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Mit der AIDAsol in den hohen Norden

13 Tage, 3095 Seemeilen, Nordmeer-Magie: Mit der AIDAsol von Hamburg bis ans Nordkap. Sturm, Schnee, Huskys, Polarlichter, Glühwein, Whirlpool und ganz viel Wolfsrudelglück. Norwegen hat uns verzaubert. Baca lagi
  • Permulaan perjalanan
    27 Februari 2022

    Hamburg – verspäteter Start ins schwimmende Abente

    27 Februari 2022, Jerman ⋅ ☀️ 6 °C

    Unsere erste Kreuzfahrt begann direkt mit einer Premiere, auf die wir gut hätten verzichten können: Verspätung. Bei der Bahn rechnet man damit. Bei Flügen auch. Aber bei einem Kreuzfahrtschiff? Zwei Tage vor der geplanten Abreise teilte uns AIDA mit, dass unsere Reise erst 24 Stunden später starten würde. Erst später erfuhren wir, dass die AIDAsol wegen schlechtem Wetter selbst verspätet von ihrer vorherigen Reise zurückkam. Offenbar können also auch Kreuzfahrtschiffe „Sorry, komme später“ sagen.

    Normalerweise hätten wir diese geschenkte Zeit genutzt, um Hamburg standesgemäß unsicher zu machen. Ein bisschen Hafenluft, nachts die Reeperbahn, morgens Fischmarkt, danach leicht übernächtigt, aber maritim gestärkt an Bord. Der Plan war gut. Die Pandemie fand ihn schlecht.

    Wir befanden uns noch in den letzten Zuckungen der Corona-Zeit, und AIDA nahm das Thema sehr ernst. Wer positiv war, kam gar nicht erst an Bord – oder durfte vermutlich schneller wieder über selbiges, als ihm lieb war. Also verzichteten wir auf unnötige Abenteuer vor dem Abenteuer, buchten unsere Flüge kurzfristig für eine Gebühr um, bei der selbst die Kreditkarte kurz seekrank wurde, und erreichten Hamburg schließlich am 27. Februar.

    Vom Flughafen ging es mit der S-Bahn zu den Landungsbrücken und von dort mit dem Boot weiter Richtung Terminal. Und dann sahen wir sie: die AIDAsol. Stolz lag sie da, glücklicherweise nicht ganz so riesig wie manche schwimmenden Hochhäuser, aber groß genug, um sofort Fernweh auszulösen. Auf dem Weg zum Terminal fuhren wir schon einmal an ihrem Bug vorbei, der uns mit diesem typischen AIDA-Lächeln entgegenstrahlte.

    Da war er also: unser verspäteter, vorsichtiger, leicht chaotischer, aber trotzdem verheißungsvoller Start in die Welt der Kreuzfahrten.
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  • Check-in mit Nervenkitzel

    27 Februari 2022, Jerman ⋅ ☀️ 8 °C

    Am Terminal angekommen, begann das große Einschiffungsritual. Es fühlte sich ein wenig an wie Zirkeltraining für Fortgeschrittene: immer schön im Kreis, Station für Station, nur ohne Sporthose und mit deutlich mehr Formularen.

    Der hochaktuelle Schnelltest schien dabei fast wichtiger zu sein als unser Ticket. Unsere Gesichter konnte man wegen der Masken ohnehin nur grob mit dem Ausweis vergleichen. Später wurden wir dann doch noch ohne Maske fotografiert. Nicht etwa als schönes Erinnerungsfoto für das Familienalbum, sondern eher im Stil einer erkennungsdienstlichen Behandlung. So konnte AIDA später prüfen, ob nach einem Ausflug wirklich wir wieder an Bord kamen. Vermutlich half es auch dabei, unliebsamen Passagieren besonders schnell ihre Kabine zuzuordnen.

    Dann wurde es richtig spannend. Wir mussten noch einen PCR-Test über uns ergehen lassen und durften uns anschließend in unsere Kabine in Quarantäne begeben. Die Ansage war schlicht und wirkungsvoll: Innerhalb der nächsten zwei Stunden würden wir über das Ergebnis informiert. Wenn unsere Boardinggruppe über Lautsprecher aufgerufen wird, ist alles gut und wir dürfen zur Sicherheitseinweisung. Wenn das Telefon klingelt, sieht die Sache eher nach Plan B aus.

