Hitze am See & Blick zu den Sterne
June 18 in Germany ⋅ ⛅ 29 °C
Wir wollen uns langsam unserem eigentlichen Ziel vor der Rückkehr nach Bonn nähern und starten deshalb bereits am frühen Morgen in Richtung Friedrichshafen. Als vorletzten Zwischenstopp haben wir uns einen Campingplatz an einem See ausgesucht – der perfekte Ort, um vor der Heimreise noch einmal durchzuatmen.
Schon am Morgen zeigt das Thermometer deutlich über 20 Grad. Im Laufe des Tages klettert die Temperatur auf weit über 30 Grad und macht jede körperliche Aktivität zu einer schweißtreibenden Angelegenheit.
Gegen Mittag erreichen wir den Campingplatz und haben Glück: Wir bekommen gerade noch einen der letzten freien Stellplätze. Viel später hätten wir wohl weitersuchen müssen. Nachdem das Wohnmobil eingerichtet ist, macht uns die Hitze jedoch schnell klar, dass heute kein Tag für große Unternehmungen ist. Stattdessen verbringen wir den Nachmittag unter der Markise unseres Wohnmobils, trinken reichlich Wasser und beobachten das entspannte Treiben auf dem Campingplatz. Mehr ist bei diesen Temperaturen kaum sinnvoll.
Erst nach Sonnenuntergang bringt eine überraschend kühle Brise die ersehnte Erleichterung. Die Luft wird angenehm, und über uns spannt sich ein nahezu wolkenloser Himmel.
Damit schlägt die Stunde meines neuen Teleskops. Zum ersten Mal kann ich es unter guten Bedingungen ausgiebig ausprobieren. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit gelingen bereits die ersten Aufnahmen erstaunlich gut. Natürlich zeigt sich auch, dass es noch einiges zu lernen gibt. So sollte ich künftig das Stativ deutlich sorgfältiger nivellieren, damit die Nachführung der Himmelsobjekte präziser arbeitet. Aber genau das gehört zu einem neuen Hobby dazu: Mit jeder Beobachtungsnacht sammelt man Erfahrungen – und jede gelungene Aufnahme macht Lust auf die nächste. 🌌🔭Read more
Wellness statt Wohnmobil
June 17 in Germany ⋅ ⛅ 25 °C
Gestern legten wir einen kleinen Umweg ein. Nördlich von Regensburg wartete ein neues Spielzeug auf mich, das ich zu einem günstigen Preis erworben hatte und persönlich abholen musste. Danach waren wir wieder „on track“ und steuerten Bad Gögging an. Unweit der Therme fanden wir einen Stellplatz, auf dem wir die kommenden zwei Nächte verbringen wollen.
Auf den heutigen Thermenbesuch haben wir uns schon gefreut. Entsprechend zügig sind die morgendlichen Rituale erledigt, und schon wenige Minuten später laufen wir die kurze Strecke zum Wellnesstempel. Die 33 Euro Eintritt pro Person erscheinen zunächst nicht gerade günstig. Wie sich im Laufe des Tages herausstellt, ist das Geld jedoch bestens investiert.
Da das Fotografieren in der Therme aus nachvollziehbaren Gründen nicht gestattet ist, verzichte ich auf eigene Bilder und verweise stattdessen auf die Internetseite der Limes Therme https://www.limes-therme.de/ .
Zunächst erkunden wir die zahlreichen Innen- und Außenbecken, bevor wir in den großzügigen Saunabereich wechseln. Im Mittelpunkt befindet sich ein liebevoll angelegter Außenbereich mit Liegestühlen, auf denen man zwischen den Saunagängen wunderbar entspannen kann. Das Wetter zeigt sich warm und überwiegend bedeckt – eigentlich ideale Voraussetzungen für einen Wellnesstag. Dass die Sonne trotz der Wolkendecke erstaunlich viel Kraft besitzt, bemerken wir allerdings erst am Abend. Ohne es zu merken, haben wir uns beide einen leichten Sonnenbrand eingefangen.
Die Stunden vergehen wie im Flug. Zwischen Schwimmen, Saunagängen und ausgedehnten Ruhephasen verlieren wir jedes Zeitgefühl. Erst am späten Nachmittag verlassen wir die Therme, angenehm entspannt und mit dem Gefühl, dass diese kleine Auszeit genau das Richtige nach den vielen Kilometern und Erlebnissen der vergangenen Wochen gewesen ist. Langsam schlendern wir zurück zum Wohnmobil und lassen den Abend in aller Ruhe ausklingen.Read more
Mit dem Autozug durch die Tauern
June 15 in Germany ⋅ ☀️ 21 °C
Mit Blick auf die bevorstehende Weiterreise ließen wir es gestern noch einmal ruhig angehen. Das Wohnmobil wurde gründlich aufgeräumt, die Außenmöbel verstaut und alles soweit zurückgebaut, dass einer frühen Abfahrt nichts im Wege stehen konnte.
Tatsächlich kommen wir am Morgen zügig los und genießen die Fahrt durch die beeindruckenden Berglandschaften Kärntens. Bewusst bleiben wir in den Tälern und nutzen Passstraßen nur dort, wo sie für das Vorankommen unvermeidlich sind. Eigentlich hatten wir in Google Maps die Optionen „Autobahnen vermeiden“ und „Mautstraßen vermeiden“ aktiviert. Nicht bedacht hatten wir allerdings, dass eine Zuggebühr nicht zwangsläufig als Maut gilt.
So stehen wir gegen späten Vormittag plötzlich vor der Autoschleuse Mallnitz–Böckstein, besser bekannt als Tauernschleuse. Sie verbindet Kärnten mit dem Gasteinertal in Salzburg und stellt eine äußerst praktische Abkürzung dar. Statt einen großen Umweg über die Tauernautobahn zu fahren, werden Fahrzeuge auf einen Zug verladen und durchqueren den rund 8,4 Kilometer langen Tauerntunnel in etwa zwölf Minuten. Soweit die Theorie. Da die Alternative zusätzliche Kilometer, mehr Fahrzeit und eine wenig attraktive Rückfahrt bedeutet hätte, entscheiden wir uns für den Autozug. Zu unserer Überraschung sind wir das erste Fahrzeug in der Warteschlange.
Nach etwa 45 Minuten rollt der Zug ein, und ich darf als Erster auf die Niederflurwagen auffahren. Vor mir liegen rund hundert Meter Fahrt durch einen mit Stahlholmen begrenzten Waggon. Links und rechts bleiben jeweils kaum mehr als drei Zentimeter Platz. Während ich mich Zentimeter für Zentimeter vorarbeite, steigt die Konzentration auf Rekordniveau. Das Ergebnis: Unsere Außenspiegel tragen seit heute einige rote Farbreste der Österreichischen Bundesbahnen als dauerhaftes Erinnerungsstück an diese besondere Zugfahrt. Die eigentliche Tunneldurchfahrt verläuft dagegen völlig unspektakulär. Nach wenigen Minuten erreichen wir die andere Seite der Alpen und rollen erleichtert wieder auf festen Asphalt. Es ist erstaunlich, wie glücklich man darüber sein kann, ein Wohnmobil unbeschadet von einem Eisenbahnwagen herunterzubekommen.
Nach einigen weiteren Kilometern auf Landstraßen erreichen wir Deutschland. In einer Dorfgaststätte gönnen wir uns ein verspätetes Mittagessen und genießen dabei das Gefühl, wieder ein gutes Stück näher an der Heimat zu sein. Die anschließende Fahrt fällt bewusst kurz aus. Nach den vergangenen Stunden verspüren wir wenig Lust auf weitere große Etappen. Deshalb suchen wir bereits am frühen Nachmittag nach einem Übernachtungsplatz und werden an einem urigen Freibad in einem kleinen Dorf fündig. Dort richten wir uns für die Nacht ein und lassen einen weiteren Reisetag ausklingen, der eigentlich ganz gewöhnlich begonnen hatte und uns am Ende doch noch auf die Schiene brachte.Read more
Campingidylle mit Kurswechsel
June 13 in Austria ⋅ ☀️ 26 °C
Gestern Morgen wurden wir von kühlem Wetter und Regen begrüßt. Immerhin besserte sich die Witterung im Laufe des Tages deutlich und gab uns Gelegenheit, nach Oberdrauburg zu wandern. Im einzigen Supermarkt des Ortes deckten wir uns mit dem Nötigsten ein und gönnten uns anschließend auf der Terrasse eines Cafés am Hauptplatz eine ausgesprochen leckere Limonade. Der Rückweg zum Campingplatz ist zwar nicht besonders lang, doch unsere Knochen erinnern uns daran, dass wir nicht mehr zwanzig sind.
Heute wachen wir bei strahlend blauem Himmel auf. Trotzdem lassen wir den Tag zunächst gemütlich angehen. Ein wenig Sprachtraining mit Duolingo, etwas Radio hören und einige Gespräche mit Funkkollegen in Deutschland sorgen für einen entspannten Vormittag.
