• Torsten_Dus.Pa
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Singapur

A short but fine adventure by Torsten_Dus.Pa Read more
  • Trip start
    March 30, 2026

    Das Hotel oder DAS HOTEL?

    March 31 in Singapore ⋅ ☁️ 28 °C

    Drei Tage Singapur. Der Abschluss. Finale. Und dafür wollte ich mir was gönnen. Eigentlich sollte hier gar nicht so ausführlich erwähnt werden.. Klingt schnell so großspurig, was es wirklich nicht sein soll. Aber es ist nicht möglich, es unter den Tisch fallen zu lassen, also mein ausgewähltes Hotel. Zum einen ist es viel zu groß und zum anderen spielt es für meinen Aufenthalt hier eine größere Rolle, als mir bewusst war. Dass ich gute Hotels liebe, dürfte sich wohl rumgesprochen haben. Es müssen nicht die mit den 5 Sternen sein, gut ist für mich oft nicht mit einem Stern zu bemessen. Aber gut bedeutet in Singapur für mich das etwas außergewöhnliche, und leider auch sehr teure. Aber was soll der Geiz! Auch wenn Taiwan teurer als gedacht war, der Spaß war bereits gebucht. In meinen Dunstkreis der Aufmerksamkeit zu gelangen ist für Hotels hier in Singapur gar nicht so einfach, gibt es hier doch lauer Superlativen. Aber genau die sind oft nicht das Spannende. „Mein“ Hotel punktet damit, dass es Wert auf eine gute Architektur und Inneneinrichtung legt, ohne dabei kalt zu wirken, und das Ganze mit ökologischen Leitlinien verband. Auf mehren Ebenen des Hochhauses gibt es grüne Etagen, auf einer kann der geneigte Gast einen Spaziergang über 250 m durchs Grün machen. Auf dem Dach werden das eigene Gemüse und Pilze gezüchtet neben den Solarpanelen. Und es liegt sehr gut, immer ein wichtiger Punkt. So war ich am ersten Tag schnell in Chinatown und im Financial District mit seinen schillernden Hochhäusern. Hier geriet ich gerade in die Lunchpause, so dass aus all den Türmen schwarz und weiß gekleidete Menschen strömten auf der Suche nach was zu Essen. Was hier aber anders war als in London oder Frankfurt, war ihre Geschwindigkeit. Sie schlenderten geradezu relaxt durch die Schluchten. Damit das Vorwärtskommen nicht zu schwierig wurde, musste ich meine Geschwindigkeit anpassen und verringern. Ich hatte wieder das Tempo von Krugi drauf. Eigentlich ganz gut, fand ich dann. Ich wurde zwangsgebremst und genoss es. Zu meiner Verteidigung für mein spätes Aufbrechen in die Stadt sei erwähnt, dass ich im Frühstücksraum, naja, eher Saal, weit mehr als eine Stunde verbracht habe. So viel Zeit habe ich noch nie allein beim Hotelfrühstück gebraucht. Aber um allein alle Frühstücksstationen abzuklappern, musste ich mehr als 200 m laufen. Einmal war ich solange auf Pirsch, dass der Service meinen Tisch komplett abgeräumt und wieder eingedeckt hatte. Dabei hatte ich mein Besteck doch extra so gelegt, dass klar sein musste, hier wird noch gegessen. War das etwa kein international gültiger Code? Ich musste von vorn anfangen. Was für ein Ärger. Gerade als ich  dachte, dass einzige, was es hier nicht gibt, ist Eis, stand ich vor der Eistruhe. Ganz hinten in der Ecke. Ok, das war eine Einladung. Ich toastete mir ein Brot, lies aus dem Nutella-Automaten dick die dunkelbraune Creme drauflaufen und krönte das ganze mit zwei Kugeln Eis. Nachdem ich mit diesem Kampf fertig war, aß ich genüsslich eine kleine Pflaume, als eine Servicekraft zu mir kam und fragte, ob das alles sei? „Bitte?“ „Ja, für Sie nur diese Pflaume, das genügt?“ „Ja, das genügt.“ Wir grinsten beide. Tja, und so kam es, dass ich mitten in den Lunchstrom von Singapur geriet. Hier bemerkte ich, dass es überall so gut roch. Sehr angenehm. Aber schon merkwürdig, rochen alle gleich, was ich hier nicht ausschließen möchte, oder, ebenfalls im Bereich des Möglichen, wurde was versprüht? Ein paar Kreuzungen weiter bemerkte ich, dass ich das war. Ich hatte endlich mal wieder eine Lotion benutzt, die vom Hotel. Ich Schnellchecker!

