• Phnom Kulen - One Thousand Lingas

    March 1, 2017 in Cambodia ⋅ ☀️ 25 °C

    7.30 Uhr, wir sitzen noch beim Frühstück, steht unser Guide für die heutige Tour nach Phnom Kulen am Tisch. Das ist mal überpünktlich, denn wir wollen erst um 8.00 Uhr starten 😊. Die Tour haben wir bereits vor Wochen über Rent-a-Guide gebucht, da sie uns eine ganztägige Wanderung durch den Dschungel mit Besuch des Flusses der Eintausend Lingas, Baden im Wasserfall und schlendern durch jahrhundertealte Dschungeltempel versprach. Auf meine Frage, wie denn der Tagesablauf aussieht, erfahren wir, dass wir mit dem Auto auf den Berg fahren, das Flussbett besichtigen, den Wasserfall angucken und den Ruhenden Buddha auf dem Gipfel des Berges anschauen. Um 12.30 Uhr geht es dann wieder zurück. Oops 😳, dass ist irgendwie nicht das, was wir gebucht haben, schon garnicht für 250 € 😶. Der Kundendienst in Deutschland ist noch im Nachtschlaf, also rufe ich den Managing Director der ausführenden Firma in Phnom Penh an und bitte um Aufklärung und entsprechende Korrektur. Nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Verständigung wird die Tour angepasst und alle Etappen aus dem Angebot (es sind vielleicht sogar ein paar mehr) werden eingebaut. Der Chef selbst wird uns später noch am Wasserfall besuchen. Das nenne ich Kundenservice 👍👏.
    Phnom Kulen ist ein heiliger Berg für die Kambodschaner, denn dieser Ort gilt als Wiege des Khmer Reiches, als König Jayavarman II im 9. Jahrhundert die Unabhängigkeit von Java erklärte und hier die erste Hauptstadt Mahendraparvata gründete.
    Laut aktuellen Forschungen muss sie so groß wie das heutige Phnom Pen gewesen sein. 56 Tempel gab es hier und eine Vielzahl weiterer Bauten, die aber erst in den letzten Jahren durch archäologische Untersuchungen wiederentdeckt werden - soweit sie noch vorhanden sind.
    Erste Etappe ist der Fluss der Eintausend Lingas und liegt fast 70 Kilometer nördlich von Siem Reap. Wir brauchen 1,5 Stunden mit dem Auto dorthin. Unterwegs erfahren wir einiges über das tägliche (Über)Leben der kambodschanischen Landbevölkerung. 90 % sind Bauern, der Rest arbeitet im Service oder der Produktion. Auch die haben es nicht einfach. In der Hochsaison des Tourismus gibt es fast Vollbeschäftigung, danach werden die Hälfte der Leute entlassen oder mit deutlich geringerem Einkommen weiterbeschäftigt.
    Am Kulenbergmassiv angekommen geht es auf abenteuerlicher Straße steil bergauf, bis wir einen Parkplatz erreichen, von dem aus wir zum besagten Flussbett der Eintausend Lingas spazieren. Könnt ihr euch irgendetwas darunter vorstellen? Nein? Gut, dann gibt es jetzt die Erklärung:
    König Jayavarman II erklärte nicht nur die Unabhängigkeit, sondern im Jahr 802 v. Chr. sich selbst zum Gottkönig und ließ als Machtdemonstration im 10. Jahrhundert ein künstliches Flussbett anlegen, das auf 300 m Länge aus dem Felsen gemeißelt wurde. Dieses Flussbett enthält eintausend Darstellungen des Gottes Shiva (Linga, Lingam, Phallus=Penis) knapp 5 cm unter der Wasseroberfläche und der dazugehörigen Begleiter (Yoni=Vagina, Vishnu, Lakshmi ...) aus dem Hinduismus, um – so der Glaube – das darüber hinweg fließende Wasser zu heiligen. Sie repräsentieren den damaligen Fruchtbarkeitskult, mit dem umspülenden Wasser als Lebenselixier der Landwirtschaft auf den Feldern von Angkor: https://1drv.ms/v/s!AiUv8teodO-roHJ-rmMjLsEI0CiC
    Die Krönungszeremonie nach der Fertigstellung auf Phnom Kulen gilt als Geburt des Khmer Reiches. An dieser Stelle fanden immer nach der Regenzeit rituelle Waschungen der königlichen Familie und ihres Gefolges statt, natürlich streng in Kasten unterteilt. Solange, bis die Hauptstadt im 11. Jahrhundert nach Angkor Thom verlegt wurde.
    Uns beeindruckt nicht nur das Ausmaß und der gute Erhalt der Anlage, sondern auch die Präzision und Kunstfertigkeit der damaligen Künstler. Aber das werden wir noch öfter erleben.
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