Gegen Mittag wird es im Wohnmobil so warm, dass wir die Flucht nach draußen antreten. Also machen wir uns erneut auf den inzwischen vertrauten Weg in den Ort. Diesmal fällt unsere Wahl auf die Gaststätte „Alte Post“. Dort bestellen wir Käsespätzle – ein Gericht, das wir seit Jahrzehnten nicht mehr gegessen haben. Entsprechend groß ist die Vorfreude, und wir werden nicht enttäuscht. Die Portion schmeckt hervorragend und weckt Erinnerungen an längst vergangene Urlaubsreisen. Nach einem weiteren Besuch im Supermarkt geht es bei gleißendem Sonnenschein zurück zum Campingplatz.
Der Nachmittag erinnert uns an frühere Campingzeiten. Entspannt sitzen wir vor dem Wohnmobil. Ein leichter und lauer Wind streicht durch die Bäume, über uns spannt sich ein tiefblauer Himmel, und vor uns erhebt sich die beeindruckende Bergwelt Kärntens. Besonders markant präsentiert sich der Hochtristen mit seinen über 2.500 Metern Höhe direkt gegenüber unserem Stellplatz. Im Hintergrund hören wir die zahlreichen niederländischen Campinggäste, die sich in kleinen Gruppen unterhalten. Gegen Abend mischt sich der Duft derer Kochstellen in die warme Luft. Dazu kommen das gelegentliche Bellen eines holländischen Dackels und das Kreischen der Kinder aus dem nahegelegenen Schwimmbad. Es ist genau die Art von Geräuschkulisse, die zu einem Campingplatz gehört und die viele Menschen mit Urlaub verbinden. Nur gelegentlich wird die Idylle unterbrochen, wenn auf der nahen Passstraße Motorräder mit laut aufheulenden Motoren unterwegs sind. Manche Fahrer scheinen die Bergstraße eher als Rennstrecke denn als Verkehrsweg zu betrachten.
Am Nachmittag werfen wir schließlich unsere bisherigen Reisepläne über den Haufen. Eigentlich wollten wir nach unserem Aufenthalt den Bodensee besuchen. Doch nun hat sich eine neue Gelegenheit ergeben: Ich habe ein preisgünstiges Teleskop erworben, das nördlich von Regensburg auf seine Abholung wartet. Als Sternegucker kann man eine solche Gelegenheit natürlich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Deshalb ändern wir spontan unsere Route und werden uns in der kommenden Woche direkt nach Norden wenden. Der Bodensee muss also auf einen noch warten – die Sterne haben diesmal Vorrang. 🌙🔭Read more
Kulinarische Genüsse und verschmorte Elektrik
June 11 in Austria ⋅ ☀️ 20 °C
Die Sonne scheint heute bereits am frühen Morgen und schafft ideale Bedingungen für unsere Außenküche. Schnell sind Tisch, Kochutensilien und der Induktionsherd aufgebaut. Schon bald ziehen die Düfte eines kräftigen Gulaschs über den Campingplatz. Wenig später gesellt sich ein Hühnereintopf dazu, dessen Aroma ebenfalls nicht unbemerkt bleibt. Mehr als einmal beobachten wir, wie Nachbarn neugierige Blicke in unsere Richtung werfen. Zumindest kulinarisch scheint unser Stellplatz heute zu den attraktiveren Adressen des Campingplatzes zu gehören.
Doch Camping wäre nicht Camping, wenn selbst das Kochen nicht gelegentlich mit einem kleinen Abenteuer verbunden wäre.
Mitten in den Vorbereitungen ruft mich Juliane ins Wohnmobil. Sie hat einen verdächtigen „elektrischen Geruch“ wahrgenommen. Eine Beobachtung, die man besser ernst nimmt. Die anschließende Fehlersuche fördert die Ursache schnell zutage: Die Steckverbindung, über die der Wechselrichter mit dem Bordnetz verbunden ist, hat offensichtlich unter der Belastung gelitten. Teile der Steckdose sind bereits deutlich verschmort und verkohlt. Offenbar war die Kombination aus zwei gleichzeitig betriebenen Induktionsplatten etwas zu viel des Guten.
Damit ist klar, dass improvisiert werden muss. Nach einer genaueren Untersuchung bleibt mir nichts anderes übrig, als die Verbindung vorübergehend ohne Stecksystem direkt anzuklemmen. Nicht die eleganteste Lösung, aber zumindest eine sichere Möglichkeit, den Betrieb wiederherzustellen.
Nachdem die Technik wieder beruhigt ist und kein weiterer Brandgeruch durch das Wohnmobil zieht, können wir uns wieder den angenehmen Dingen des Tages widmen. Trotz des unerfreulichen Zwischenfalls lassen wir uns den Eintopf am Abend schmecken. Schließlich gehört auch das zu einer längeren Reise: Manchmal kocht man Gulasch, manchmal repariert man Elektrik – und gelegentlich macht man beides am selben Tag.Read more
Durch Regen und Nebel nach Kärnten
June 10 in Austria ⋅ 🌧 16 °C
Die letzten Tage sind mit dem, was Camper unter Erholung verstehen, angenehm dahingeflossen. Ausschlafen, gemütlich frühstücken, den Alltag bewusst langsam angehen lassen.
Heute, am Mittwoch, werden wir jedoch von heftigem Regen geweckt, der bereits während der Nacht auf das Dach des Wohnmobils trommelte. Da wir ohnehin die Weiterreise geplant haben, starten wir früh in Richtung Kärnten. Unser Weg führt zunächst über den rund 1.350 Meter hohen Soboth Pass, der die Grenze zwischen der Steiermark und Kärnten markiert, und anschließend hinab ins Drautal nach Lavamünd.
Die Fahrt verläuft streckenweise durch dichten Nebel. Besonders beeindruckend ist der Blick ins Drautal, wo sich eine geschlossene Wolkendecke über die Landschaft gelegt hat. Immer wieder werden die Berggipfel von vorbeiziehenden Wolkenfetzen umspielt, während aus den Seitentälern einzelne Nebelschwaden hervorkriechen. Auf den von den sonnigen Tagen zuvor erwärmten Wiesen steigt Bodennebel auf und bildet stellenweise eine Meter hohe, weißgraue Schicht. Die Landschaft wirkt dadurch beinahe unwirklich. Dazu kommen immer wieder kräftige Regenschauer, die gegen die Windschutzscheibe peitschen und die Sicht erschweren. Das Wetter zeigt heute eindrucksvoll, wie schnell sich die Alpen von ihrer freundlichen in ihre raue Seite verwandeln können.
Unsere Route folgt zunächst der Grenze zu Slowenien und später über weite Strecken der italienischen Grenze in westlicher Richtung. Die Berge begleiten uns dabei ständig,Erst bei Gailbergpass wenden wir uns nach Norden und fahren über den fast 1000m hohen Gailbergpass zurück ins Drautal. Dort, am Abstieg ins Tal, erreichen wir schließlich unseren Campingplatz. Hier wollen wir bis zum kommenden Sonntag bleiben. Nun hoffen wir, dass sich das Wetter in den nächsten Tagen wieder von seiner freundlicheren Seite zeigt und wir Kärnten bei Sonnenschein genießen können.Read more

Traveler... wieder ein interessanter Reisebericht von Dir Wilhelm. Dann wünschen wir Euch noch erholsame Tage in Kärnten.
Gipfelsturm für Untrainierte
June 7 in Austria ⋅ ☁️ 25 °C
Ausgedehnt duschen, lange frühstücken, Radio hören und Kontakt mit der Heimat halten – so verläuft unser entschleunigter Sonntagmorgen. Nach den vielen Kilometern und Erlebnissen der vergangenen Wochen genießen wir es, keinen festen Zeitplan zu haben und den Tag einfach auf uns zukommen zu lassen.
Gegen Mittag machen wir uns auf den Weg zu der hoch über Bad Schwanberg thronenden Kirche und dem dahinterliegenden Aussichtsturm. Durch das sonntäglich verschlafene Städtchen erreichen wir den Beginn des Wanderwegs und starten den Aufstieg.
Untrainiert, wie wir nun einmal sind, fällt es uns nicht ganz leicht, die rund 150 Höhenmeter durch den Wald zu bewältigen. Immerhin erreichen wir unser Ziel schneller, als es die Navigations-App vorhergesagt hat. Das verbuchen wir als sportlichen Erfolg. Rechts und links des Weges stehen sakrale Figuren, die bei strahlendem Sonnenschein friedlich wirken. Bei Nebel oder in der Dämmerung dürften sie jedoch durchaus geeignet sein, Wanderern einen kleinen Schrecken einzujagen.
Bereits an der Josefikirche werden wir mit einem herrlichen Blick über den Ort und die umliegende Landschaft belohnt. Noch beeindruckender wird es wenig später. Über rund hundert Stufen steigen wir auf den stählernen Aussichtsturm hinauf. Von oben eröffnet sich ein weiter Blick über die gesamte Region. Die sanften Hügel der Steiermark ziehen sich bis zum Horizont, und bei den klaren Sichtverhältnissen reicht der Blick weit in Richtung Graz und darüber hinaus.