    Mein weiteres Ziel war die Marina. Dort befindet sich u.a. das Marina Bay Sands, dieses riesige Luxushotel mit dem Swimmingpool, der oben auf dem Dach über drei Gebäude hinweg geht. Die Aussichtsplattform war aber wegen Gewittergefahr geschlossen. Das Hotel ist mit Abstand das teuerste und dabei für mich noch nicht mal schönste. Wer sich gefragt hat, wie bei diesem breiten Gebäude jedes Zimmer ein Fenster haben könnte – die Antwort ist: es ist hohl. Also die Gebäude sind von innen einfach bis, keine Ahnung, zur 15. Etage innen unbebaut, also hohl. Soviel ungenutzter Platz hat seinen Preis.

    Genug gesehen, diese ganzen Shops gibtˋs auch der Kö. Gardens by the Bay, diese großen Riesenblumen und den Flowerdome gab es noch zu bestaunen. Dazu auch noch den Cloud Forest, auch unter einer riesigen Glaskuppel. Der Forest war gerade mit einer Jurassic Parc Show verbunden. Naja, ist im Preis mit drin, was soll ich machen. Als ich dien Dom mit dem Cloud Forest betrat, stand ich plötzlich vor einer ca. 100 m hohen Wand aus Bäumen, Blumen und Farnen, von der mehrere Wasserfälle nach unten rauschen. Gerade hatte auch die Benebelung der gesamten Anlage angefangen, so dass überall Dampf aufstieg. Dazu gab es Jurassic Parc Musik und links von mir schrie mir ein lebensechter Dino ins Ohr. Ok, Leute, Iˋm realy impressed. Erst mal zurück zum Hotel, das heiße Klima, das viele Laufen, die Dinos…das schlaucht.

    Außerdem gab es noch einen Programmpunkt. Ja, genau, die schon fast obligatorische Foodtour. Die wurde geleitet von einem älteren Mann, der in Singapur geboren und aufgewachsen war. Auch eher selten. Ein sehr symphytischer Typ, aber irgendetwas irritierte mich an ihm. Nach satten 10 Minuten hatte ich es rausgefunden – er hatte als Asiate doch tatsächlich blaue Augen. Da war er schon wieder, der Schnellchecker. Es waren komischerweise wieder nur Nativ-Speaker dabei. Es liefen in Singapur so viele Deutsche rum, wo waren die? Nicht, dass ich sie vermisste. Und an diesem Abend sollte das Hotelthema wieder aufgegriffen werden. Eine Station unseres Weges war das Fullerton Hotel, ein tolles, altwürdiges Hotel. Die ehemalige Post der Stadt. Hier gingen wir aber nur aufˋs Klo. Das hätte meine Idee sein können. Ein älteres Ehepaar aus den Staaten erwähnte, dass sie im Maina Bay abgestiegen seien. „Aha.“ „Jaaaa, ganz tolles Hotel.“ „Ja, ich weiß.“ Die Ehefrau ließ nicht locker und zeigte mir ein Video von dem Pool. Ich blieb weiter unimpressed und meinte nur: „Das ist doch schön, für jeden Geschmack gibt es etwas.“ Ups, sie zog das Handy weg und ging schnurstracks zu einem anderen, dem sie es zeigen konnte. Hier war verbrannte Erde. Damit aber immer noch nicht genug. Die Obsession an Hotels ging weiter, als mich die Ehefrau des britischen Paares fragte, wo ich denn nächtige. Ich nuschelte den Namen des Hotels. Sie blickte mich wie vom Donner gerührt an. Oh je, mein nächstes Fettnäpfchen? Nein, sie war nur impressed. Da wollten sie auch unbedingt hin, da sie aber hier so lange in Singapur sind, können sie sich das nicht leisten. Was soll man darauf sagen? „Äh, ja, schon teuer.“ „Aber waren sie denn schon im Pool?“ „Äh, nein, noch nicht.“ „Aber das müssen sie unbedingt machen!“ „Äh, ja, bestimmt noch.“

    Können wir uns jetzt bitte einfach mal wieder um das leckere Essen hier kümmern. Oder um Berufe, wenn es schon so ein Kram sein muss. Der obligatorische Kanadier der Food-Gang arbeitet in Saigon bei einer Bank und kam zur Erholung einmal im Monat nach Singapur. Kann ich verstehen, ist nicht weit und beruhigt. Er hat unter anderem mit dem Cirque du Soleil zusammengearbeitet und ihm in Asien Finanzpartner gesucht. Wir waren beide Fans dieses Zirkusses. Aber es sollte nicht sein, das Hotelthema kam nochmal – dem britischen Ehemann schuldete ich einen SP Dollar Wechselgeld für ein Getränk. Seine Frau kicherte: „Ach, macht doch nichts, dafür nehmen sie mich morgen mit zum Pool.“ „Äh, ja, kein Problem.“ „Hi, hi, für einen Dollar, hi, hi.“ „Äh, ja, wirklich, ich nehme sie da auch beide mit rein.“ Ich stopfte mir den Mund voll Essen.
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  • So viel Hitze!

