Zwiegespaltener Zug
April 17 in Germany ⋅ ☁️ 16 °C
Ein Zweiteiler diesmal. Der erste Abschnitt liegt schon hinter mir – nicht allein, sondern mit einem Kumpel an meiner Seite. Ein Stück Trail, das man sich teilt, Gespräche, die kommen und gehen wie die Schritte im Takt. Die Süntelbuche, die alten österreichischen Schanzen, eine Rast an der Brotpfadhütte irgendwo zwischen Hunger und guter Laune. Gute Meilen, aber nicht nur meine.
Heute dann der zweite Teil. Allein im Sattel.
Der Morgen beginnt wieder dort, wo die Welt langsamer wird – am Bahnhof Blankenheim-Wald. Ein Ort, der wirkt, als hätte ihn jemand vergessen, und genau deshalb passt er so gut. Ich stelle das Auto ab, meine kleine Base für die nächsten Tage, klopfe einmal gegen die Tür wie gegen ein treues Pferd und weiß: Von hier an zählt wieder nur, was ich selbst zurücklege.
Der Trail führt mich zunächst über den alten Bahndamm der stillgelegten Oberahrbahn. Ein Streifen Land, der mal für Züge gedacht war und jetzt den Wanderern gehört. Der Untergrund ist ruhig, fast gleichmäßig, und ich finde schnell meinen Tritt. Schritt für Schritt, wie ein alter Rhythmus, den man nie ganz verlernt. Staub gibt’s hier keinen, aber im Kopf fühlt es sich trotzdem danach an.
Am kleinen Parkplatz, an dem ich vor einem Monat meine Runde begonnen habe, halte ich kurz inne. Gleicher Ort, anderer Tag. Damals der Aufbruch, heute das Weiterziehen. Ich bleibe nicht lange – Cowboys schauen nicht zurück, sie nehmen nur zur Kenntnis, wo sie schon gewesen sind.
Der Nonnenbach läuft ein Stück mit mir, mal sichtbar, mal verborgen. Ein leises Murmeln irgendwo zwischen den Bäumen, als würde er Geschichten erzählen, die keiner mehr richtig versteht. Ich lasse ihn reden und gehe einfach weiter.
Dann öffnet sich das Schaafbachtal, und plötzlich wird die Welt weit. Wiesen ziehen sich vor mir auf, der Blick kann reiten, während die Beine den Job machen. Der Wind streicht übers Gras, und für einen Moment fühlt sich alles leicht an – wie diese seltenen Tage, an denen nichts von dir verlangt wird, außer dass du unterwegs bleibst.
Der Weg zieht sich weiter durch Wälder, die dich aufnehmen, ohne Fragen zu stellen. Genau so mag ich das. Kein Trubel, kein Lärm, nur das leise Knacken unter den Stiefeln und der eigene Atem, der den Takt vorgibt. Irgendwann hörst du auf, über Strecke oder Zeit nachzudenken. Du bist einfach nur noch unterwegs. Und das reicht.
Schmidtheim taucht schließlich auf, ohne großes Aufsehen. Ein paar Häuser, ein bisschen Leben, mehr braucht es nicht. Der Bahnhof liegt ein Stück draußen, als hätte man ihn bewusst an den Rand gesetzt – für die, die noch nicht ganz zurück in die Zivilisation wollen.
Ein kurzer Ritt mit dem Zug zurück nach Blankenheim-Wald. Metall statt Leder, Schienen statt Pfad. Nicht mein bevorzugter Weg, aber manchmal gehört er dazu.
Am Auto angekommen, lasse ich den Tag ausklingen. Lehne mich an die Tür, schaue noch einmal hinaus in die Richtung, aus der ich gekommen bin. Kein großes Finale, kein dramatischer Abgang – nur dieses ruhige Wissen, dass ich heute genau dort unterwegs war, wo ich hingehöre.Read more






Traveler
Erinnert mich an den Weg durch die Loire Ebene 😍
Traveler
Ist das natürlich oder Mensch gemacht?
TravelerDas ist ursprünglich ein Steinbruch gewesen, und da wurde um 1920 eine Strophe eines Liedes eingemeisselt