Für den Abstieg wählen wir die trittsichere Asphaltstraße. Entlang des Weges entdecken wir größere Bestände des Wald-Geißbarts, einer Pflanze, die früher auch für medizinische Zwecke genutzt wurde, unter anderem gegen Gonorrhoe und innere Blutungen, sowie gegen Rheuma und geschwollene Füße. Nach der körperlichen Höchstleistung von 150 Höhenmetern überlegen wir kurz, ob wir zur Ernte schreiten. Wir entscheiden uns dann aber für eine angenehmere Alternative.
Die Gaststätte „Steiereck'n“ am Ortseingang kommt genau zur richtigen Zeit. Mit einem großen Glas Almdudler erholen wir uns von den Strapazen des Gipfelsturms und beobachten das gemütliche Treiben des Sonntagnachmittags.
Frisch gestärkt laufen wir die letzten Meter zurück zum Campingplatz. Dort erwartet uns bereits die warme Nachmittagssonne, die eine sehr überzeugende Einladung zu einem kleinen Schläfchen ausspricht. Diesem Angebot können und wollen wir nicht widerstehen. Schließlich gehört Erholung mittlerweile zum offiziellen Programm unserer Reise.Read more
Ankommen & die Seele baumeln lassen
June 6 in Austria ⋅ ☁️ 21 °C
Der gestrige Tag war grau, trüb und wenig spektakulär. Bei Nieselregen fahren wir durch Ungarn, queren Kroatien, Slowenien und erreichen schließlich Österreich. Einige Kilometer südwestlich von Graz beziehen wir auf einem Campingplatz unser Quartier. Nach den vielen Erlebnissen der vergangenen Wochen fühlt sich allein die Aussicht auf ein paar fahrfreie Tage wie ein kleiner Luxus an.
Heute wachen wir bei strahlendem Sonnenschein auf. Endlich können wir unsere Kleidung wieder von Frühjahr auf Sommer umstellen. Es tut gut, alles etwas langsamer anzugehen: gemütlich frühstücken, Radio hören und sich darüber freuen, dass der Zündschlüssel einmal Pause hat.
Gegen Mittag unternehmen wir einen Spaziergang in den Ort. Das kleine Städtchen wirkt wie ein klassischer Touristenort mit mehreren Pensionen, Gasthäusern und Cafés. Leider bieten die Speisekarten überwiegend das an, was sich schnell und unkompliziert in der Fritteuse zubereiten lässt. Sicherlich schmackhaft, aber nicht ganz das, wonach uns der Sinn steht. Wer tagelang unterwegs war, entwickelt irgendwann eine Sehnsucht nach bodenständiger Küche. Die Suche nach dem perfekten Gasthaus wird uns also noch einige Tage beschäftigen.
Eine passende Alternative finden wir beim örtlichen Fleischhauer – so heißt der Metzger hier. Wir erstehen zwei Scheiben Leberkäse für den sofortigen Verzehr sowie zwei Lagen Rippchen für das Abendessen. Mit dieser Ausbeute kehren wir zufrieden zum Campingplatz zurück.
Dort schauen wir uns auch das angeschlossene Freibad an, das Campinggästen freien Eintritt bietet. Die gepflegte Anlage und das sonnige Wetter machen einen vielversprechenden Eindruck. Vielleicht wird das in den kommenden Tagen noch ausgiebig genutzt.
Den Nachmittag verbringen wir mit der hohen Kunst des Nichtstuns. Ein wenig lesen, ein wenig dösen und vor allem die Seele baumeln lassen. Genau das hatten wir uns nach den vielen Kilometern vorgenommen.
Abends schlägt schließlich die Stunde der Rippchen. Auf unserer gusseisernen Grillplatte dürfen sie gut eine Stunde lang vor sich hin schmurgeln. Das Ergebnis überzeugt auf ganzer Linie: Das Fleisch wird wunderbar zart und löst sich fast von selbst vom Knochen. In archaischer Weise nagen wir die Rippen bis auf den letzten Rest ab und stellen dabei eine sehr unmittelbare Verbindung zu dem Schwein her, das für dieses Abendmahl sein Leben gelassen hat.
Wohlgesättigt sitzen wir noch lange vor dem Wohnmobil, genießen die milde Abendluft und freuen uns darüber, dass heute ausnahmsweise einmal weder Bären, Passstraßen noch Kontrolllampen unsere Aufmerksamkeit beanspruchen. Manchmal sind die besten Reisetage genau die, an denen eigentlich gar nichts passiert.Read more
Kilometerfressen, & der Troll im Armaturenbrett
June 4 in Hungary ⋅ ☀️ 23 °C
Am Mittwoch werden wir bereits früh durch die Arbeiten im nahegelegenen Industriegebäude geweckt. Das kommt uns durchaus entgegen, denn heute steht kein großer Besichtigungstag auf dem Programm. Stattdessen wollen wir vor allem Kilometer machen und uns der ungarischen Grenze nähern. So starten wir zeitig in Richtung Arad.
Arad, eine große Stadt unweit der ungarischen Grenze, erreichen wir bereits am frühen Nachmittag. Eigentlich wären wir gerne direkt weiter nach Ungarn gefahren, doch unsere elektronische Vignette gilt erst ab dem folgenden Tag. Also müssen wir uns noch eine letzte Nacht in Rumänien einrichten. Fündig werden wir in einem Stadtpark zwischen Freibad und Laubenkolonie – eine Kombination, die vielversprechend klingt und sich später als durchaus unterhaltsam erweist. Am Abend nutzen die örtlichen Kleingärtner das sommerliche Wetter ausgiebig. Musik, Gespräche und gute Laune erfüllen die Umgebung. Bevor die Feierlaune endgültig ihren Höhepunkt erreicht, verlegen wir unseren Standort noch ein Stück weiter weg von den besonders geselligen Laubenpiepern. Die Maßnahme zeigt Wirkung, und wir verbringen schließlich eine ruhige Nacht.
Am nächsten Morgen geht es direkt weiter Richtung Ungarn. Der Grenzübertritt verläuft dank des Schengen-Raums völlig unspektakulär. Kein Anhalten, keine Kontrolle, kein Stempel – plötzlich befindet man sich einfach im nächsten Land.
Die Landschaft erinnert zunächst erstaunlich stark an Rumänien. Weite Felder, kleine Dörfer und lange Landstraßen prägen das Bild. Doch am Nachmittag meldet sich wieder unser alter Reisebegleiter: der Troll im Armaturenbrett. Glücklicherweise handelt es sich nicht um die Abgasrückführung, die uns in der Vergangenheit mehrfach beschäftigt hat, sondern um die elektronische Stabilitätskontrolle (ESC). Das OBD-Diagnosegerät gehört inzwischen zur unverzichtbaren Grundausstattung unseres Wohnmobils und hat sich seinen Platz redlich verdient. Nach dem Rücksetzen des Fehlers verhält sich der Fiat Ducato wieder völlig unauffällig. Wie lange dieser Zustand anhält, wird die Zukunft zeigen. Trotzdem versuchen wir vorsichtshalber eine Werkstatt aufzusuchen. Das Ergebnis ist unerfreulich vertraut: Genau wie in Deutschland sind die Werkstätten ausgelastet und können uns keinen kurzfristigen Termin anbieten. Immerhin beweist Europa damit eine gewisse kulturelle Einheit.
Also fahren wir weiter und finden schließlich einen ruhigen Übernachtungsplatz unweit eines kleinen Sees in der Nähe von Kaposvár. Nach den vergangenen Tagen mit Pässen, Schluchten, Bären und Kontrollleuchten genießen wir den entspannten Abend und hoffen, dass der Troll im Armaturenbrett beschlossen hat, sich für einige Zeit zur Ruhe zu setzen.Read more
Abschied aus den Karpaten – Rückweg ins Tal
June 2 in Romania ⋅ 🌧 20 °C
Beim Frühstück besprechen wir unsere weitere Reiseplanung. Die vergangenen Wochen haben uns mit einer solchen Fülle an Eindrücken versorgt, dass wir uns beide emotional und mental ein wenig erschöpft fühlen. Eigentlich bräuchten wir nun Zeit, um all das Gesehene zu verarbeiten – und vor allem etwas Abstand vom teils anspruchsvollen Fahren auf engen, kurvigen und holprigen Straßen. Deshalb fassen wir den Entschluss, unsere Reise durch Rumänien zu beenden und den Rückweg anzutreten. In Österreich wollen wir auf einem Campingplatz noch einige ruhige Tage verbringen, Sonne tanken und die Seele baumeln lassen.
Unser Weg führt uns zunächst noch rund 60 Kilometer durch eine enge, kurvenreiche Schlucht. Beidseitig zieht sich dichter Mischwald die Hänge hinauf und lässt die Landschaft noch tiefer und abgeschiedener wirken, als sie ohnehin schon ist. Der Wald erscheint fast unberührt – so dicht, dass einzelne Bäume kaum noch zu unterscheiden sind. Stattdessen wirkt es, als hätte sich ein geschlossenes, in verschiedenen Grüntönen schimmerndes Polster über die Berghänge gelegt. Unwillkürlich entsteht der Eindruck, dass dieser Wald gesünder und lebendiger wirkt als viele Wälder, die wir von zu Hause kennen.