    April 1 in Singapore ⋅ ☁️ 32 °C

    Der nächste Tag startete mit Frühstück, welch Überraschung. Ich lernte, dass es für das Besteck ein extra kleines Tellerchen gab und wenn man darauf das Besteck entsprechend schräg ablegte, dann war klar, hier wurde noch gegessen. So gab es dieses Mal kein Zwischenfall. Der kam erst danach. Als ich wieder vor meiner Zimmertür stand und die Karte dranhielt, ging nichts. Nicht mal der Piep, der mit einem roten Leuchten verbunden war. Oh je, war die Kreditkarte doch über Limit. Ich versuchte es schnell, dann langsam, dann von Hinten plötzlich….nichts. Ich musste zur Rezeption schlurfen. Die Karte geht, ein Techniker kommt. Ich wartete keine zwei Minuten vor dem Zimmer, als ein Angestellter kam und Hilfe anbot. Das war aber nicht der Techniker, nur bleibt in diesem Hotel halt nichts unbemerkt, erst recht nicht sinnloses Rumlungern vor Zimmern. Aber er durfte keine Türen öffnen. Dann kam ein Türöffner – ein junger Man im schwarzen Anzug und Laptop, den er gleich einstöpselte, also bei meinem Zimmer, nur, um es klar zu haben. „Ob das auch mein Zimmer sei?“ „Äh ja schon, die Karte habe ich nicht gefunden.“ Hm, er guckte noch mal kritisch, ließ mich dann aber rein und reparierte meinen Türöffner.

    Heute wollte ich Natur haben, das war mir schon zu viel Großstadt. Also raus in den Botanischen Garten. Der hat gleich mehrere Vorteile – er ist grün, er gibt Schatten, er ist schön, und er ist gratis! Letzteres ist bei der Größe und dem Umfang schon bemerkenswert, ebenso, dass er zum Weltkulturerbe zählt. Zu recht. Und der Orchideengarten, der bezahlt werden muss, ist phantastisch. Es gibt zahlreiche Eigenzüchtungen und wenn man Berühmt genug ist, wird vielleicht eine neue Sorte nach einem benannt. Mein Handy begann mit mir zu kommunizieren. Es vibriere ständig und gab mir per Text zu verstehen, das ihm heiß sei. Ja, mir auch! Was soll ich machen? Der  Guide von gestern Abend hatte das Wetter des vergangenen Tages gelobt, es sei so schön bewölkt. Jetzt verstand ich, was er meinte. Die Sonne schien, und es war fast unerträglich heiß samt hoher Luftfeuchtigkeit. Mein Handy vibrierte weiter. Ich fürchtete, es könnte mir noch in der Hand explodieren. Ich ging weiter und stand plötzlich vor einem großen Gewächshaus, davor ein Schild, welches es als „Cool House“ bezeichnete. Echt jetzt? Verblüfft gingen mein Handy und ich hinein. Es war für Orchideen gedacht, die es gern so um die 20 Grad haben, was erstaunlich viele sind. Das war die Rettung. Aber mein kleiner Sprechapparat wurde auch nach 5 Minuten einfach nicht kühler. Was denn noch? Endlich kam ich auf die Idee, es aus der Hülle zu nehmen. Also nackisch machen, das hilft meistens. Bei mir ließ ich es dieses Mal bleiben. Und siehe da, nach weiteren 10 Minuten waren wir beide wieder auf Betriebstemperatur und konnten weitergehen.  

