Alta – Ankunft im Wolfsrevier
Mar 3–4, 2022 in Norway ⋅ ☁️ -3 °C
Nach zwei Tagen auf See legten wir abends in Alta an. Und so schön die AIDAsol auch war: Nach 851 Seemeilen, Schiffsschaukel, Sauna und Frühstück mit fluchtgefährdetem Geschirr wollten wir einfach mal wieder festen Boden unter den Füßen spüren.
Also gingen wir von Bord und wurden zu einer Husky-Lodge kutschiert. Schon von weitem hörten wir das Geheule. Die Huskys schienen sich direkt mit unserem Wolfsrudel unterhalten zu wollen. Vielleicht war es Begrüßung, vielleicht Lagebesprechung, vielleicht auch nur die Frage, ob wir zufällig Leckerli dabeihatten.
An der Lodge angekommen wurde uns unser Zelt zugeteilt. Ja, wir übernachteten in einem Tipi. Allerdings in einem Tipi mit Kanonenofen, was der Sache eine gewisse Überlebensromantik mit Komfortfunktion verlieh. Die Einweisung war so simpel wie englisch: Fasst den Ofen nicht an, verstellt nichts. Wenn es euch zu heiß wird im Tipi, lasst die Tür offen. Hier gibt es keine Wölfe.
Wenn die wüssten.
Wir legten unser Gepäck ab und liefen durch den tiefen Schnee, vorbei an heulenden Huskys, zurück zur Lodge, um das Abendessen einzunehmen. Und dann, plötzlich, waren sie da. Ganz schüchtern zeigten sie sich am Nachthimmel: Polarlichter.
Welch ein epischer Moment.
Noch am Morgen hatte man uns mitgeteilt, dass die Chance auf Polarlichter in den nächsten Tagen minimal sei. Aber für uns zeigten sie sich trotzdem. Zart, vorsichtig, fast geheimnisvoll. Als hätte der Himmel kurz beschlossen, uns ein kleines grünes Geheimnis anzuvertrauen.
War das schon der Höhepunkt unserer Reise? Mit Sicherheit einer davon.
Wir verbrachten mit der Gruppe einen schönen Abend, irgendwo zwischen staunenden Blicken, kalter Luft und diesem besonderen Gefühl, gerade etwas erlebt zu haben, das sich nicht bestellen, planen oder garantieren lässt.
Irgendwann stapfte jeder zurück in sein Tipi, auch wir. Inzwischen hatte sich unser Tipi auf Saunatemperatur erhitzt. Da wir keinen Aufgusseimer fanden, folgten wir den Anweisungen, ließen die Tür offen und legten uns schlafen.
Die Nacht war wunderschön. Unser Tipi hatte zu einer Seite eine Plexiglaswand. So konnten wir von unserem Nachtlager aus den Nachthimmel bewundern, eingekuschelt im warmen Wolfsbau, während draußen Schnee, Sterne und Stille über Alta lagen.
So schläft man nicht einfach ein. So gleitet man in einen Traum.Read more