An einer Quelle, aus der das Wasser gleich aus drei Rohren kräftig hervorsprudelt, füllen wir unsere Vorräte für die nächsten Tage auf. Danach setzen wir die Fahrt durch die Schlucht fort, bis sich kurz vor Mühlbach die Landschaft öffnet und das Tal langsam in eine weite Ebene übergeht. Die Berge weichen zurück bis zum Horizont, und es tut gut, wieder auf einer geraden, gut ausgebauten Straße unterwegs zu sein.
Unterwegs machen wir einen kurzen Abstecher zur Burg in Hunedoara Castle. Das Bauwerk ist eingerüstet, und leichter Regen setzt ein. Die Bedingungen laden nicht wirklich zum längeren Verweilen ein, sodass wir uns bald zur Weiterfahrt entschließen.
Auch die zweite Burg in Deva stellt uns vor eine unerwartete Herausforderung. Der nahegelegene Stellplatz soll über eine steile Zufahrtsstraße erreichbar sein – eigentlich kein Problem nach den Erfahrungen der Karpaten. Doch was uns erwartet, ist eine völlig andere Dimension: eine einspurige Straße mit stetig zunehmender Steigung, die gefühlt bis auf rund zwanzig Prozent ansteigt. Links und rechts streifen Büsche am Wohnmobil entlang, über uns kratzen Äste laut über das Dach. Eine echte „kein Zurück“-Situation.
Oben angekommen bin ich entsprechend angespannt und genervt und denke eigentlich nur noch an eines: wieder runter. Die Rückfahrt erfolgt daher ohne lange Diskussion – direkt zurück ins Tal.
Unten im Tal beginnen wir die Suche nach einem Platz für die Nacht. Da im Stellplatzführer nichts Adäquates eingetragen ist, verlassen wir die Hauptstraße und fahren in ein kleines Dorf. Dort kreisen wir zunächst vergeblich um die Kirche. Ein Platz mitten zwischen mehreren Straßen, gelegen wie ein Kreisverkehr und rundum grell beleuchtet, eignet sich ebenso wenig wie eine einsame Stelle entlang der Bahnlinie hinter einem Berg aus Bahnschwellen. Zwei Züge, die kurz hintereinander vorbeirauschen, begleiten ihre Durchfahrt mit einem Pfeifen, das uns förmlich die Ohren aus dem Kopf schießt – wir ergreifen spontan die Flucht.
Schlussendlich finden wir einen Stellplatz am Ortsrand, vor einem niedrigen Industriegebäude am Rande eines Weizenfeldes. Nicht idyllisch, aber ruhig genug für die Nacht – und vor allem ohne Steigungen, Wendeschleifen oder überraschende Sackgassen.Read more
Pfingstverkehr in den Karpaten
May 31 in Romania ⋅ ☀️ 22 °C
Nachdem wir feststellen mussten, dass unser bevorzugter Pass nicht passierbar ist und wir bereits einige Kilometer unterhalb der Sperre übernachtet haben, fassen wir einen neuen Plan. Wir wollen die Karpaten über die Transalpina überqueren. Zwar ist die Straße für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt, doch abgesehen vom zulässigen Gesamtgewicht entspricht unser Wohnmobil eher den Abmessungen eines deutlich kleineren Fahrzeugs. Die Alternative wäre ein zusätzlicher Umweg von weit über 200 Kilometern entlang der westlichen Umgehung der Karpaten – keine besonders verlockende Aussicht.
Nach dem Frühstück brechen wir auf und werden von der Transfăgărășan mit einigen letzten Bärensichtungen verabschiedet. Unter anderem beobachten wir eine Bärenmutter mit ihren zwei noch sehr kleinen Jungen, die sich aufmerksam am Straßenrand bewegen. Wenig später entdecken wir einen stattlichen Bären, der sich gemütlich über die Leitplanke lehnt und scheinbar völlig entspannt das rege Treiben auf der Straße beobachtet. Fast wirkt es, als würde er den Feiertagsverkehr analysieren oder die vorbeiziehenden Touristen begutachten. Nach den zahlreichen Begegnungen der vergangenen Tage sind wir mit unserer persönlichen Bärenausbeute mehr als zufrieden.
Heute ist orthodoxes Pfingsten, und das macht sich auf den Straßen deutlich bemerkbar. Schon am Vormittag kommen uns Hunderte Fahrzeuge entgegen. An den bekannten Aussichtspunkten und Bären-Hotspots drängen sich Tausende von Menschen. Immer wieder sehen wir lange Fahrzeugschlangen und dicht belegte Parkplätze. In diesem Moment sind wir besonders froh, die Transfăgărășan bereits am Vortag befahren zu haben. Einen Tag später wäre das Vergnügen vermutlich deutlich kleiner ausgefallen.
Der dichte Verkehr begleitet uns fast den gesamten Tag. Dabei durchqueren wir auch erstmals auf dieser Reise ein ausgedehntes Industriegebiet. Es bietet eine interessante Erkenntnis: Industriegebiete sehen offenbar überall auf der Welt gleich aus. Große Hallen, Lagerflächen, Schornsteine und Zweckbauten schaffen eine Kulisse, die zwar wirtschaftlich sinnvoll sein mag, landschaftlich jedoch kaum Begeisterungsstürme auslöst.
Am Nachmittag beschließen wir, die heutige Etappe zu beenden. In einem kleinen Ort entdecken wir eine große Festwiese, die sich hervorragend als Übernachtungsplatz eignet. Zu unserer Überraschung sind wir dort völlig allein. Kein weiteres Wohnmobil, keine Camper und keine neugierigen Spaziergänger. Nach den Menschenmassen des Tages genießen wir die Ruhe umso mehr. So lassen wir den Abend entspannt ausklingen und sammeln Kraft für die bevorstehende Überquerung der Karpaten auf der Transalpina.Read more
Heiliges Wasser & Bären
May 30 in Romania ⋅ ☁️ 11 °C
Beim Frühstück studieren wir zunächst die Bärenwarnungen vom Vortag. Dabei stellen wir fest, dass der Alarm in unmittelbarer Nähe unseres Übernachtungsplatzes ausgelöst wurde. Als wir den Parkplatz verlassen, entdecken wir eine große Mülltonne, die umgeworfen wurde. Ihr Inhalt liegt weiträumig verstreut herum und wurde ganz offensichtlich nach Essbarem durchsucht. Wir leben gefährlich!
Heute sind wir ungewöhnlich früh unterwegs. Der Hauptgrund dafür ist weniger Abenteuerlust als vielmehr Sparsamkeit – wir möchten keine Parkgebühren für eine zweite Gebührenperiode bezahlen.
Eine Bäckerei am Straßenrand kommt uns daher gerade recht. An einem landschaftlich eher unspektakulären Platz direkt an der Landstraße genießen wir unser Frühstück. Unser zunehmend leerer Wassertank wird anschließend an einer „heiligen“ Quelle aufgefüllt, die von vielen Einheimischen genutzt wird. Seit ich das Wasser trinke, verspüre ich eine zunehmende Transzendenz. Ob es an den Mineralien liegt oder an der besonderen Atmosphäre des Ortes, lässt sich schwer sagen.
Die Fahrt geht weiter, und die rumänischen Straßen halten eine besondere Form der Unterhaltung für uns bereit: nahezu unsichtbare Bodenwellen, die quer zur Fahrbahn verlaufen. Jedes Mal fühlt es sich an, als würde das Wohnmobil kurz überlegen, ob es nicht lieber auf die Seite kippen möchte. Entsprechend vorsichtig tasten wir uns voran.
Da wir vor der Transfăgărășan keinen wirklich schönen Stellplatz finden und es noch vergleichsweise früh am Tag ist, beschließen wir spontan, die berühmte Gebirgsstraße bereits heute in Angriff zu nehmen.
Kaum haben wir die Strecke erreicht, erwartet uns schon das erste Highlight. Direkt vor unserem Fahrzeug überquert eine Bärenmutter mit ihrem noch sehr jungen Nachwuchs die Straße. Mehrere Touristen haben angehalten und beobachten das Schauspiel aus sicherer Entfernung. Wenige Minuten später meldet sich erneut das Handy mit einer Bärenwarnung. Kurz darauf kommt uns ein Rangerfahrzeug mit Blaulicht entgegen. Vermutlich wird man versuchen, die beiden Tiere wieder tiefer in das Schutzgebiet zurückzudrängen. Für uns ist es eine eindrucksvolle Erinnerung daran, dass wir hier nicht nur Gäste in den Bergen, sondern auch im Revier der Bären sind.
Schon nach kurzer Zeit wartet die nächste Bärenbegegnung auf uns. Papa Bär hat es sich am Straßenrand gemütlich gemacht, genießt die Sonne und erhält einige Minuten lang unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Offenbar gehört er zu den Einheimischen, die sich von vorbeifahrenden Touristen nicht weiter beeindrucken lassen.