    Den Nachmittag verbrachte ich im Stadtviertel Katong, in dem es sehr ruhig zugeht zwischen den schönen und farbenfrohen Kolonialhäusern. Die haben kleine Geschäfte im Erdgeschoss, die meisten interessante, aber eigentlich nicht wirklich wichtige Dinge verkaufen. Zum Schlendern bestens geeignet. Das Viertel war ein Tipp von Justine, die auch gerade in Asien für ein paar Monate unterwegs ist. Auch wenn unsere Reiselinien sich immer wieder kreuzten, so taten sie das leider nie zur selben Zeit am selben Ort. In einem Café machte ich halt, da ich was Kühles brauchte. Über den verwirrenden Bestellvorgang hinweg (erst gab es das Getränk, dann nicht mehr, umbestellt, plötzlich gab es doch die Ursprungsbestellung) hatte ich die Menschenansammlung im hinteren Drittel des Raumes gar nicht bemerkt. Lauter, meist männliche, in schwarz gekleidete junge Menschen, die dermaßen cool waren, das man die AC ausstellen konnte – Sonnenbrille auf das Käppi, Sonnenbrille nach hinten in den Nacken geschoben, dann wieder auf den Kopf usw. Ich schien einen davon so faszinierten Eindruck zu hinterlassen, dass die Bedienung zu mir kam, um mir alles zu erklären, was ich da so sah. Die schwarz gekleideten Menschen waren Hairdesigner, Stylisten, Fotografen, Filmemacher und was es sonst so braucht. Es sollten Aufnahmen für die neue Asia Food Linie des Cafés gemacht werden, Social Media, ich könne dann alles auf Insta sehen. Der ganze Zinnober nur dafür? Ja, und mein fancy Drink gehörte auch dazu.
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  • Basic Instinct der Zufälle

    April 2 in Singapore ⋅ ⛅ 30 °C

    Eine weitere Frühstücksgeschichte soll es sein? Na dann! Die meisten Menschen in solch einem Hotel sind langweilig. Es wird kaum untereinander gesprochen (außer im Fahrstuhl – wahrscheinlich deshalb, weil das Gespräch hier immer schnell auf natürliche Weise beendet wird). Aber nonverbal kann auch viel gesagt werden. Und dazu ist ein Frühstücksraum der beste Ort, um das zu beobachten. So zum Beispiel der kleine, dünne deutsche Man, der stolz wie Napoleon herumlief und zu verstehen gab, dass er sich das hier und seiner Familie leisten kann. Dumm war nur, dass das keinen interessierte, noch nicht mal Frau und Tochter. Es fehlt jede Anerkennung für ihn. Ich war kurz davor mal hinzugehen und „Herzlichen Glückwunsch“ zu sagen, als eine Frau meine Aufmerksamkeit erregte. Sie war ungefähr Anfang 40 und saß allein am Tisch mir schräg gegenüber. Ich fand sie interessant, da sie so komplett das Gegenteil des kleinen Mannes darstellte. Sie wusste, wer sie war, was sie war und erst recht, wo sie war. Alles an ihr strahlte Souveränität aus. Und ich würde schwören, dass sie Französin war. Sie beachtete mich nicht. Und dann doch. Flirtete sie mit mir? Ich weiß das nie so genau. Selbst bei Männern bin ich dermaßen unbeholfen. Erst letztes Jahr fragte ich nach einem Konzertbesuch zusammen mit Krugi, ob Typ XY was von mir gewollt habe. Sie sah mich an, als hätte ich ihr gerade eröffnet, dass nun endgültig der Beweis erbracht worden sei, dass sich die Erde doch um die Sonne drehte. Jedenfalls veränderte die Frau nicht ihren Gesichtsausdruck. Aber nachdem sie mich angesehen hatte, änderte sie ihre Sitzposition. Erst hatte sie die Beine übereinandergeschlagen und die weiße Serviette darüber gelegt. Nun hatte sie diese auf den Tisch getan und die Beine, die in knappen Shorts steckten, weit gespreizt und die Innenseiten zeigten genau zu mir. Noch einmal ein Blick zu mir, dann stand sie auf und ging einfach aus dem Raum. Ich war noch am Überlegen, was das jetzt war, als mir mein halbes Ei, das ich gerade essen wollte, aus den Stäbchen rutschte und in die Misosuppe plumpste. Na toll, doch noch mal umziehen.

