich wohl nur zusammen gezogen, um dann mit geballter Macht auf meinem Rückweg zuzuschlagen. Es spielte heute keine Rolle, ob ich ein langes Shirt anhatte, es stach überall. So schnell konnte ich gar nicht schwimmen. Endlich draußen, brannte es weiter. Also ab ins Hotel und duschen. War es das wert? Aber natürlich, unbedingt. Wozu habe ich Salben in der Reiseapotheke? Hatte doch jedes Paradies bisher seine Nemesis.
Erst geht es weiter mit dem Bus, der uns zum HSR Bahnhof Zuoying bringt. Dort besteigen wir den Hochgeschwindigkeitszug, der uns innerhalb von 2 Stunden mit 300 km/h wieder nach Norden, nach Taipeh bringen wird. Die Fahrgäste sowohl im Bus als auch im Zug waren heute zum Teil sehr gewöhnungsbedürftig. Der Zug ist breiter als gewöhnlich, so das es auch einer Dreier-Sitzreihe gibt, bei der ich in der Mitte saß, rechts Krugi, links ein Typ mit mehr als nur einem Tick. Er hatte seinen Körper, wohl krankhaft, nicht unter Kontrolle, und das Wippen mit dem Bein, so dass die gesamte Bankreihe mitschwang, war noch das Geringste. Ob Krankhaft oder nicht, ich musste damit zwei Stunden umgehen, da sich umsetzen oder ihn ansprechen keine Optionen waren. Erstaunlicherweise schaffte ich es, mich runterzufahren und auf ignorieren zu schalten. Aber keine Minute zu spät, sowohl nach dem Fahrplan, als auch für meine geistige Gesundheit, raste der Zug in den Hauptbahnhof von Taipeh. Krugi meinte nur, sie wäre an meiner Stelle durchgedreht. Ab zum Hotel, ab auf den nächsten Nachtmarkt, die Kulinarik dieser Stadt noch einmal entdecken.Read more

















TravelerDen Ausblick von der Riesenwelle und euer kleines Paradies hast du wirklich wunderschön beschrieben ❤️
Torsten_Dus.Pa😙