    Zum Glück hatten wir eine Balkonkabine mit fantastischem Blick auf die Elbe. Und zum Glück hatte ich vorausschauend eine Flasche Schampus für unsere Ankunft bestellt. Also taten wir das einzig Vernünftige: Wir setzten uns auf den Balkon, genossen Sonne, Sekt und Aussicht und versuchten, die Sache mit der Quarantäne als exklusive Lounge-Erfahrung zu interpretieren.

    Bis plötzlich das Telefon klingelte.

    Mit einem sehr mulmigen Gefühl nahm ich ab. Am anderen Ende meldete sich jedoch nicht das Corona-Einsatzkommando, sondern das Wellnesscenter. Nach ursprünglicher Planung wären wir zu diesem Zeitpunkt bereits auf hoher See gewesen und hätten einen Massagetermin gehabt. Man wolle diesen nun gerne für uns umbuchen.

    Selten war ein Anruf wegen einer verschobenen Massage so erleichternd.

    Kurze Zeit später kam dann die ersehnte Durchsage: Unsere Boardinggruppe war negativ getestet und durfte zur Sicherheitseinweisung antreten. Also zogen wir im großen Rudel los und übten brav, wie man Schwimmwesten anlegt. Für den Ernstfall waren wir nun vorbereitet. Für die Kreuzfahrt irgendwie auch.
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  • Leinen los und Lagebesprechung an der Bar

    27 Februari 2022, Jerman ⋅ 🌙 6 °C

    Nachdem wir offiziell negativ waren, durften wir endlich das Schiff erkunden. Sogar unmaskiert. Ein völlig neues Gefühl, fast schon unanständig frei nach den letzten Corona-Monaten. Das Schiff war negativ. Wir waren negativ. Die Stimmung dagegen eindeutig positiv.

    Langsam legte die AIDAsol ab und ließ Hamburg in der Dunkelheit hinter sich. Lichter spiegelten sich auf der Elbe, der Hafen zog gemächlich an uns vorbei, und irgendwo zwischen Fernweh, Aufregung und leichtem Unglauben wurde uns klar: Jetzt geht es wirklich los. Unsere erste Kreuzfahrt. Kein Testzentrum mehr, kein Warten auf Durchsagen, kein Telefonterror aus dem Wellnesscenter. Nur noch Schiff, Wasser und Abenteuer.

    Natürlich nahmen wir uns fest vor, jeden Winkel der AIDAsol zu erkunden. In der Praxis bedeutete das: Restaurants, Bars und Oberdeck. Man muss schließlich Prioritäten setzen. Maschinenraum, Kunstgalerie und sonstige Nebenschauplätze konnten warten. Wir waren ja noch ein paar Tage unterwegs und wollten unser Pulver nicht direkt am ersten Abend verschießen.

    Also streiften wir über Deck, ließen uns den Wind um die Nase wehen und prüften mit der gebotenen Ernsthaftigkeit, wo man essen, trinken, sitzen, staunen und aufs Meer starren konnte. Eine wichtige Aufgabe. Irgendjemand musste sie ja übernehmen.

    Während Hamburg langsam kleiner wurde und die Nacht das Schiff umarmte, begann unser schwimmendes Abenteuer genau so, wie es sollte: mit neugierigen Blicken, einem leichten Grinsen im Gesicht und der beruhigenden Erkenntnis, dass es an Bord offenbar ausreichend Bars und Verpflegung gab.
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  • Seetag mit Streicheleinheiten

    28 Februari 2022, Nordsee ⋅ 🌬 6 °C

    Am nächsten Morgen weckte uns die Sonne in unserer Kabine. Kein Wecker, kein Terminal, kein Teststäbchen in Sicht. Nur Licht, Meer und dieses leicht unwirkliche Gefühl, tatsächlich auf einem Schiff unterwegs zu sein.

    Die See war ruhig. Noch. Aber davon ahnten wir an diesem Morgen wenig, und das war vielleicht auch gut so. Man muss dem Abenteuer ja nicht schon beim Frühstück misstrauen.

    Also setzten wir unsere Erkundung der AIDAsol fort. Diesmal etwas gründlicher, zumindest in der Theorie. In der Praxis führte uns der Weg wieder zuverlässig dorthin, wo Menschen mit gutem Geschmack landen: auf schöne Decks, zu guten Ausblicken und in die Nähe von allem, was nach Essen, Getränken oder Entspannung aussah.