    Heute machte ich Inselhopping. Will heißen ich fuhr mit dem Cablecar von der Hauptinsel auf die Insel Sentosa. Wenn in Singapur was gemacht wird, dann will man immer weit vorn mitspielen. So war das auch nicht einfach nur eine Seilbahn, sondern ein ganzes Seilbahnsystem, mit mehreren Aus- und Einstiegen und Umsteigemöglichkeiten. Auch auf der Insel selbst war nichts dem Zufall überlassen. Ich wusste, dass dort Vergnügungsparks waren, aber eigentlich war die gesamte Insel durchchoreografiert. Ich mochte es nicht. Ich war müde, also legte ich mich in den Schatten an den Strand. Schlief ein. Die Sonne wanderte. Die Palme nicht. Mist. Dann wollte ich in eine Strandbar. 50 Dollar für einen Platz auf einer Holzbank ohne Blick. Äh, nein danke. Ich wurde etwas missmutig. Dann fiel mir ein, dass ich die Karte zum Glück die ganze Zeit im Rucksack hatte. Die Rezeptionistin hatte sie mir beim Auschecken gegeben mit dem Hinweis, das Spa des Hotels stehe mir weiterhin heute zur Verfügung. Ja, bin ich denn bekloppt. Nix wie hin. Oh war das gut – eine Dusche gegen den Sand, der Pool zum abkühlen, die Lotion gegen den Sonnenbrand.

    Am Abend hieß es dann aber dennoch aufbrechen zum Flughafen. Auf dem Weg dahin wurde ich zweimal kontrolliert. Nicht die Fahrkarte, meine Rucksäcke, einmal der eine, das andere Mal der andere. Was war anders? Sah ich mit dem Gepäck so gefährlich aus? Hatte sich die geopolitische Weltlage abermals geändert? Die letzten Kilometer zum Flughafen fuhr ich mit dem Bus. Und so kam es, dass ich mich dem schönsten Flughafen der Welt durch seinen Untergrund näherte. Der Bus fuhr sämtliche Terminal unterirdisch ab. Was ich da zu sehen bekam, war alles andere als schön. Sichtbeton und noch mehr Sichtbeton. Als ich mich aus dem Untergrund nach oben schraubte, fragte ich mich, ob fehlende Rolltreppen das Konzept eines solchen Flughafens sind. Endlich auf Ebene 1 angekommen, wurde ich auch wie ein Kellerkind behandelt. Mag ja sein, das Blumenanlagen und Wasserfälle und riesige Installationen beeindrucken, Freundlichkeit verfängt bei mir eher und die war Mangelware. Am Self-Check-In gab ich brav meine Daten ein und klickte auf Finalisieren. Es erschien aber statt dessen der blinkende Hinweis, dass der Prozess nicht beendet werden kann und abgebrochen wird. Ich solle mich bitte umgehend beim Oparator melden. What? Oh je, hatte ich etwa gegen eine der zahllosen Verbote des Stadtstaates verstoßen und musste vor der Ausreise noch eine Strafe zahlen? Wurde von einer der unendlich vielen Kameras aufgenommen, wie ich Papier habe fallen lassen? Ich ging alles durch – in der U-Bahn vielleicht? Oder doch eher im Botanischen Garten? Ich probierte es noch mal am Automaten, und dieses Mal lief alles glatt durch. Aber die kurze Angst macht den Blick frei, welchen Preis es haben kann, dass Singapur zu den sichersten, den saubersten, den entwickelten Ländern dieser Welt gehört.

    Endlich nahm ich an einem der Bachläufe platz. Kaum saß ich, begannen meine Nachbarn zu schnaufen, zu niesen und zu krächzen als säße ich in der Notaufnahme nach einem Pandemieausbruch. Endlich öffnete gegen Mitternacht das Gate. Und einmal durch die letzte Kontrolle gelangt, gab es dort gar nichts mehr, nicht mal ein Klo. Was war denn nur los heute? Ich beschloss für mich, der Annahme zu folgen, dass Singapur, ach, dass ganz Südostasien, mir den Abschied so einfach wie möglich machen wollte, ohne große Szenen, Vermissen, langes Händchenhalten – raus und weg. Das war ja schon fast wieder rührend. Um so herzlicher empfing mich alles, was nach Heimat roch. Die gute alte Lufthansa war freundlich und hielt einen guten Platz für mich bereit. Neben mir saß, „zufällig“ Michael, ein sehr angenehmer Typ, mit dem ich sofort ins Plaudern kam. Er war im Finanzbereich tätig (wer war das eigentlich nicht, außer mir) auf der Rückreise in seine Heimat Polen und hatte in den letzten 14 Tagen soviele Länder in Asien bereist, wie ich in den 4 Monaten. Beruflich. Klingt anstrengend. War es wohl auch. So kam schnell das Thema Reisen, denn privat war er eher wie ich unterwegs. Wir redeten über Kathmandu, meine Arbeit dort, seine Erfahrungen. Den Blickwechsel, den man einnimmt, wenn man lange unterwegs ist. Sein Vater war Geologe und hatte ihm schon früh erzählt, dass die Darstellung der Kontinente auf Karten total die Realität verzerrt. Ganz besonders das Größenverhältnis von Afrika und Europa. „Ah ja, du meinst die Marcator-Darstellung, die für die Navigation von Schiffen entwickelt wurde?“. Seine Augen begannen zu leuchten: „Ja, woher weißt du das?“ Ich erzählte ihm, dass ich „zufällig“ vor drei Tagen einen Podcast gehörte hatte, in dem eine junge Deutsche ihre Geschichte teilte, wie sie mit dem Fahrrad von Deutschland bis zum Kap der Guten Hoffnung gefahren ist. Sie brauchte 400 Tage und war unter anderem von der gewaltigen Größe und Vielfalt dieses Kontinents überrascht und beeindruckt. Und fand es ein Unding, dass immer noch der eurozentrische Blick auf die Welt vorherrscht, und eben die nicht realistische Darstellung von Afrika durch die Marcator-Projektion. Unser Flieger war schon längst gestartet und hatte den Luftraum von Singapur verlassen. Ja, Afrika, was ist das eigentlich mit Afrika…. Nun, jetzt geht es erstmal in Richtung Heimat.

