Calais
Aug 10–11, 2024 in France ⋅ ⛅ 20 °C
Es ist wunderbar, das man die einsetzende Ebbe nutzen kann, um TROLL
das Leben zu erleichtern. Das der Wecker einen dafür gegen 5:30 Uhr aus den Träumen reisst ist ein fairer Deal: 2-3 Knoten „Rückenwind“ für 1-2 Stunden weniger Schlaf. Läuft!
Heute soll der Wind ab ca. 2 Stunden vor unserem heutigen Ziel Calais aus Richtung Land kommen: Excellent! Wir dampfen also mit TROLL wieder gemütlich nahe an der Küste lang, denn bei dieser Windrichtung ist kurz vor Calais nur mit kleinen Wellen zu rechnen ist. Und richtig - nach anfänglich sehr kabbeligem Wellengang beruhigt sich das Meer vor Calais dann, wie vorhergesagt, zusehend. 2nm von Calais entfernt heisst es dann: „Calais Port Control, Calais Port Control, Bonjour! This is Motor Vessel TROLL, do you copy?“ „We copy, Motor Vessle TROLL. Go ahead.“ Calais Port Control, this is Motor Vessel TROLL, we request permission to enter the Port.“ „Motor Vessle TROLL, proceed to Boye CA4 and standby.“ „Calais Port Control, this is Motor Vessle TROLL, we will now proceed to Boye CA4.“. An Boye CA4 angekommen melden wir uns wieder bei Calais Port Control. Die nächste einlaufende Fähre ist ausreichend weit entfernt. Und noch ist keine ausfahrende Fähre in Sicht. Wir werden also gebeten das Fahrwasser schnellstmöglich zu überqueren. Wenn wir in einem Stück auf der anderen Seite ankommen, sollen wir uns wieder melden. Gesagt, getan. Nun werden wir gebeten noch die nächste einlaufende Fähre abzuwarten um dann direkt hinter dieser einzulaufen. „Roger, Roger!“. Beim Warten sehen wir, das sich noch ein schnelles Fischerboot sowie ein Schlauchboot der Seenotretter vor der Fähre hereinmogeln. Beide, im Gegensatz zu uns, ausreichend schnell um den Riesen der See entkommen zu können. Kaum ist der Riese vorbeigezogen heften wir uns (zusammen mit einem weiteren Seenotrettungsschiff, an seine Fersen und fahren in den Hafen ein. Vorbei geht es an den riesigen Fähranlegern in Richtung Sportboothafen. Da die Brücke vor dem Sportboothafen nur zu bestimmten Zeiten öffnet und schliesst werden wir gebeten uns zu den Fischerbooten an die Wand zu legen. Wir bestätigen und fahren langsam Richtung Sportboothafen. Dort angekommen erkennen wir, das „das an die Wand zu den Fischerbooten legen“ kein Spass ist. Die Mooring-Bojen, die wohl für kleinere Schiffe sind, lächeln uns an. Wir versuchen an der Wand anzulegen, aber das ist tricky. Zum einen ist gerade Ebbe, und die Wand ragt ca. 5m in die Höhe. Und die 3m der Wand die bei Flut unter Wasser sind, sind voller Bewuchs: Muscheln mit scharfen Kanten etc. Die hintere glatte Wand wird gerade von einem Fischerboot belegt, die vordere ist nicht glatt sondern in Wellblechform, so das wir dort mindestens die Fender quer hängen müssten wenn wir TROLL nicht die Haut an der Anlegeseite abziehen wollen. Ausserdem scheinen die Festmacher ganz oben auf der Mauer, also ca. 5m höher zu sein. Man müsste eine der Leitern hochklettern um sie zu erreichen. Dazu hat es ordentlich Wind und dieser drückt uns freundlich Richtung Wand. Und immer wieder finden ziemlich grosse Wellen den Weg zu uns die TROLL durchschütteln. Wir entscheiden uns in Anbetracht der Situation dazu dem Lächeln der Mooring Bojen nachzugeben und legen an der hintersten an. Kaum angelegt bekommen wir über Funk einen ordentlichen Rüpel! TROLL sei zu schwer für die Bojen, und dann bei dem Wind und überhaupt… ab an die Wand!! ..Oops. Glücklicherweise legt in diesem Moment der Fischer, der zum Entladen an der „glatte hintere Wand“ lag, ab. Und diese Wand hat sogar zwei Leitern die den perfekten Abstand zum „dran festmachen“ haben. Wir fügen uns unserem Schicksal und legen TROLL an die Wand. Nur Fender und Leinen nehmen kleine bleibende Erinnerungen mit. Die Mauer über uns scheint den Anglern zu gehören. Denn kaum haben wir angelegt, fliegen uns die Köder um die Ohren. Vor dem Ablegen um ca. 14:40 hat uns die Flut mindestens 3m höher getragen, so das wir von TROLL´s Dach auf die Mauer schauen können die kurz vorher noch unüberwindlich erschien. Wir informieren die Angler über unser Vorhaben in 5 Minuten Ablegen zu wollen, was zu reger Geschäftigkeit und Dankbarkeit gegenüber uns führt. Kaum haben wir abgelegt, werden wir von einem riesigem Berufsschiff, das zeitgleich ablegt hat, gebeten ein wenig Platz zu machen. Es möchte vor dem Auslaufen aus dem Hafen drehen und da sind wir im Weg. Wir verdrücken uns nach vorne Richtung Brücke und machen uns so klein wie möglich. Ein paar Minuten später geht dann auch die Brücke auf und wir dürfen in den sicheren Sportboothafen einfahren. Dort werden wir superfreundlich empfangen und bekommen einen richtig schönen Liegeplatz. Den Rest des Tages verbringen wir am Strand und im Autoscooter. Denn direkt neben dem Sportboothafen hat sich (mal wieder) eine Kirmis breitgemacht.Read more