    Sehr schnell fanden wir unseren Lieblingsplatz im Bordrestaurant. Und unseren Lieblingskellner. Oder vielleicht fand er auch uns. Nach dem ersten Kennenlernen winkte er uns jedenfalls schon jedes Mal beim Betreten des Speisesaals freudig herbei. Unser Tisch war dann bereits reserviert, als wären wir alte Stammgäste auf hoher See. Man kann sich an solche Zustände erstaunlich schnell gewöhnen.

    Bei den Bars waren wir dagegen deutlich wechselwilliger. Schließlich musste sich unsere Getränke-Flatrate ja rentieren. Immer dieselbe Bar wäre auf Dauer auch langweilig gewesen. Also nahmen wir unsere Verantwortung ernst und betrieben eine sorgfältige, wissenschaftlich natürlich völlig unseriöse Feldstudie zur Getränkelandschaft der AIDAsol.

    Ein besonderer Höhepunkt war unsere Lomi Lomi Nui Massage, die nach dem verschobenen Start nun endlich stattfinden konnte. Schon der Name klang nach Südsee, Kokosöl und der festen Absicht, sämtliche Restspannung an Land zurückzulassen. Wir ließen uns ausgiebig durchkneten, ausgestrichen und in einen Zustand versetzt, der irgendwo zwischen tiefenentspannt, leicht zerflossen und vollkommen kreuzfahrttauglich lag.

    Die letzten Reste von Anreise, Corona-Nervenkitzel und Alltagsstaub fielen langsam von uns ab. Spätestens danach schmeckte dieser erste Seetag endgültig nach Urlaub.

    Dieser erste Seetag schmeckte nach Urlaub. Nach Sonne auf der Haut, nach Meer am Horizont und nach dem wunderbaren Luxus, einfach mal nichts erreichen zu müssen außer vielleicht rechtzeitig die nächste Mahlzeit und die nächste Bar.
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  • Bergen statt Bootsfahrt

    1 Mac 2022, Norway ⋅ 🌧 5 °C

    Der nächste Tag brachte die nächste Planänderung. Eigentlich hätte Haugesund auf dem Programm gestanden, inklusive Bootsfahrt durch den Åkrafjord. Das klang nach Fjordromantik, Kamera im Anschlag und dramatischer Landschaft zum Niederknien.

    Stattdessen hieß es: Bergen.

    Also keine Bootsfahrt durch den Åkrafjord, sondern Stadtbummel. Man hätte enttäuscht sein können. Wir entschieden uns aber für die deutlich bessere Variante: neugierig bleiben, Jacke mitnehmen und schauen, was Norwegen uns stattdessen vor die Füße legt.

    Und siehe da: Wir hatten wieder einmal Glück. In Bergen regnete es nicht die ganze Zeit. Für Bergen ist das vermutlich schon fast eine Trockenperiode mit touristischem Seltenheitswert. Also pilgerten wir durch den Ort, ließen uns treiben, besuchten Parks und Museen und sammelten unseren ersten richtigen Eindruck vom Charme Norwegens.

    Bergen begrüßte uns nicht mit großem Tamtam, sondern mit dieser nordischen Mischung aus Geschichte, Gelassenheit, bunten Häusern, feuchter Luft und stiller Schönheit. Es war nicht der geplante Tag. Aber es war ein guter Tag.

    Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Reiselektionen: Manchmal fällt der Plan ins Wasser — und man steht trotzdem nicht im Regen.
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  • Seetage mit Wellengang und Glühwein

    2–3 Mac 2022, Norway ⋅ 🌬 3 °C

    Nun folgten zwei Seetage. 851 Seemeilen von Bergen bis Alta. Das klingt auf der Karte erstmal nach: gemütlich über das Meer gleiten, ein bisschen aufs Wasser schauen, essen, trinken, schlafen, wieder essen. Die Realität hatte andere Pläne.

    Mitten in der ersten Nacht weckte mich die Mondwölfin mit lautem, angsterfülltem Geheule. Ich musste mich erst einmal orientieren. Statt auf einem großen Kreuzfahrtschiff schienen wir uns plötzlich in einer wilden Schiffsschaukel zu befinden. Es ging munter rauf und wieder runter, während alles, was in Regal, Bad oder auf dem Tisch eigentlich seinen Ruheplatz haben sollte, mit uns Völkerball spielte.

