Totalität
August 12 in Spain ⋅ ☀️ 31 °C
Showtime. Heute findet die Sonnenfinsternis statt – und zwar kurz vor Sonnenuntergang, bei tief stehender Sonne.
Die ESA veranstaltet ein großes Public Viewing auf einem Messegelände. Als ich ankomme, haben sich bereits ein paar tausend Menschen auf einem Parkplatz versammelt. Die Presse ist da, Kamerateams stehen bereit, das Ereignis wird live auf große Bildschirme übertragen.
Mir ist das etwas zu viel Trubel. Ich gehe ein paar hundert Meter weiter und finde eine große Wiese. Auch hier warten Menschen auf das Ereignis, aber alles ist entspannter. Man hört Holländisch, Deutsch, Spanisch. Ein Amerikaner hat Musik dabei und spielt "The Dark Side of the Moon". Einen passenderen Soundtrack kann es heute nicht geben.
Die partielle Phase schreitet fort. Bald ist mehr als die Hälfte der Sonne verdeckt. Es wird spürbar kühler und dunkler.
Und dann ist plötzlich die Totalität da.
Das Uhrwerk aus Erde, Sonne und Mond geht wieder auf die Sekunde genau. Statt der vertrauten Sonne steht ein scharf begrenztes, schwarzes Loch am Himmel, umgeben von der Korona, schön und bedrohlich zugleich. Die vertrauten Regeln der Natur scheinen plötzlich nicht mehr zu gelten. Ich weiß gar nicht, ob ich staunen, schauen oder fotografieren will.
Nach weniger als zwei Minuten ist es schon wieder vorbei. Ein erster Sonnenstrahl bricht durch ein Tal im Mondrand und lässt für einen kurzen Moment den Diamantring aufleuchten.
Dann wird es schnell wieder hell. Die Schutzbrillen werden wieder aufgesetzt. Viele machen sich bald auf den Heimweg. Die partielle Phase läuft nun in umgekehrter Reihenfolge ab. Mehr und mehr der Sonne wird wieder sichtbar, bis sie schließlich tief im Westen hinter ein paar Wolken versinkt.
Übrigens: Während ich für dieses Schauspiel extra hinaus zum Messegelände gefahren bin, erlebt Heidi die Finsternis ganz bequem von der Dachterrasse unseres Hotels – mit freiem Blick über die Stadt und auf den Dom.Read more







Jost OelmannGroßartiger Textteil.