• 19 Unbekannte Gefilde

    October 18, 2022 in Slovenia ⋅ ☀️ 20 °C

    Von hinter dem Lenkrad schallt es plötzlich: "Müssen wir an der Kreuzung rechts oder links?"
    " Hä? Wo?" folgt es aufgeschreckt von der Beifahrerseite. 
    "Die Richtung zur slowenischen Grenze ist da vorne nicht angeschrieben. Rechts oder links?" 
    Gerade noch völlig versunken in der schönen Landschaft, bricht nun hektisches Karte konsultieren auf der rechten Kabinenseite aus. Die Kreuzung naht, der Weg ist noch nicht gefunden, also muss vorerst das Bauchgefühl entscheiden. Schliesslich wollen wir hier, mitten auf der Strasse im dichten Verkehr, nicht anhalten und so die "geduldigen" Italiener zum Hupen animieren. 

    Die geratene Richtung erweist sich dann doch als richtig und wir sind wieder ein Stückchen weiser. Mit der motorisierten Kutsche gehts eben rasanter vorwärts als noch mit den Stahlrössern. Als Navigator, notabene auf der rechten Seite sitzend, hat man auch Pflichten zu erfüllen um ans Ziel zu gelangen. Es braucht einfach noch ein wenig Ein- oder besser Umgewöhnungszeit, die Routinen der letzten acht Monate können nur schlecht angewendet werden. 

    Eine schmale Strasse schlängelt sich durch herbstliche Wälder in die Höhe. Kaum bewohnte Dörfer säumen den Weg Richtung Grenzpass. Das versteckte italienische Tal mit seinen vielen baufälligen Häusern scheint vergessen worden zu sein. Was erwartet uns wohl auf der anderen Seite? Von Slowenien kennen wir gar nichts, haben nicht mal eine wage Vorstellung. Wir wussten ja bis vor kurzem noch nicht mal, dass wir das Land besuchen werden. Gemäss dem vor einigen Tagen gekauften Reiseführer hat das Land einiges zu bieten. Wir werden nicht enttäuscht. 

    Türkisblau leuchtend mäandert die Soča ungebändigt durchs Tal. Ein Anblick, der uns irgendwie glücklich stimmt. Die wenigen, sehr kleinen Dörfer entlang des kühlen Nass sind bewohnt, die Häuser gut in Schuss. Wir geniessen die Zeit in "den Bergen" und machen kurze Erkundungstouren. 

    Apropos Erkundungstouren: Unsere körperliche Ertüchtigung ist nach den langen Velotagen auf ein Minimum geschrumpft (Gaspedal und Bremse betätigen zählt auch bei einem Defender NICHT als sportliche Betätigung!). So müssen Alternativen her, sonst gehen wir auf wie ein Ofenküchlein. Am Liebsten ist uns immer noch das Laufen/Wandern, denn bei Yoga bekommt Sascha Schreikrämpfe, Pilates haben wir schon durch und andere "Workouts" fühlen sich so gezwungen an. Habt ihr Vorschläge?

    Slowenien "überrascht" uns mit sehr freundlichen Menschen, hohem Lebensstandart, einigen Naturperlen und historischen Stätten. Die Höhlenburg Predjama zum Beispiel ist wirklich einen Besuch wert. In den 120m hohen Höhleneingang wurden in mehreren Etappen dickwandige Gebäude errichtet. Die Festung galt als uneinnehmbar, hatte sie doch nur einen offensichtlichen Zugang welcher kaum unerlaubt passierbar war. Im weitverzweigten Höhlensystem hinter der Burg gab es jedoch einen Geheimgang, der weit entfernt ans Tageslicht führte. So konnten die Burgbewohner während einer Belagerung immer frische Lebensmittel besorgen.

    Beeindruckt von den vielen Erlebnissen des bergigen Sloweniens zieht es uns zum Schluss wieder ans Meer. Das warme Wetter lockt und irgendwie verspüren wir Sommer-Nachholbedarf. 
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