La Rapita
14. oktober 2025, Spanien ⋅ ☀️ 24 °C
Nach dem Frühstück packe ich unsere Sieben Sachen, ratz-ratz sind wir abfahrbereit. Ein freundlicher Rezeptionsmitarbeiter hat zwei Hotels im Zentrum von La Rapita angerufen, um die Lage zu checken. Eines war wegen der Überschwemmungen geschlossen, eines, im Zentrum, geöffnet. Das Wetter scheint besser als erwartet, die düsteren Prognosen von Regen bis zu unserer Abreise haben sich geändert - also fahren wir weiter.
Kopfschmerzen - bei jeder Kopfbewegung kullert eine Bowlingkugel in meinem Schädel.
Rückenwind und Zuversicht erleichtern uns die Fahrt; die Kinder sind ausgeruht. Je näher wir Sant Charles La Rapita kommen, desto mehr Schlamm liegt auf der Strasse. Überall sieht man, wo die Sturmfluten sich ihren Weg gebahnt hatten. Zum ersten Mal im Leben sehe ich grosse Flusskrebse, die hier offensichtlich aus ihrem eigentlichen Habitat weiter bergauf durch die Sturzfluten hier in die Kanäle gespült wurden und nun nicht mehr zurückkommen. Verzweifelt versuchen sie die steilen Beton-Kanalwände hochzuklettern, aber dort oben erwarten sie die sengende Sonne und trockene Felder, Baustellen, Verkehr. Und abwärts enden die Kanäle im Ebro, den wir am frühen Nachmittag erreichen.
Wir überqueren den mächtigen Fluss, der sich ruhig und grün seinen Weg Richtung nahem Meer bahnt. Viele Felder sind noch überflutet und zahlreiche Vögel ernten die ertrunkenen Insekten.
Als wir am Nachmittag in La Rapita ankommen, ist von der Katastrophe aber fast nichts zu sehen. Behörden, Hilfswerke und Bevölkerung haben ganze Arbeit geleistet, die Strassen freigeschaufelt, gekehrt und das Leben geht seinen üblichen Weg, als sei nichts gewesen - nur 2-3 Tage nach der Flut. Das wird natürlich in den Zentren der Katastrophe weiter oben in den Bergen anders aussehen.
Wir kommen auf der Hauptstrasse des Ortes im angepeilten Hotel unter und ich packe den Wäschehaufen in eine Plastiktüte und laufe einen Kilometer zu einem Waschsalon (die Kinder zocken natürlich derweil). Dort herrscht Andrang, weil viele Haushalte keine Waschmaschine oder keinen Strom haben. Und wieder bin ich freudig überrascht von der Hilfsbereitschaft der Spanier, ihrem Gemeinschaftssinn. Man erklärt und hilft, praktisch jedermann engagiert sich für mich mit irgendetwas. Leider sind die Stühle aus dem Laden geschwemmt worden und ich muss 2 Stunden auf dem Boden sitzend warten, bis die Wäsche sauber und trocken ist.
Das kleine Familienhotel hat eine exzellente Küche, aber - wie übrigens scheinbar allerorten in Spanien, niemand spricht mehr als 10 Worte Englisch. Der Kellner bringt uns eine Speisekarte auf Spanisch. Auf meinen Einwand hin, wir verstünden den Inhalt nicht, meint er lapidar und mit einer wegwerfenden Geste im Weggehen : "Go Google."
Ernsthaft? Eine ganze Speisekarte googeln? Empört stehe ich auf und gehe. An der Rezeption mache ich meiner Verärgerung Luft, schliesslich ist dies ein Hotel und nicht nur ein Restaurant und rudimentäre Sprachkenntnisse des Englischen erscheinen nicht zu viel verlangt. Die Dame bemüht sich sichtlich, die Wogen zu glätten und druckt uns die eingespeicherte Speisekarte auf Englisch aus. Leider wissen die Kinder mit "Seehecht" und "Dorade" nichts anzufangen und es schmeckt ihnen auch nicht. Ich esse, was Ihnen nicht schmeckt ("...hätten wir Papa nicht, müssten wir uns glatt `ne Sau halten!") und irgendwie bekomme ich sie satt. Zudem hat gegenüber dem Hotel noch ein Kiosk geöffnet. Dies um ca. 22.30 Uhr - solche Arbeitszeiten sind, wie auch in Deutschland, Sache der vielen Ausländer. Hier in Spanien vorzugsweise Inder und Pakistaner. Sie und die vielen Magrebiner und Schwarzafrikaner, machen die "Drecksarbeiten": Tankstellenjobs, Strassen- und Bauarbeiten, Nachtwachen, Putzen und Reinigen, Spülen und einfache Arbeiten in den Küchen etc.
Erst gegen Mitternacht kommen die Kinder endlich zur Ruhe und ich kann mich um unseren kleinen Online-Business kümmern.Læs mere


















