• Zigeunermädchen und Kirchen

    9 maggio, Romania ⋅ ☁️ 18 °C

    Eigentlich verbringen wir eine ruhige Nacht auf dem Campingplatz bei Turda, trotzdem fühlen wir uns am Morgen nicht wirklich fit. Nach dem Frühstück fahren wir dennoch weiter und steuern zunächst einen großen Supermarkt an, um Vorräte aufzufüllen.

    Während ich draußen die Einkäufe im Wohnmobil verstaue, geht Juliane noch schnell in einen Drogeriemarkt. Kaum ist sie verschwunden, steht plötzlich eine hübsche junge Zigeunerin vor mir – genau so, wie man es seinen Vorstellungen kennt: weiße Bluse, bunter Rock, Kopftuch über den schwarzen Haaren. Mit deutlichen Gesten macht sie mir klar, dass sie gerne mit ins Wohnmobil kommen würde. Da ich bekanntermaßen ein keuscher und asketischer Mensch bin, lehne ich ebenso deutlich ab. Daraufhin verschwindet sie so schnell wieder, wie sie aufgetaucht ist.

    Von Turda aus fahren wir weiter Richtung Baia Mare. Die Strecke ist überraschend gut ausgebaut und vielerorts mit Hinweisen auf Fördermittel der Europäischen Union versehen. Trotzdem merken wir unterwegs zunehmend, wie müde wir eigentlich sind. Deshalb suchen wir uns an einem kleinen Angelsee ein vermeintlich ruhiges Nachtquartier.

    Die Ernüchterung folgt schnell: Direkt neben dem Platz verläuft eine Bahnlinie. Jeder Zug klingt so, als würde er mitten durchs Wohnmobil fahren. Zusätzlich liegt wenige Meter entfernt ein Bahnübergang, an dem selbstverständlich jeder Lokführer ausgiebig pfeift.

    Unser Entschluss steht schnell fest: Hier bleiben wir nicht.

    Also fahren wir weiter, tanken noch in Baia Mare und suchen anschließend bewusst die Einsamkeit. Nach einigen Kilometern finden wir schließlich einen Platz nahe der Holzkirche der Heiligen Erzengel Michael und Gabriel, einem UNESCO-Weltkulturerbe unweit des Ortes Șurdești.

    Dort wollen wir die Nacht verbringen.
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