• ¡Buen Camino!

    August 14 in Spain ⋅ ☀️ 30 °C

    Jakobus der Ältere, Bruder des Johannes, war einer der zwölf Apostel Jesu. Nach der Apostelgeschichte wurde er um das Jahr 44 n. Chr. in Jerusalem auf Befehl des jüdischen Königs Herodes Agrippa I. „mit dem Schwert“ hingerichtet, vermutlich enthauptet. Ab hier verlassen wir das Reich der einigermaßen belegbaren Historie und betreten die Sphäre der frommen Legende.
    Seine Jünger brachten seinen Leichnam anschließend auf einem Schiff nach Galicien. Der Legende nach kam das Schiff ohne Segel und Ruder auf wundersame Weise über das Mittelmeer und den Atlantik bis an den Rand der damals bekannten Welt. Dort wurde Jakobus bestattet. Sein Grab geriet danach für viele Jahrhunderte in Vergessenheit.
    Erst Anfang des 9. Jahrhunderts entdeckte ein Einsiedler ein Grab, das man als das des Apostels Jakobus identifizierte. An dieser Stelle entstand zunächst eine kleine Kirche und später die heutige Kathedrale von Santiago de Compostela.
    Spätestens seit dem 10. Jahrhundert pilgern Menschen aus weiten Teilen Europas nach Santiago. Es entwickelte sich ein Netz von Jakobswegen, das bis nach Deutschland und Skandinavien reichte. Wer im Mittelalter etwa von der Abtei Corvey an der Weser nach Santiago wanderte, konnte damit rechnen, allein für den Hinweg mindestens drei Monate unterwegs zu sein.
    In den letzten Jahrzehnten ist die Wallfahrt unglaublich populär geworden. Die Pilger kommen zu Hunderttausenden. Neben Gläubigen sind Sinnsucher und Selbstfinder unterwegs, Sportler, die eine Herausforderung suchen – und ich.
    Am Morgen besuche ich die Pilgermesse in der Kathedrale. Auf der Praza do Obradoiro schaue ich zu, wie die Pilger eintreffen, voller Freude, Stolz und Erleichterung darüber, ihr Ziel erreicht zu haben.
    Dann fahre ich mit dem Rad aus der Stadt hinaus. Der Jakobsweg ist nicht zu verfehlen: immer den Pilgern entgegen. Zudem ist er mit schönen Wegweisern ausgestattet, die die verbleibende Entfernung nach Santiago metergenau angeben. Bei Kilometer 11,490 kehre ich um und fahre die ganze Strecke zurück bis ins Stadtzentrum.
    Ich kann also mit Fug und Recht behaupten, den Jakobsweg bis Santiago de Compostela mit dem Fahrrad befahren zu haben. Ob das fürs Seelenheil genügt? Ich glaube nicht.
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