Mit dem Autozug durch die Tauern
June 15 in Germany ⋅ ☀️ 21 °C
Mit Blick auf die bevorstehende Weiterreise ließen wir es gestern noch einmal ruhig angehen. Das Wohnmobil wurde gründlich aufgeräumt, die Außenmöbel verstaut und alles soweit zurückgebaut, dass einer frühen Abfahrt nichts im Wege stehen konnte.
Tatsächlich kommen wir am Morgen zügig los und genießen die Fahrt durch die beeindruckenden Berglandschaften Kärntens. Bewusst bleiben wir in den Tälern und nutzen Passstraßen nur dort, wo sie für das Vorankommen unvermeidlich sind. Eigentlich hatten wir in Google Maps die Optionen „Autobahnen vermeiden“ und „Mautstraßen vermeiden“ aktiviert. Nicht bedacht hatten wir allerdings, dass eine Zuggebühr nicht zwangsläufig als Maut gilt.
So stehen wir gegen späten Vormittag plötzlich vor der Autoschleuse Mallnitz–Böckstein, besser bekannt als Tauernschleuse. Sie verbindet Kärnten mit dem Gasteinertal in Salzburg und stellt eine äußerst praktische Abkürzung dar. Statt einen großen Umweg über die Tauernautobahn zu fahren, werden Fahrzeuge auf einen Zug verladen und durchqueren den rund 8,4 Kilometer langen Tauerntunnel in etwa zwölf Minuten. Soweit die Theorie. Da die Alternative zusätzliche Kilometer, mehr Fahrzeit und eine wenig attraktive Rückfahrt bedeutet hätte, entscheiden wir uns für den Autozug. Zu unserer Überraschung sind wir das erste Fahrzeug in der Warteschlange.
Nach etwa 45 Minuten rollt der Zug ein, und ich darf als Erster auf die Niederflurwagen auffahren. Vor mir liegen rund hundert Meter Fahrt durch einen mit Stahlholmen begrenzten Waggon. Links und rechts bleiben jeweils kaum mehr als drei Zentimeter Platz. Während ich mich Zentimeter für Zentimeter vorarbeite, steigt die Konzentration auf Rekordniveau. Das Ergebnis: Unsere Außenspiegel tragen seit heute einige rote Farbreste der Österreichischen Bundesbahnen als dauerhaftes Erinnerungsstück an diese besondere Zugfahrt. Die eigentliche Tunneldurchfahrt verläuft dagegen völlig unspektakulär. Nach wenigen Minuten erreichen wir die andere Seite der Alpen und rollen erleichtert wieder auf festen Asphalt. Es ist erstaunlich, wie glücklich man darüber sein kann, ein Wohnmobil unbeschadet von einem Eisenbahnwagen herunterzubekommen.
Nach einigen weiteren Kilometern auf Landstraßen erreichen wir Deutschland. In einer Dorfgaststätte gönnen wir uns ein verspätetes Mittagessen und genießen dabei das Gefühl, wieder ein gutes Stück näher an der Heimat zu sein. Die anschließende Fahrt fällt bewusst kurz aus. Nach den vergangenen Stunden verspüren wir wenig Lust auf weitere große Etappen. Deshalb suchen wir bereits am frühen Nachmittag nach einem Übernachtungsplatz und werden an einem urigen Freibad in einem kleinen Dorf fündig. Dort richten wir uns für die Nacht ein und lassen einen weiteren Reisetag ausklingen, der eigentlich ganz gewöhnlich begonnen hatte und uns am Ende doch noch auf die Schiene brachte.Read more