Fast dramatisch wird es wenig später. Ein junger Bär steht am Straßenrand und wird von zwei wildernden Hunden lautstark verbellt. Keiner der Beteiligten scheint jedoch wirklich an einer Eskalation interessiert zu sein. So entsteht eine merkwürdige Pattsituation: Die Hunde bellen, der Bär beobachtet die Hunde, und alle warten darauf, dass der jeweils andere den ersten Schritt macht. Nach einigen Minuten löst sich die Spannung von selbst auf. Beide Parteien ziehen sich vorsichtig und in entgegengesetzte Richtungen zurück.
Die Straße führt uns immer tiefer in die Schluchten des Gebirges. Der Asphalt ist teilweise überraschend gut, steigt aber stetig und ohne Gnade an. Als wir schließlich vor einer Straßensperre stehen, die die Weiterfahrt nur auf eigene Gefahr erlaubt, ernte ich deutliche Proteste meiner Copilotin. Diese werden jedoch mit der Gelassenheit eines erfahrenen Wohnmobilfahrers zur Kenntnis genommen und anschließend ignoriert. Also fahren wir weiter bergauf.
Schon bald wird klar, worauf sich die Warnung bezieht. Der Winter hat seine Spuren hinterlassen. Kleine und größere Geröllbrocken liegen auf der Fahrbahn und reichen teilweise bis zur Straßenmitte. Ständig muss man aufmerksam bleiben und Hindernissen ausweichen. Oberhalb der Baumgrenze entdecken wir eine weitere Quelle mit beeindruckend starkem Wasserstrahl. Die Gelegenheit ist zu gut, um sie ungenutzt zu lassen, und so ergänze ich erneut unseren Wasservorrat. Die zunehmende Transzendenz wird dadurch selbstverständlich weiter gefördert.
Wenige Kilometer vor der Passhöhe endet unsere Fahrt jedoch abrupt. Eine mächtige Schneewehe liegt quer über die gesamte Fahrbahn und macht jede Weiterfahrt unmöglich. Damit ist klar: Heute wird niemand mehr den Tunnel oder die Passhöhe erreichen. Also drehen wir um – zwar etwas enttäuscht, aber dennoch guter Dinge. Schließlich gehört auch das zum Reisen dazu. Die Erkenntnis, dass uns nun ein Umweg von mehr als 200 Kilometern bevorsteht, versuchen wir dabei großzügig zu verdrängen.
Ein Stück weiter unten entdecken wir einen einsamen Verkaufsstand am Straßenrand. Dort decken wir uns mit regionalen Spezialitäten für das Abendessen ein: Pflaumenschnaps, Hirschsalami und Käse. Wenn man schon umkehren muss, dann wenigstens mit angemessener Verpflegung.
Anschließend geht es einige hundert Höhenmeter talwärts. Schließlich finden wir einen ruhigen Platz im Wald direkt an der Straße. Diese wird ab 21 Uhr für den Verkehr gesperrt, sodass wir auf eine besonders ruhige Nacht hoffen dürfen. Umgeben von Bergen, Wäldern und einer beeindruckenden Stille lassen wir den Tag ausklingen. Die Passhöhe haben wir zwar nicht erreicht, dafür aber einen weiteren jener Reisetage erlebt, die man nicht planen kann und die gerade deshalb lange in Erinnerung bleiben.Read more
Achterbahnfahrt & königliches Ziel
May 29 in Romania ⋅ ⛅ 16 °C
Nach einer ruhigen Nacht starten wir in unser nächstes Abenteuer. Gleich zu Beginn verpassen wir auf einer ohnehin schmalen Straße die richtige Abzweigung, und Google Maps korrigiert so schnell, dass wir die Routenänderung zunächst gar nicht bemerken.
Es folgt eine regelrechte Achterbahnfahrt durch die Landschaft. Hochprozentige Anstiege wechseln sich mit ebenso kräftigen Gefällen ab, die Straße ist teils nur einspurig und wirkt seit der Zeit Ceaușescus kaum noch gepflegt. Trotz der Abgeschiedenheit herrscht erstaunlich viel Verkehr: Kinder auf dem Schulweg, Busse im Einsatz und sogar Sattelzüge auf diesen schmalen Strecken – eine Mischung, die höchste Aufmerksamkeit verlangt. Erst nach einer Weile erreichen wir wieder eine „richtige“ Straße und fahren entspannter weiter in Richtung unseres Tagesziels, das wir müde, aber unbeschadet erreichen.
Höhepunkt des Tages ist der Besuch von Peleș Castle, errichtet ab 1873 von Carol I. von Rumänien. Das Schloss gilt als eines der modernsten seiner Zeit und war mit Wasserkraftwerk, elektrischer Beleuchtung, Zentralheizung, Warmwasser, Aufzug und sogar einem beweglichen Glasdach technisch weit voraus. Carol I. nutzte es als Sommerresidenz und als Symbol für Fortschritt und Modernisierung Rumäniens. Die Lage in den Karpaten und die Architektur machen den Besuch zu einem klaren Reisehighlight. Neben der Bärenhöhle bei Peștera Urșilor und dem Donaudelta zählt es eindeutig zu den Top-Empfehlungen der Reise.
Auch einige Randepisoden prägen den Tag: Beim Parken werden wir von einem findigen „Parkwächter“ mit überhöhten Gebühren und ungewöhnlichem Parkplatz überrascht, und die vorab online gekauften Eintrittskarten erweisen sich zwar als teuer, aber immerhin zuverlässig geliefert. Kulinarisch bleibt die erwartete Bärenfleisch-Spezialität aus, stattdessen überzeugt eine solide Wildgrillplatte. Versöhnlich endet der Tag schließlich in der Schlosspatisserie, wo wir uns für den Nachmittagskaffee eindecken – und mit deutlich entspannter Stimmung als noch ein paar Stunden zuvor.Read more

Traveler...von uns nicht, aber er lief wohl weniger hundert Meter entfernt durch den Ort...

TravelerWenn ich mir eure Bilder der besuchten "Besichtigungsziele" ansehe, dann: - ... ja tolle Reise - muss ich auch hin. Was mich allerdings doch wieder davon abhält ist, wenn ich mir den Text durchlese. Aber zum Glück: "Et hätt noch emmer joot jejange" Weiterhin, - noch eine schöne Reise.
Strand, Kontemplation & Reise
May 28 in Romania ⋅ ☁️ 17 °C
Den Mittwoch verbringen wir noch einmal ganz entspannt auf dem Campingplatz. Juliane zieht es erneut mit unseren Nachbarn ins Schwarze Meer, während ich den Tag deutlich ruhiger angehe. Zwischen ein paar YouTube-Videos, einer Tasse Kaffee und dem Blick aufs Wasser lasse ich die Eindrücke der vergangenen Wochen Revue passieren. Wenn man lange unterwegs ist, sammelt sich erstaunlich viel Stoff zum Nachdenken an. Am frühen Abend sitzen wir noch mit Bettina und Gerold zusammen. Wir plaudern über Reisen, Wohnmobile und alles Mögliche dazwischen, bevor der Tag in angenehmer Atmosphäre ausklingt.
Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen. Wir starten recht früh in Richtung Norden. Ursprünglich hatten wir überlegt, auch Constanța zu besuchen, entscheiden uns aber dagegen. Stattdessen möchten wir lieber mehr Zeit in den Gebirgsregionen verbringen, die noch vor uns liegen.
So verbringen wir den gesamten Tag auf der Straße. Das Fahren in Rumänien verlangt deutlich mehr Aufmerksamkeit, als wir es von zu Hause gewohnt sind. Die teilweise schlechten Straßenverhältnisse setzen der Geschwindigkeit natürliche Grenzen. Gleichzeitig scheint es für manche Einheimische nur zwei Fahrzustände zu geben: Vollgas oder Überholen. Wer vorsichtig fährt, wird regelmäßig überholt – oft auf schmalen Straßen und bei dichtem Gegenverkehr. Das sorgt gelegentlich für Momente, in denen man lieber nicht zu genau in den Rückspiegel schaut.
Am Abend erreichen wir die Gegend von Ploiești. Die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz gestaltet sich unerwartet schwierig. Mehrere Möglichkeiten erweisen sich als ungeeignet oder bereits belegt. Nach einiger Fahrerei und mehreren Wendemanövern finden wir schließlich einen ruhigen Parkplatz an einer Grillhütte https://park4night.com/de/place/448145 . Nicht gerade ein Ort, der in Reiseführern hervorgehoben wird, aber für die Nacht erfüllt er seinen Zweck. Nach dem anstrengenden Fahrtag sind wir ohnehin froh, die Zündung ausschalten und die Beine hochlegen zu können. Manchmal sind die unscheinbaren Übernachtungsplätze genau die, die man am meisten zu schätzen weiß.Read more
Abendlicher Überfall auf Camper
May 26 in Romania ⋅ ☀️ 25 °C
Am Dienstag lassen wir es ruhig angehen. Frühstück direkt vor dem Wohnmobil, Blick aufs Schwarze Meer – besser kann ein Tag eigentlich kaum starten. Danach passiert erstmal genau das, was man sich hier wünscht: nichts Eiliges.
