Wer ist eigentlich dieser Alex? Ein Nachtrag.
June 5 in Croatia ⋅ ☁️ 19 °C
Jede gute Geschichte hat einen Nachtrag, oder? Behaupte ich jetzt mal. Und da die Frage aufkam, wer eigentlich dieser Alex ist, wollte ich hier noch eine Antwort geben. Naja, ehrlich gesagt, wurde ich nur einmal nach ihm gefragt. Aber das reicht mir.
Alex, das ist mein Reisegefährte seit sehr vielen Jahren, mein Reise-Pinguin. Oder auch very international „The Travel-Penguin“. Wie oft sind wir schon gemeinsam aufgebrochen und haben versucht, die Welt zu erkunden. Er ist sehr schweigsam, dafür aber um so beredeter. Er ist auch sehr duldsam und tröstend. Manchmal merke ich gar nicht, dass er da ist. Aber ich spüre sofort, wenn er es nicht ist. Wir haben uns vor fast dreißig Jahren in Guatemala kennengelernt. Zusammen mit meinem guten Freund Falk lief ich dort irgendwo im Dschungel über einen indigenen Wochenmarkt. Und da war. Stand so rum. Auch damals sagte er schon nicht viel. War einfach präsent. Und ging mit mir. Er heißt mit vollem Namen Alexander von Humboldt, aber eben auch gern einfach nur Alex. Mittlerweile gibt es unzählige Photos mit ihm. Meist steht er auf dem Nachttischchen, umgeben von irgendwelchem Zeugs. Wobei dieses Zeugs auch sehr beredet ist, zeigt es doch auf irgendeine Weise, wo ich bin, was gerade wichtig ist oder wie es mir geht….also welche Art von Wasserflasche steht da, Ohropax, Tabletten, Creme, Bücher, Lebensmittel….all das sagt mehr als man denkt. Wäre schon fast eine Ausstellung wert. Alex scheint dabei immer gleich zu wirken. Aber eigentlich ist er nicht so kühl. Aber doch sehr robust. Bisher, zum Glück, hatte er nur eine ernsthafte Blessur – sein rechter Fuß war verletzt. Aber zum Glück konnte Deb auf Sri Lanka gut mit Nadel und Faden umgehen und hat ihn versorgen können. Eine kleine Narbe ziert ihn jetzt, fast nicht zu sehen.
Mit Alex bin ich auch gerade wieder unterwegs – in Kroatien, in der Nähe von Rijeka, irgendwo hinter der ersten Berglinie in einem Tal. Yoga machen. Viel Nichts tun. Wobei das ja so auch nicht stimmt. Drei Stunden Yoga täglich für jemanden, der sonst keines macht, ist schon ne Menge. Und im Meer schwimmen. Auf eine Burg wandern. Sich fragen, ob das Gespräch jetzt noch interessant ist, oder ich lieber gehe. Hier schreiben. Lesen. In die Luft gucken. Dem Regen lauschen. In die Sonne blinzeln. Ins Dorf gehen und mit den Männern einen Café in der einzigen Bar trinken. Also irgendwie Nichts.
Und immer dabei. Alex.
Ich habe nach meiner Reise viele Fragen beantwortet, viele davon waren sehr ähnlich. Vor allem die, ob ich mich wieder eingelebt habe. Ja und nein. Und ja, es war die ersten Tage schon sehr befremdlich. Gar nicht mal so die Umgebung – Taiwan und erst recht Singapur haben gut auf Europa vorbereitet – vielmehr war ich aus meiner Nichtroutine wieder in eine mögliche alte Routine geworfen. Und die funktionierte nicht sogleich, oder sollte es vielleicht auch nicht? Zum Glück war Thomas da, und da ich vom Bahnhof Brötchen mitgebracht hatte, frühstückten wir zusammen. Doch dann, es war gerade mal 10:30 h, ja was dann? Es war stiller Feiertag in Deutschland – Karfreitag. Alles geschlossen. Es gab nichts zu tun. Nichts zu organisieren, nirgendwohin zu gehen. Und so offensichtliche Sachen, wie Koffer auspacken oder Wäsche waschen, wies ich weit von mir. Ich kann auch gar nicht mehr sagen, was ich gemacht habe. Ich erinnere mich schlicht nicht mehr. Das Gefühl der Hilflosigkeit mit mir selbst wich aber schnell in den nächsten Tag und alte Rhythmen waren erstmal sehr willkommen.
Den Arbeitsrhythmus fand ich auch erst mal nicht. Was genau stecke nochmal hinter dem Konzept, sich für gute 9 Stunden hinter einem Screen zu klemmen, darauf zu starren, Probleme andere zu lösen und dann völlig fertig am Abend zu merken, dass die Sonne bereits untergeht? Sehr befremdlich. Mein Konto flüsterte mir erstmal die offensichtlichste aller Antworten zu, und so glitt ich wieder hinein in den produktiven Prozess. Zum Glück mag ich grundsätzlich das, was ich tue. Denke aber, hier muss ich nochmal nachverhandeln. Kommt Zeit, kommt Rat. Bin mir sicher.Read more

