    Wir landeten nach 12 Stunden pünktlich in Frankfurt am Main. Michael und ich verabschiedeten uns, und mein erster Gedanke, als ich aus dem Flugzeug stieg, war ´Ist das hier kaltˋ. Dann musste ich daran denken, wie ich die jungen Nepali bei unseren simulierten Bewerbungsgesprächen immer fragte, was sie für die größte Herausforderung halten, wenn sie nach Deutschland kämen. Die große Mehrheit erwiderte, dass es dort so kalt sei. Ich belehrte jedes Mal geduldig, dass sie bitte etwas anderes wählen sollen, wie die Sprache, die Kultur, die fehlende Familie… Nun, als Personaler hatte ich sicherlich recht. Als Mensch, so kam es mir jetzt in den Sinn, hatten sie alle recht – es war verdammt noch mal kalt. Auf dem Weg zum Fernbahnhof begann ich so ganz langsam zu realisieren, wo ich war. Und mir fehlte jemand, mit dem ich meine aufgewühlten Gedanken teilen konnte. So schrieb ich einfach zwei Freundinnen, die mich eng begleitet hatten, dass ich wieder auf deutschem Boden war und einen Umarmung vermisse. Die gab es nicht, aber ein Cappuccino sollte helfen. Der Verkäufer war äußerst freundlich, wo war denn die deutsche Rauheit geblieben. Er wünschte eine schönen Feiertag. Was denn für einen Feiertag? Ach ja, es ist Karfreitag! Die Bahn gab auch ihr Bestes und mit 4 Minuten Pünktlichkeit fuhren wir am Hauptbahnhof Düsseldorf ein. Ich überlegte noch, ob die Frau vor mir beim Aussteigen gerade Marie-Agnes Strack-Zimmermann gewesen war, als ich jemanden „Torsten“ schreien hörte. Das erschreckte mich, wurde ich doch seit 4 Monaten nicht mit vollem Namen gerufen. Konnte auch nicht für mich sein. Es wusste keiner meine Ankunftszeit. Doch da kam jemand mit weit ausgebreiteten Armen auf mich zugerannt. Dagmar! Nein. Doch. Wir fielen uns in die Arme, jeder ein Tränchen verdrückend, als sie sagte: „Du wolltest eine Umarmung, hier ist die Umarmung!“ Dagmar wartete „zufällig“ auf dem Gleis gegenüber zusammen mit ihrer Mama auf ihren verspäteten Zug, der sie über Ostern nach Bremen bringen sollte. Oh war das schön. Ebenso, dass Thomas zu Hause war, und ich frische Brötchen für das Frühstück mitbrachte. Ich war wieder daheim.
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  • Wir lesen uns!

    April 3 in Germany ⋅ ☁️ 12 °C

    Disclaimer: Hier geht es nicht mehr um das Reisen selbst, sondern sowas wie Reflektieren. Kann unter Umständen zu Lähmungsescheinungen wegen Langeweile führen. Daher – ab hier, spätestens ab hier, ist jeder für sich selbst verantwortlich beim Weiterlesen.