Juliane geht mit unseren Nachbarn zum Schwimmen ins Meer. Mir ist das Salzwasser eher wenig sympathisch, daher bleibe ich oben auf der Klippe und übernehme die Rolle des „strategischen Beobachtungspostens“ mit guter Aussicht. Der Nachmittag vergeht in entspannter Runde mit den Nachbarn. Viel reden, viel schauen, wenig planen – genau richtig für so einen Platz. Auch das Abendessen findet wieder draußen vor dem Wohnmobil statt, mit Meerblick und einer angenehmen Mischung aus Wind, Sonne und Urlaubstempo.
Am späteren Abend steht noch eine Webkonferenz mit Funkamateuren aus der Heimat an. Eigentlich eine ruhige, angenehme Sache – bis sich die lokale Fraktion kleiner Vampire einschaltet. In der Dämmerung tauchen die Plagegeister in einer Anzahl auf, die man nur noch als „vollständige Anwesenheitspflicht“ bezeichnen kann. Trotz Anti-Brumm und optimistischem Auftreten bleiben die ersten Stiche nicht aus. Mit zunehmender Dauer wird klar: Die Mücken haben heute deutlich mehr Ausdauer als ich Konzentration. Aus der geplanten lockeren Teilnahme wird ein permanentes Abwehrmanöver. Nach einer Weile gebe ich auf, verabschiede mich aus der Runde und ziehe mich ins Wohnmobil zurück – nicht ganz freiwillig, aber eindeutig überlegen ist hier gerade jemand anderes.Read more
Hoch über dem Schwarzen Meer
May 25–28 in Romania ⋅ ☁️ 24 °C
Ab Mitternacht wird es auf unserem Parkplatz endlich ruhig. Die Jugendlichen haben ihre private Disco beendet und sich verzogen. Entsprechend erholt wachen wir am Morgen auf.
Das Ehepaar, das wir im Donaudelta kennengelernt haben, hat uns einen Campingplatz einige Kilometer entfernt empfohlen. Die Anfahrt dorthin hat allerdings ihren eigenen Charakter: Kilometerlang geht es über eine Holperpiste durchs Nirgendwo. Eine Strecke, die man möglichst nicht häufiger fahren möchte. Deshalb kaufen wir vorher noch ausreichend Proviant ein und machen uns dann auf den Weg. Die Mühe lohnt sich jedoch.
Der Campingplatz liegt direkt an einer Abbruchkante, etwa dreißig Meter über dem Meer. Von dort reicht der Blick kilometerweit über das Schwarze Meer, und am Horizont zeichnet sich sogar die Skyline von Constanța ab. Nach den letzten Fahrtagen fühlt sich dieser Ort fast ein wenig wie Ankommen an.
Wir stellen Tisch und Stühle vor das Wohnmobil, rollen die Markise aus und lassen es uns am Nachmittag gutgehen. All dies ist ist Campingverhalten, das auf einem Stellplatz verboten ist. Weil es uns so gut gefällt, beschließen wir spontan, bis Donnerstag zu bleiben.
Die Nacht lädt eigentlich zur Sternbeobachtung ein. Viel weiter als bis zu einem Foto des zunehmenden Mondes komme ich allerdings nicht. Ich habe zeitweise das Gefühl, die Mücken würden mich lebendig auffressen. Schließlich breche ich das Ganze schweren Herzens ab und flüchte zurück ins sichere Wohnmobil.Read more
Erholungstage & unterwegs im Donaudelt
May 21–24 in Romania ⋅ 🌧 21 °C
Donnerstag und Freitag nutzen wir erstmal zur Erholung vom vielen Fahren. Es tut gut, nicht ständig hinter dem Lenkrad zu sitzen und einfach einmal die Seele baumeln zu lassen. Eigentlich wollen wir bereits am Freitag mit dem Boot ins Donaudelta fahren. Am Morgen ist das Wetter jedoch so trüb und grau, dass wir unseren Gastgeber bitten, die Tour um einen Tag zu verschieben. Im Laufe des Freitags treffen noch drei weitere deutsche Wohnmobile auf dem Campingplatz ein. So sind wir schließlich am Samstag zu acht Personen auf dem Boot – sicher auch zur Freude des Veranstalters. Außerdem lernen wir Bettina und Gerold aus Kaiserslautern kennen. Mit den beiden sitzen wir bis spät am Abend zusammen, trinken Aperol und führen angenehm entspannte Gespräche.
Am Samstagmorgen geht es dann endlich aufs Wasser. Zur für Ruheständler eher untypischen Uhrzeit stehen wir früh auf, damit wir pünktlich um acht Uhr bereit sind. Tatsächlich erscheinen auch die anderen Camper rechtzeitig.Mit d em Boot unseres Gastgebers fahren wir vom Hafen aus über einen der drei Donauarme hinein in das Donaudelta. Schnell befinden wir uns in einem Labyrinth aus natürlichen und künstlich angelegten Kanälen sowie mehreren großen Seen.
Unterwegs passieren wir die ehemalige Sommerresidenz von Nicolae Ceaușescu. Die Anlage auf einer Insel wird offenbar bis heute für hochrangige Politiker und Konferenzen genutzt. Betreten darf sie die normale Bevölkerung nicht, bewacht wird sie ebenfalls weiterhin. Etwas später gleitet links ein Dorf mit auffallend prächtigen Häusern vorbei, das nach einer schweren Jahrhundertflut vollständig neu aufgebaut wurde. Die Fahrt führt durch Kanäle, die teilweise so schmal sind, dass unser Boot gerade noch hindurchpasst. Die Seen wiederum sind stellenweise über hunderte Meter mit gelben und weißen Seerosen bedeckt.
Flora gibt es reichlich zu bestaunen – bei der Tierwelt bleiben unsere touristischen Erwartungen dagegen nur teilweise erfüllt. Während in den Ankündigungen von hunderten Pelikanen die Rede war, bekommen wir nur wenige davon tatsächlich zu Gesicht. Ganz leer gehen wir dennoch nicht aus. Wasserhühner, Enten, Ibisse, Schwäne, Kmorane, Fischreiher und sogar Eisvögel zeigen sich unterwegs immer wieder. Auf den großen Blättern der Seerosen sitzen grüne und braune Frösche, die sich von unserem Boot erstaunlich wenig stören lassen.
Anfangs dachte ich noch, der 150-PS-Außenborder unseres Gastgebers sei eher seinem persönlichen Testosteronspiegel geschuldet. Auf den großen Seen zeigt sich allerdings schnell der eigentliche Grund für die hohe Motorleistung. Wie ein Geländewagen im Schlamm kämpft sich das Boot durch dichte Unterwasserpflanzen, die nur knapp unter der Oberfläche wachsen. Erstaunlich dabei: Die meisten dieser großen Seen sind kaum tiefer als etwas mehr als ein Meter.
Nach den versprochenen vier Stunden bringt uns unser Gastgeber wieder zurück zum Campingplatz. Dort lassen wir das Erlebte noch einmal Revue passieren und die Bilder des Tages langsam im Kopf vorbeiziehen.Read more
Mit Seitenwind ins Donaudelta
May 20 in Romania ⋅ ⛅ 25 °C
Am Morgen rüttelt ein heftiger Wind am Wohnmobil. Und dieser Wind bleibt uns bis weit in den Nachmittag hinein als unangenehmer Begleiter erhalten. Da wir heute unbedingt noch das Donaudelta erreichen wollen, beeilen wir uns mit der Morgenroutine und kommen tatsächlich ungewöhnlich schnell los.
Den ersten Halt legen wir bei einem großen Supermarkt in Brăila ein. Weil wir nicht wissen, wie die Versorgungslage im abgelegenen Donaudelta aussieht, decken wir uns vorsorglich mit Proviant für etwa eine Woche ein. Der Einkaufswagen ist am Ende bis oben gefüllt.
Danach geht es auf der Landstraße weiter. Die Fahrt ist allerdings alles andere als entspannt. Der starke Wind trifft ständig die Breitseite des Wohnmobils. Das Lenkrad will festgehalten werden, permanentes Gegenlenken ist nötig. Wirklich angenehm fährt sich das nicht.
Die Landschaft, durch die wir kommen, wirkt dabei fast surreal. Weite grüne Hügelketten ohne sichtbare Zeichen menschlicher Besiedlung – soweit das Auge reicht. Ich ärgere mich mehrfach darüber, weder die passende Kameraausrüstung noch das fotografische Können zu besitzen, um diese Stimmung vernünftig festhalten zu können.
Als wir Tulcea erreichen, hat der Wind glücklicherweise deutlich nachgelassen. Das macht Hoffnung, die letzten Kilometer entspannter zurücklegen zu können.
Am Ortseingang tanken wir noch einmal Diesel. Dabei entwickelt sich allerdings unerwartet Chaos an der Kasse. Die Zahlung per Handy wird mehrfach ohne Buchung abgebrochen, das mobile Kartenlesegerät ist nicht geladen und damit unbrauchbar. Das gesamte Tankstellenpersonal gerät sichtbar in Aufregung. Ich verstehe natürlich kein Wort und hoffe nur, dass am Ende nicht mehrfach Geld von unserem Konto verschwindet.
