• So viel Hitze!

    April 1 in Singapore ⋅ ☁️ 32 °C

    Der nächste Tag startete mit Frühstück, welch Überraschung. Ich lernte, dass es für das Besteck ein extra kleines Tellerchen gab und wenn man darauf das Besteck entsprechend schräg ablegte, dann war klar, hier wurde noch gegessen. So gab es dieses Mal kein Zwischenfall. Der kam erst danach. Als ich wieder vor meiner Zimmertür stand und die Karte dranhielt, ging nichts. Nicht mal der Piep, der mit einem roten Leuchten verbunden war. Oh je, war die Kreditkarte doch über Limit. Ich versuchte es schnell, dann langsam, dann von Hinten plötzlich….nichts. Ich musste zur Rezeption schlurfen. Die Karte geht, ein Techniker kommt. Ich wartete keine zwei Minuten vor dem Zimmer, als ein Angestellter kam und Hilfe anbot. Das war aber nicht der Techniker, nur bleibt in diesem Hotel halt nichts unbemerkt, erst recht nicht sinnloses Rumlungern vor Zimmern. Aber er durfte keine Türen öffnen. Dann kam ein Türöffner – ein junger Man im schwarzen Anzug und Laptop, den er gleich einstöpselte, also bei meinem Zimmer, nur, um es klar zu haben. „Ob das auch mein Zimmer sei?“ „Äh ja schon, die Karte habe ich nicht gefunden.“ Hm, er guckte noch mal kritisch, ließ mich dann aber rein und reparierte meinen Türöffner.

    Heute wollte ich Natur haben, das war mir schon zu viel Großstadt. Also raus in den Botanischen Garten. Der hat gleich mehrere Vorteile – er ist grün, er gibt Schatten, er ist schön, und er ist gratis! Letzteres ist bei der Größe und dem Umfang schon bemerkenswert, ebenso, dass er zum Weltkulturerbe zählt. Zu recht. Und der Orchideengarten, der bezahlt werden muss, ist phantastisch. Es gibt zahlreiche Eigenzüchtungen und wenn man Berühmt genug ist, wird vielleicht eine neue Sorte nach einem benannt. Mein Handy begann mit mir zu kommunizieren. Es vibriere ständig und gab mir per Text zu verstehen, das ihm heiß sei. Ja, mir auch! Was soll ich machen? Der  Guide von gestern Abend hatte das Wetter des vergangenen Tages gelobt, es sei so schön bewölkt. Jetzt verstand ich, was er meinte. Die Sonne schien, und es war fast unerträglich heiß samt hoher Luftfeuchtigkeit. Mein Handy vibrierte weiter. Ich fürchtete, es könnte mir noch in der Hand explodieren. Ich ging weiter und stand plötzlich vor einem großen Gewächshaus, davor ein Schild, welches es als „Cool House“ bezeichnete. Echt jetzt? Verblüfft gingen mein Handy und ich hinein. Es war für Orchideen gedacht, die es gern so um die 20 Grad haben, was erstaunlich viele sind. Das war die Rettung. Aber mein kleiner Sprechapparat wurde auch nach 5 Minuten einfach nicht kühler. Was denn noch? Endlich kam ich auf die Idee, es aus der Hülle zu nehmen. Also nackisch machen, das hilft meistens. Bei mir ließ ich es dieses Mal bleiben. Und siehe da, nach weiteren 10 Minuten waren wir beide wieder auf Betriebstemperatur und konnten weitergehen.  

    Den Nachmittag verbrachte ich im Stadtviertel Katong, in dem es sehr ruhig zugeht zwischen den schönen und farbenfrohen Kolonialhäusern. Die haben kleine Geschäfte im Erdgeschoss, die meisten interessante, aber eigentlich nicht wirklich wichtige Dinge verkaufen. Zum Schlendern bestens geeignet. Das Viertel war ein Tipp von Justine, die auch gerade in Asien für ein paar Monate unterwegs ist. Auch wenn unsere Reiselinien sich immer wieder kreuzten, so taten sie das leider nie zur selben Zeit am selben Ort. In einem Café machte ich halt, da ich was Kühles brauchte. Über den verwirrenden Bestellvorgang hinweg (erst gab es das Getränk, dann nicht mehr, umbestellt, plötzlich gab es doch die Ursprungsbestellung) hatte ich die Menschenansammlung im hinteren Drittel des Raumes gar nicht bemerkt. Lauter, meist männliche, in schwarz gekleidete junge Menschen, die dermaßen cool waren, das man die AC ausstellen konnte – Sonnenbrille auf das Käppi, Sonnenbrille nach hinten in den Nacken geschoben, dann wieder auf den Kopf usw. Ich schien einen davon so faszinierten Eindruck zu hinterlassen, dass die Bedienung zu mir kam, um mir alles zu erklären, was ich da so sah. Die schwarz gekleideten Menschen waren Hairdesigner, Stylisten, Fotografen, Filmemacher und was es sonst so braucht. Es sollten Aufnahmen für die neue Asia Food Linie des Cafés gemacht werden, Social Media, ich könne dann alles auf Insta sehen. Der ganze Zinnober nur dafür? Ja, und mein fancy Drink gehörte auch dazu.
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