    Also tat ich, was ein verantwortungsvoller Seewolf in dieser Lage tun muss: Ich sicherte alles, was nicht angeschraubt war, in den Schränken und beruhigte die Mondwölfin. Angst hatte ich keine. Schließlich waren wir ja nicht auf der Titanic. Und Eisberge waren bislang auch nicht Teil des Unterhaltungsprogramms.

    Am nächsten Morgen versuchte der Kapitän bei der Borddurchsage, alle zu beruhigen. Er habe das Schiff am Morgen gründlich untersuchen lassen, und es seien keine größeren Schäden festgestellt worden. Na dann. Er schob noch hinterher, dass die AIDAsol über seitliche Stabilisatoren verfüge, die brav ihre Arbeit machen und verhindern würden, dass das Schiff seitlich rollt. Trotzdem habe er die Geschwindigkeit deutlich gedrosselt.

    Ob das jetzt beruhigend war oder vielleicht doch ein kleines bisschen zu viel Information, blieb jedem selbst überlassen.

    Während sich viele Passagiere über Nacht offenbar in grüne Monster verwandelt hatten, ging es uns erstaunlich gut. Beim Frühstück herrschte freie Platzwahl. Kaum jemand schien Hunger zu haben. Wir mussten lediglich unsere Geschicklichkeit unter Beweis stellen, denn Essen, Getränke und Geschirr hatten die feste Absicht, den Tisch möglichst selbstständig zu verlassen.

    An Deck konnten wir erstmals unsere Polarausrüstung testen. Neben einem scharfen Wind wurde es nun richtig kalt. Die Kleidung wärmte von außen, der Glühwein zeitgleich von innen. Eine sehr ausgewogene Doppelstrategie. Wir sahen die ersten schneebedeckten Berge und diese wunderschöne Kulisse, wenn die Sonne durch die Wolken bricht und die Landschaft für einen Moment aussieht, als hätte jemand Norwegen persönlich auf Hochglanz poliert.

    Im Fitnessraum verstand ich plötzlich sehr genau, warum die Geräte angeschraubt waren. Vom Crosstrainer aus betrachtete ich mitleidig die Gymnastikgruppe, die wegen des Seegangs ständig aus dem Rhythmus kam und irgendwann entnervt aufgab. Es ist eben schwer, innere Mitte zu finden, wenn die äußere Welt gerade Samba tanzt.

    Am Abend ließen wir es uns im Spa gut gehen und nahmen ein paar Schwitzbäder in der Sauna. In den Ruhepausen konnten wir beobachten, wie aus dem Pool ein Wellenbad mit Brandung wurde. Andere zahlen Eintritt für so etwas. Wir hatten es inklusive.

    So schmeckten diese Seetage nach Abenteuer, Salzluft, Glühwein, Sauna und einer ordentlichen Portion Demut vor dem Meer. Die AIDAsol brachte uns weiter Richtung Norden. Nicht ganz sanft, aber sehr eindrucksvoll.
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  • Alta – Ankunft im Wolfsrevier

    3–4 Mac 2022, Norway ⋅ ☁️ -3 °C

    Nach zwei Tagen auf See legten wir abends in Alta an. Und so schön die AIDAsol auch war: Nach 851 Seemeilen, Schiffsschaukel, Sauna und Frühstück mit fluchtgefährdetem Geschirr wollten wir einfach mal wieder festen Boden unter den Füßen spüren.

    Also gingen wir von Bord und wurden zu einer Husky-Lodge kutschiert. Schon von weitem hörten wir das Geheule. Die Huskys schienen sich direkt mit unserem Wolfsrudel unterhalten zu wollen. Vielleicht war es Begrüßung, vielleicht Lagebesprechung, vielleicht auch nur die Frage, ob wir zufällig Leckerli dabeihatten.

    An der Lodge angekommen wurde uns unser Zelt zugeteilt. Ja, wir übernachteten in einem Tipi. Allerdings in einem Tipi mit Kanonenofen, was der Sache eine gewisse Überlebensromantik mit Komfortfunktion verlieh. Die Einweisung war so simpel wie englisch: Fasst den Ofen nicht an, verstellt nichts. Wenn es euch zu heiß wird im Tipi, lasst die Tür offen. Hier gibt es keine Wölfe.