Nach einiger Zeit beruhigt sich die Lage wieder, und tatsächlich gelingt es schließlich, den korrekten Betrag einmalig abzubuchen.
Die letzte Etappe des Tages ist dann schnell geschafft. Im Donaudelta angekommen beziehen wir einen sichtbar neuen und sehr gepflegten Campingplatz – und sind dort zunächst die einzigen Gäste.
Hier wollen wir nun einige Tage bleiben, bevor es weitergeht.Read more
Von den Schlammvulkanen zum Donaudelta
May 19 in Romania ⋅ ☁️ 24 °C
Eine dunkle und ruhige Nacht stärkt Körper und Geist. Entsprechend frisch und munter starten wir in den Morgen. Nach dem Frühstück sehen wir uns direkt die Schlammvulkane von Berca an.
Ganz ehrlich: Der Eindruck bleibt etwas hinter den Erwartungen zurück. Einige kleinere Schlammlöcher blubbern ruhig vor sich hin, eingebettet in eine Landschaft mit dem eher rustikalen Charme einer Kiesgrube. Kein Vergleich zu den geothermalen Gebieten, die wir vor vielen Jahren in Island erlebt haben.
Beim Verlassen des Geländes erleben wir dann allerdings eine Überraschung: Zahlreiche Wohnmobile mit deutschen Kennzeichen rollen auf den Parkplatz. Offenbar keine organisierte Reisegruppe, sondern viele Individualtouristen, die sich hier zufällig sammeln. Für uns ist das Thema damit abgehakt. Nach den vielen Bergen und kurvigen Straßen der letzten Tage wächst langsam die Sehnsucht nach flacherem Gelände. Also machen wir uns auf den Weg Richtung Donaudelta.
Südlich von Bacău umfahren wir die Innenstadt. Dort erwartet uns ein fast mediterraner Eindruck. Statt großer Wohnblocks oder Plattenbauten stehen entlang der Straße viele kleine eingeschossige Häuser, bunt gestrichen und oft liebevoll gepflegt. Vor fast jedem Haus liegen kleine Gärten mit Blumen und jungen Bäumen in frischem Frühlingsgrün. Zwischen Grundstück und Straße finden sich häufig ordentlich gemähte Rasenflächen.
Dazu sonniges Wetter und angenehme Temperaturen – stellenweise fühlt es sich eher nach einem kleinen Dorf in Südfrankreich an als nach Osteuropa. Wir fahren noch bis in den frühen Nachmittag hinein weiter. Vom Vorgebirge der Karpaten haben wir einen weiten Blick über die Ebene Richtung Schwarzes Meer. Das Land wirkt endlos weit, grün und offen.
Schließlich führt uns eine gut ausgebaute Straße hinunter zum Lacul Balta Albă. Dort finden wir einen ruhigen Platz am See und lassen den Rest des Tages entspannt in der Sonne ausklingen.
Uns fällt plötzlich ein deutliches Surren über unseren Köpfen auf. Zunächst können wir die Ursache kaum erkennen, denn mit bloßem Auge lässt sich der Schwarm nur schwer fokussieren. Erst nach genauerem Hinsehen wird klar: Millionen von Eintagsfliegen tanzen über uns in der Luft. Der gemeinsame Flügelschlag erzeugt tatsächlich ein überraschend lautes Geräusch für diese kleinen Insekten. Gefährlich oder lästig sind die harmlosen Tiere allerdings nicht. Also bleiben wir gelassen sitzen und chillen einfach weiter in der Nachmittagssonne.Read more
Abenteuerliche Straßen Richtung Buzău
May 18 in Romania ⋅ ⛅ 22 °C
Die hellen Flutlichtstrahler machen die vergangene Nacht fast zum Tage. Zum Glück haben wir sämtliche Rollos im Wohnmobil geschlossen und kommen trotzdem zu einem recht erholsamen Schlaf.
Am Morgen starten wir zur Karpatendurchquerung mit dem Ziel der Schlammvulkane bei Buzău. Der erste Teil der Strecke verläuft zunächst unspektakulär. Ein Stück fahren wir dieselbe Route zurück, die wir bereits auf dem Weg zum Schloss Bran genommen haben.
In Brașov wollen wir uns eigentlich noch die Stadt ansehen. Unser erstes Ziel soll die berühmte „schmale Gasse“ sein – ein Durchgang, der nur etwas mehr als einen Meter breit sein soll. Schon die Anfahrt entwickelt sich allerdings zum kleinen Abenteuer. Die Straßen werden immer enger, beidseitig wird geparkt und an einen geeigneten Parkplatz für unser Wohnmobil ist nicht zu denken. In solchen Momenten bin ich froh, dass die Fahrräder nicht hinten am Fahrzeug hängen. So kommen wir wenigstens ohne Schaden, wenn auch leicht genervt, wieder aus der Situation heraus.
Wir beschließen daher, die Stadtbesichtigung abzubrechen und direkt Richtung Karpaten weiterzufahren.
Der Zustand der Straßen wechselt ständig. Teilweise wird das Fahrzeug kräftig durchgeschüttelt. Dazu kommt ein Fahrstil der Einheimischen, der uns einiges an Konzentration abverlangt. Überholt wird gerne im Überholverbot, vor Kuppen oder mitten in Ortschaften. Große Lkw ziehen mit hoher Geschwindigkeit an uns vorbei. Mein Blick geht deshalb nicht nur nach vorne, sondern ständig auch in die Spiegel. Die Fahrt strengt entsprechend an.
Umso erfreuter sind wir, als das Navi einige Kilometer vor dem Ziel eine vermeintliche Abkürzung über eine Bergstraße entlang der Höhenlinien anbietet. Anfangs wirkt die Strecke noch harmlos, doch die Straße wird zunehmend schmaler, bis nur noch ein einspuriger Weg übrig bleibt. Dazu kommen starke Steigungen und Gefälle.
Als der Asphalt schließlich in Kies und Geröll übergeht, ziehen wir sprichwörtlich die Notbremse und drehen um.
Also zurück zur Hauptstraße und wieder auf die offiziell vorgesehene Route. Über teils holprige, aber immerhin ausreichend breite Straßen erreichen wir schließlich den Parkplatz vor den Schlammvulkanen, auf dem wir die Nacht verbringen wollen.Read more

Es war besser umzukehren, nachher steckt ihr noch fest und habt so abgelegen keine Hilfe. [Gaby]

TravelerIch habe noch nie in Europa Wohnmobil- und Camperskelette gesehen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass allen geholfen wurde.. 😄😄😄
Klöppelnde Nonnen & Draculas Schloss
May 17 in Romania ⋅ ☁️ 14 °C
Wir werden bereits beim Frühstück von den Lockrufen zur heiligen Messe begleitet. Neben dem händischen Läuten der Glocken klöppeln die Nonnen mit Holzstücken auf Metallplatten ein rhythmisches Signal. Das ergibt ein erstaunlich lautes und eindringliches Geräusch. Der Brauch stammt noch aus den Anfängen der christlichen Kirche, als es vielerorts noch keine Glocken gab. Später wurde das Klöppeln auch dort genutzt, wo Glockengeläut zeitweise verboten war.
Die liturgischen Gesänge des Sonntagsgottesdienstes werden über Lautsprecher weit über das Klostergelände getragen. Musikalisch entspricht das zwar nicht ganz unserem Geschmack, die Kirche ist jedoch gut besucht und offensichtlich ein wichtiger Treffpunkt für die Menschen aus der Umgebung.
Nach einem ausgiebigen Frühstück lassen wir Brașov links liegen und fahren direkt weiter zum Schloss Bran. Hier soll einst Vlad III. – besser bekannt als Dracula – gelebt haben.
Rund um das Schloss hat sich ein kleines Dorf aus Souvenirständen, Fast-Food-Buden und touristischem Nippes entwickelt. Wir gehen zügig zum Eingang und buchen neben der Schlossbesichtigung auch gleich die Folterkammer mit dazu.
Das Schloss erinnert stellenweise ein wenig an Schloss Neuschwanstein oder die Burg Eltz – allerdings deutlich kleiner. Natürlich führen auch hier wieder zahlreiche Treppen durch das Gebäude. An manchen Stellen werden die Treppenschächte so eng, dass man sich regelrecht hindurchquetschen und dabei den Kopf einziehen muss.
Im Inneren ist vieles gut restauriert und mit zeitgenössischer Einrichtung ausgestattet. Die Folterkammer wirkt durchaus eindrucksvoll – und gleichzeitig unerquicklich. Erstaunlich, auf welche Ideen Menschen kommen, um anderen Menschen Schmerzen zuzufügen.
Nach dieser eher unangenehmen Geschichtsstunde gönnen wir uns im Schlossrestaurant ein überraschend gutes Gulasch zusammen mit Korianderbier, das wir durchaus weiterempfehlen können.
Für die Nacht bleiben wir ganz in der Nähe und stellen uns auf den örtlichen Parkplatz.Read more

TravelerIch bin der Fürst der Finsternis. Mit mir legt sich Dracula nicht an....