     
    So, und was bleibt nun nach dem ganzen Geraffel außer einem leeren Konto? Nun, das kommt ganz darauf an (da blitzt der Jurist durch), welches Konto man betrachtet. Ich habe diese virtuelle Geld auf dem Konto der Bank (hat mir das eigentlich je gehört?) in konkrete Erinnerungen, Erfahrungen, Erkenntnisse meines inneren Kontos (das hat mir schon immer gehört!) umgewandelt. Kann man machen, muss man nicht. Eine Eigentumswohnung ist auch ganz schön, wenn sie denn schön ist. Und wenn man Wert darauf legt.

    Ich wurde bereits jetzt schon häufig gefragt, was war das Schönste, das Beste oder das Schlechteste? Es ist für mich schwierig, darauf eine Antwort zu geben. Die Länder, die Situationen, die Umstände sind überall so anders, das wäre wie Birnen mit Äpfeln vergleichen. Ehrlich gesagt möchte ich gar nichts davon missen. Gehört irgendwie alles in diesen Topf und macht den Eintopf erst perfekt. Wenn ich absolut gezwungen werden würde, mich zu entscheiden, dann war der Monat in Kathmandu der absolut herausforderndste und gleichzeitig erkenntnisreichste der Reise. Und am geilsten war einfach die Motorradtour durch die Berge Nordvietnams.

    Was ich gelernt habe? Na, ne Menge! Aber über mich nichts bahnbrechend Neues. Habe ich auch nicht so ganz erwartet, bruschtel ich doch schon seit mehr als 5 Jahrzehnten mit mir selbst rum. Aber Dinge an sich neu zu entdecken, die vergessen waren oder Altes zu bestärken, was schon lange angelegt war oder scheinbar Verqueres ganz langsam doch mal zu akzeptieren, ist so viel mehr wert. Was das so ist? Hm, die ganz persönlichen Dinge lasse ich mal außen vor. Der Rest könnte auch aus einem Seminar stammen, will heißen nichts davon ist eine weltbewegende Neuheit – aber Wissen ist nicht Fühlen ist nicht Leben. Und bei folgenden 5 Dingen bin ich dem Leben ein Stück näher gerückt:

    1.    Lächeln

    Ein Lächeln versetzt wirklich, wirklich Berge. Erst recht, wenn Sprache versagt, wenn die Situation merkwürdig bis befremdlich und nicht einschätzbar ist, wird ein Lächeln die Währung von unschätzbarem Wert. Das Gegenüber spürt, ob es echt ist und von Herzen kommt. Und ich habe fast nie erlebt, dass jemand seine harte Haltung nicht doch ein kleines bisschen aufgab. Die Macht des Lächelns ist mir gleich bei meinem ersten Reiseziel aufgefallen, dem Land des Lächelns – Sri Lanka. Natürlich, je mehr die Städte größer wurden, je öfter dort Touristen auftauchten, wurde auch das Lächeln schmaler. Aber es machte so eine gute Laune und half über so vieles hinweg, dass ich mir von diesem Monat dort mitnehmen wollte, es mehr einzusetzen. Versucht es, es ist wie ein Spiegel, und wer kann eurem Lächeln schon wiederstehen?

     2.    Neugierde

    Sie ist, denke ich, eine Motor, um überhaupt aufzubrechen. Sie ist mein Gegengewicht zu meinen Bedenken, gar meiner Angst. Sie ist der Grund, sich Dinge anzuhören, anzusehen, die teils so gegen die eigene Welt verstoßen, das es schwerfällt dabei zu bleiben. Aber es lohnt sich, die Offenheit aufrecht zu erhalten und nicht gleich in die Abwehr zu fliehen. Echtes Interesse erzeugt auch Offenheit bei meinem Gegenüber, und erst dann wird es oft spannend. So geschehen in Buthan. Neugierde, kombiniert mit Geduld und Zurückhaltung haben am Ende der Reise  zu einem sprudelnden Quell an Informationen geführt. Das fand ich alles andere als einfach. Einige der Dinge, die unser Guide erzählte riefen fast reflexartige kritische Fragen in mir wach. Aber wie habe ich mal in einem schlauen Buch gelesen: Bevor was Unpassendes rausgehauen wird, einfach sich selbst fragen: Muss das gesagt werden? Muss es jetzt gesagt werden? Und, muss es von mir gesagt werden? Das war sehr hilfreich dafür, einfach mal die Klappe zu halten. Der andere wird sie schon selbst aufmachen.