    Wenn die wüssten.

    Wir legten unser Gepäck ab und liefen durch den tiefen Schnee, vorbei an heulenden Huskys, zurück zur Lodge, um das Abendessen einzunehmen. Und dann, plötzlich, waren sie da. Ganz schüchtern zeigten sie sich am Nachthimmel: Polarlichter.

    Welch ein epischer Moment.

    Noch am Morgen hatte man uns mitgeteilt, dass die Chance auf Polarlichter in den nächsten Tagen minimal sei. Aber für uns zeigten sie sich trotzdem. Zart, vorsichtig, fast geheimnisvoll. Als hätte der Himmel kurz beschlossen, uns ein kleines grünes Geheimnis anzuvertrauen.

    War das schon der Höhepunkt unserer Reise? Mit Sicherheit einer davon.

    Wir verbrachten mit der Gruppe einen schönen Abend, irgendwo zwischen staunenden Blicken, kalter Luft und diesem besonderen Gefühl, gerade etwas erlebt zu haben, das sich nicht bestellen, planen oder garantieren lässt.

    Irgendwann stapfte jeder zurück in sein Tipi, auch wir. Inzwischen hatte sich unser Tipi auf Saunatemperatur erhitzt. Da wir keinen Aufgusseimer fanden, folgten wir den Anweisungen, ließen die Tür offen und legten uns schlafen.

    Die Nacht war wunderschön. Unser Tipi hatte zu einer Seite eine Plexiglaswand. So konnten wir von unserem Nachtlager aus den Nachthimmel bewundern, eingekuschelt im warmen Wolfsbau, während draußen Schnee, Sterne und Stille über Alta lagen.

    So schläft man nicht einfach ein. So gleitet man in einen Traum.
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  • Alta – mit Huskys durch den Schnee

    4 Mac 2022, Norway ⋅ ☁️ -4 °C

    Am nächsten Morgen stapften wir ausgeschlafen durch den Schnee zur Lodge, um uns beim Frühstück für den nächsten Höhepunkt zu stärken. Einige aus unserer Gruppe wirkten allerdings etwas frostig. Und zwar nicht nur innerlich.

    Sie hatten in der Nacht am Kanonenofen herumgestellt. Genau an dem Kanonenofen, an dem man laut Einweisung nicht herumstellen sollte. Das Ergebnis war ebenso vorhersehbar wie pädagogisch wertvoll: Der Ofen ging aus, und das Tipi verwandelte sich in eine nordnorwegische Tiefkühltruhe.

    Wer nicht hören will, muss frieren.

    Wir hingegen hatten brav die Finger vom Ofen gelassen, gut geschlafen und steuerten nun bestens gelaunt auf das nächste Abenteuer zu: eine Schlittenfahrt mit Huskys.

    Die Tiere konnten es kaum erwarten, dass es endlich losging. Wir auch nicht. Vor lauter Aufregung war kaum zu sagen, wer mehr Vorfreude in den Knochen hatte: die Huskys oder unser kleines Wolfsrudel. Wir folgten den Anweisungen des **Mushers**, also des Schlittenhundeführers, ließen uns schnell im Schlitten nieder, und dann ging sie los: die wilde Fahrt.

    Die Huskys rannten um die Wette, als gäbe es kein Morgen. Schnee spritzte, Kufen glitten, kalte Luft biss ins Gesicht, und wir saßen mittendrin in diesem weißen Abenteuerfilm, für den niemand ein Drehbuch gebraucht hätte. Es war einfach großartig.

    Nach einer wirklich wunderschönen Schlittenfahrt kam dann die verdiente Belohnung. Für die Huskys. Und für die Nachtwölfin.

    Exzessives Kuscheln.

    Die Hunde genossen die Aufmerksamkeit sichtlich, und auch auf den Wanderwolf hatten es einige Huskys abgesehen. Ganz lässig legten sie ihre Pfoten auf seine Schultern und forderten intensives Streicheln ein. Widerstand war zwecklos. Wer von Huskys zum Kuscheln verpflichtet wird, hat dieser Aufgabe mit Würde, Hingabe und möglichst beiden Händen nachzukommen.