Deutsch-Weißkirch & ein Kloster bei Bras
May 16 in Romania ⋅ ☁️ 21 °C
Bei der Abreise vom Campingplatz kommen wir noch mit dem Seniorchef ins Gespräch. Er ist in Schäßburg geboren und spricht fließend Deutsch. Eigentlich schade, dass wir weiter müssen – vermutlich hätte er noch viele interessante Geschichten über die Stadt und die Region erzählen können.
Die kurze Strecke bis Deutsch-Weißkirch, dem heutigen Viscri, führt durch fast surreal wirkende grüne Landschaften. Weite Wiesen, Hügel und einzelne Höfe prägen das Bild. Industrie sieht man nur vereinzelt, meist in Form größerer Zementwerke.
In Deutsch-Weißkirch wirkt es stellenweise tatsächlich so, als sei die Zeit seit hundert Jahren stehen geblieben. Das Dorf sieht aus, als hätten die letzten Deutschen ihre Häuser erst vor kurzem verlassen. In einem der Höfe finden wir – dank eines Hinweises im Reiseführer – eine kleine versteckte Bäckerei. Ohne den Eintrag hätten wir sie vermutlich nie entdeckt. Dort kaufen wir Brot. Geschnitten oder geteilt wird hier nichts. Also tragen wir einen kompletten Laib mit etwa 2,5 Kilogramm zum Wohnmobil. Das sollte für einige Zeit reichen.
Danach fahren wir weiter Richtung Brașov, wo es eine bekannte Wehrkirche gibt. Bei näherer Betrachtung wirkt sie allerdings weniger beeindruckend als erwartet – möglicherweise setzt inzwischen auch einfach eine gewisse Kirchensättigung ein. Nach den vielen besichtigten Klöstern und Kirchen der letzten Tage fehlt etwas die Begeisterung für weitere sakrale Architektur.
Also fahren wir weiter und landen – wie könnte es anders sein – schließlich auf dem Parkplatz des Mănăstirea Sfântul Mare Mucenic Dimitrie unweit von Brașov auf einer Anhöhe. Eine der Nonnen erlaubt uns freundlich, dort die Nacht zu verbringen. Nach der Besichtigung der reich ausgestatteten Klosterkirche machen wir es uns im Wohnmobil gemütlich und verfolgen aus der Ferne den abendlichen Gottesdienst, dessen Gesänge und Gebete über Lautsprecher bis nach draußen getragen werden.Read more
Auf den Spuren der Vergangenheit
May 15 in Romania ⋅ ⛅ 21 °C
Eigentlich ist unser Platz am Fluss viel zu schön, um weiterzufahren. Trotzdem haben wir noch Strecke vor uns und machen uns bald auf den Weg nach Schäßburg, dem heutigen Sighisoara.
Der Ort gilt als Geburtsstadt von Vlad dem Pfähler https://youtu.be/JJ37aWJIdkg?si=Nda3XXJFxbGgPqkW , der die Vorlage für die Dracula Mythen ist. Nach gut zwei Stunden Fahrt erreichen wir die Stadt und finden auf dem Campingplatz Aquaris mitten in der Stadt ein ordentliches Nachtquartier.
Den jungen Tag nutzen wir direkt für einen Rundgang durch die Altstadt. Sighișoara wurde im 12. Jahrhundert von deutschen Siedlern gegründet und geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Bevölkerung jedoch nach und nach aus der Region vertrieben.
Über eine kleine Fußgängerbrücke über die Große Kokel gelangen wir zunächst zum Stundturm. Und natürlich führen auch hier wieder unzählige Treppenstufen nach oben – inklusive Eintrittsgeld. Der Blick über die mittelalterliche Stadt entschädigt allerdings für die Mühe.
Das Geburtshaus von Vlad III. selbst wirkt eher unspektakulär. Ein Blick von außen reicht uns völlig.
Wir schlendern weiter durch die Gassen, gönnen uns ein kleines, aber sehr gutes Eis auf die Hand und machen uns anschließend auf den Weg hinauf zum Gymnasium. Wie sollte es anders sein: weitere 182 Stufen bergauf. So hält man nicht nur Touristen, sondern auch die Schüler fit, die den Weg zeitweise mehrfach machen müssen.
Die Treppe ist vollständig überdacht, damit Schnee und Eis im Winter nicht zum Problem werden – praktische Infrastruktur aus vergangenen Zeiten.
Oben angekommen laufen wir noch etwas rund um die Kirche neben der Schule und genießen den Blick über die Dächer der Stadt. Danach geht es wieder hinunter.Zum Abschluss des Tages essen wir in der Alten Post noch Schweinerippchen und lassen den Abend anschließend ruhig auf dem Campingplatz ausklingen.Read more
Kloster Voronet & wilde Kühe
May 13 in Romania ⋅ 🌧 8 °C
Von Humor fahren wir weiter zum Kloster Voroneț, ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe. Aufbau und Architektur ähneln stark dem zuvor besuchten Kloster. Deutlich anders ist allerdings das Umfeld. Rund um die Anlage zieht sich ein ganzer Straßenzug voller Verkaufsstände, an denen alles angeboten wird, was man Touristen verkaufen kann – von Souvenirs bis zu eher fragwürdigen Devotionalien.
Auffällig ist bei beiden Klöstern der hervorragende Zustand. Nicht nur die Gebäude und Wandmalereien wirken sorgfältig restauriert, auch die Gartenanlagen sind außergewöhnlich gepflegt.
Nach inzwischen drei besichtigten Klosteranlagen steht uns eher der Sinn nach Ruhe. Deshalb fahren wir weiter Richtung Bicaz-Schlucht, durch die wir später den Lacul Roșu erreichen wollen.
Die Landschaft verändert sich unterwegs deutlich. Aus den Nadelwäldern der Berge wird langsam ein hügeliges Kulturland mit vielen Gärten und kleinen Feldern. Immer wieder durchqueren wir langgezogene Ortschaften, die scheinbar ohne Übergang direkt in die bewirtschaftete Landschaft übergehen.
Später steigt die Straße wieder an und führt erneut durch Waldgebiete. Bären sehen wir dort allerdings keine – stattdessen einige ausgesprochen eigensinnige Kühe, die unvermittelt mitten auf der Landstraße stehen und nur sehr gemächlich Platz machen.
Die Straße folgt schließlich längere Zeit einem Wasserlauf. Geeignete Rückzugsmöglichkeiten für die Nacht gibt es dort kaum. Am Ende finden wir mit etwas Abstand zur Straße ein brachliegendes Grundstück, auf dem wir unser Nachtquartier beziehen.Read more
Kloster Humor & kalte Luft
May 13 in Romania ⋅ 🌧 8 °C
Heute Morgen werden wir bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt wach. Die europäische Kaltfront hat uns inzwischen vollständig erreicht. Entsprechend starten wir etwas zügiger als sonst und fahren über viele Kurven hinab nach Marginea.
Der Ort ist eigentlich für seine Töpfereien bekannt. Wir hatten erwartet, dort eine Art Töpferviertel oder wenigstens einige Werkstätten zu finden, vielleicht sogar mit Vorführungen oder Besichtigungsmöglichkeiten. Trotz Suche finden wir jedoch nichts dergleichen. Wahrscheinlich hätten wir gezielter suchen müssen.
Von dort geht es weiter zum Kloster Humor. Schon vor der Anlage fällt uns ein auffallend gepflegter Friedhof auf. Jedes Kreuz ist mit einem kleinen bunten Blumenkranz geschmückt.
Das Kloster selbst wirkt mit seinen Mauern und kleinen Türmen fast wie eine Burganlage. Entlang der Innenmauern liegen die Wohngebäude der Nonnen, in der Mitte des Innenhofs steht die eigentliche Klosterkirche.
Wie bereits in den zuvor besuchten Klöstern besteht auch diese Kirche aus drei hintereinanderliegenden Räumen. Die Aufteilung steht einerseits für die Heilige Dreifaltigkeit, hatte früher aber auch eine praktische Bedeutung: Der erste Raum war für Ungetaufte gedacht, der zweite für getaufte Gläubige und der letzte Bereich für Geistliche. Entsprechend unterscheiden sich auch die Wandmalereien. Besonders im ersten Raum dominieren Darstellungen von Hölle, Strafe und ewiger Verdammnis – offensichtlich wollte man dort pädagogisch recht eindeutig arbeiten.Read more



































































































































































































TravelerGlückwunsch zum neuen Hobby und zum Erwerb des Telekops. Also fahrt ihr doch noch zur Hamradio?