    3.    Zuhören

    Klingt einfach, ist es aber nicht. Hängt auch eng mit der Neugierte zusammen. Erzählt mir jemand etwas, ist schnell mein Gehirnarreal angeschmissen, das nach Erwiderung sucht, nach eigenen Geschichten, nach Vorannahmen. Das ruhig zu stellen, ist alles andere als einfach. Aber ohne dem wird es schwer, wirklich zu hören, was der andere sagt. Das in besonderem Maße auszuprobieren, war Gelegenheit in den Bergen Nordvietnams. Der Easyrider von Krugi war eine ständig erzählender und extrovertierter Typ. Ich versuchte auch Erfahrungen aus Deutschland, Europa seinen Erzählungen anzufügen. Aber nachdem es drei Mal passierte, dass er förmlich gelangweilt weghörte, gab ich es auf. Der Typ war komplett auf Senden geeicht. In dem speziellen Kontext hier war das mehr als ok, wollte ich doch viel erfahren. Aber es kostete schon ein paar Anstrengungen, mich dazu zu bringen, nicht in den Dialog oder Monolog zu gehen. Aber es lohnt sich. Man erfährt so viel mehr. Manchmal mehr als der andere dachte.  

    4.    Vertrauen

    Worin? Quasi in alles und jeden. Klingt verrückt? Ist es auch. Aber am Besten ist, bei sich selbst anzufangen. Und, finde ich, am schwierigsten. Aber das Vertrauen darauf, dass ich in der Lage bin, die wirklich meisten Situationen irgendwie zu händeln, das alles, was ich an Fähigkeiten und Wissen brauche, bereits in mir vorhanden ist. Das zu lernen, dafür sind Reisen wie geschaffen. Denn sie pushen uns in Situationen, die es erforderlich machen, auch die Dinge in uns zu nutzen, die wir im Alltag zu Hause kaum oder gar nicht nutzen. Aber sie sind da. Und von da aus kann ich zur Außenwelt gehen. Darauf vertrauen, dass die meisten Menschen die Dinge, die sie tun nicht aus Boshaftigkeit machen. Und dann gibt es noch die Welt an sich. Ganz schwierige Kiste für mich. Als ich vor ca. 2 nach Mallorca flüchtete, weil es mir echt beschissen ging, war ich dort zumindest offen für alles mögliche, was nicht offensichtlich schadet. So machte ich auch eine Reki-Session mit. Bis dahin irgendwie Hokus-Pokus für mich. Neben anderen spannenden Effekten ist mir eines in Erinnerung geblieben. Das erste was die Dame zu mir sage, nachdem sie mich nach dem Ende der Session lange ansah: „Du hast das Vertrauen in das Universum komplett verloren. Finde es wieder. Unbedingt!“ Ich starrte sie an. Was soll ich denn jetzt mit dieser Aussage anfangen? Wie schafft man Vertrauen ins Universum?? Nun ja, zwei Dinge halfen – erstens hatte ich das Vertrauen wohl schon mal gehabt, sonst hätte ich es nicht verlieren können. Zweitens: Klein anfangen, eben bei sich selbst, in sich selbst, mit sich selbst.

    5.    Dankbarkeit

    Das habe ich sicherlich schon erwähnt. Es ist mir schon klar, das es ein extrem großes Privileg ist, so frei reisen zu dürfen. Der Zufall der eigenen Geburt in Ort und Zeit gibt schon mal eine ausschlaggebender Grundlage. In einigen Situation habe ich es vermieden über Reisen und andere Länder zu sprechen, da klar war, das mein Gegenüber kaum etwas dazu sagen kann. Manchmal weil er oder sie nicht reisen wollten, oder sie konnten schlicht nicht. Der „falscher“ Pass kombiniert mit schwierigen ökonomischen Umständen und dann noch eine Prise andere Kultur dabei. Aber es gibt noch jede Menge andere Faktoren, die ich gar nicht alle aufzählen kann. Aber ebenso wichtig, wurde plötzlich wichtig, die allgemeine Weltlage, die eigene Gesundheit und, für mich von hoher Bedeutung, ein zu Hause, wo ich  Freunde habe. Von dem ich aufbrechen kann und wieder landen kann.

    Und Bruno, natürlich. Der ist seit gestern wieder an meiner Seite. Anfangs ein klein wenig zögerlich. Aber dann gab es eine wilde Kissenschlacht, und er schlief tief neben mir ein. Nehme ich mal als Kompliment.

    Und für die, die es bis hierher ausgehalten haben zu lesen, auch ein Kompliment. Aber genug des Gelabers. Es wird Zeit, die restlichen Sachen aus dem Koffer zu sortieren. So wie meine Gedanken. Schritt für Schritt. Bis zum nächsten Mal. Wir lesen uns. Eurer Torsten.
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    Trip end
    April 3, 2026