    So endete unser Husky-Abenteuer nicht nur mit Schnee im Gesicht und Freude im Herzen, sondern auch mit einer ordentlichen Portion Fell, Pfoten und Wolfsrudelglück.
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  • Sorrisniva – Kunst aus Eis und ein blauer Drink

    4 Mac 2022, Norway ⋅ ☁️ -4 °C

    Auch wenn der Abschied von den Huskys schwerfiel, das Abenteuer ging weiter. Nach Fell, Pfoten, Schnee und Schlittenkufen wartete schon der nächste Höhepunkt auf uns: das Sorrisniva Igloo Hotel.

    Bereits beim Betreten wurden wir von wunderschönen Skulpturen aus Eis empfangen. Alles wirkte wie eine Galerie aus vergänglichen Kunstwerken, geschaffen für den Moment und doch so beeindruckend, als wollte das Eis selbst erzählen, was es alles kann, bevor der Frühling ihm wieder den Stecker zieht.

    Wir waren fasziniert von den Zimmern, der Halle und der Bar. Alles aus Eis, alles kunstvoll gestaltet, alles mit dieser Mischung aus Magie und Wahnsinn, bei der man gleichzeitig staunt und sich fragt, wer morgens eigentlich auf die Idee kam: „Lass uns doch ein Hotel bauen. Aber bitte aus gefrorenem Wasser.“

    An der Bar wartete ein schlumpfblauer Drink auf uns. Natürlich stilecht in einem Becher aus Eis. Alles andere wäre dort vermutlich als Stilbruch geahndet worden.

    Und auch wenn der Wanderwolf eigentlich ein bekennender Frostie ist: Hier wäre er über seinen Schatten gesprungen und hätte eiskalt eine Nacht verbracht. Allein schon, um später sagen zu können: „Ich habe in einem Hotel geschlafen, das im Sommer einfach verschwindet.“

    Doch so sehr uns dieses vergängliche Wunder aus Eis auch verzauberte, wir mussten weiter. Die AIDAsol wartete. Und leider bestand sie darauf, mit uns weiterzufahren.
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  • Nachtfahrt zum Nordkap

    4 Mac 2022, Norway ⋅ ☁️ -4 °C

    Die AIDAsol nahm wieder Fahrt auf. Mit uns im Gepäck und mit all den Eindrücken der letzten Nacht und dieses erlebnisreichen Tages tief im Herzen.

    Huskys, Schnee, Tipi, Polarlichter, Eisbar und schlumpfblaue Getränke wirbelten noch durch unsere Köpfe, während draußen die Dunkelheit über dem Meer lag. Alta verschwand langsam hinter uns, aber irgendwie blieb ein Teil davon noch an uns hängen. Vielleicht als Schnee an den Schuhen. Vielleicht als Fell auf der Jacke. Vielleicht auch einfach als leuchtende Erinnerung unter der Haut.

    Wir waren müde, satt an Eindrücken und glücklich erschöpft. Also krochen wir bald in unsere Kabine und ließen uns vom leisen Arbeiten des Schiffes in den Schlaf tragen.

    Während wir schliefen, stampfte die AIDAsol weiter durch die Nacht. Immer weiter nach Norden. Dorthin, wo die Landkarte langsam dramatisch wird und das Wort „oben“ eine ganz neue Bedeutung bekommt.

    Unser nächstes Ziel: **Honningsvåg am Nordkap**, der nördlichste Punkt unserer Reise.
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  • Nordkap auf unsere Art

    5 Mac 2022, Norway ⋅ ☁️ -2 °C

    Als wir erwachten, lag die AIDAsol bereits im Hafen von Honningsvåg. Für viele an Bord begann nun der mutmaßliche Höhepunkt der Reise. Ganze Busladungen wurden zum Nordkap gekarrt, damit die Touristen dort im Ameisengalopp zum berühmten Fotopunkt eilen, einen kurzen Moment verweilen und pflichtbewusst ein Instafoto mitnehmen konnten. Kann man machen.

    Wir entschieden uns für die deutlich schönere Variante.

    Warm eingepackt bestiegen wir ein Schneemobil. Der Wanderwolf am Steuer, die Nachtwölfin eng umschlungen hinter ihm. So sausten wir mit tierischer Freude durch den Tiefschnee und ließen uns den eisigen Wind um die Helme wehen. Die Sonne strahlte mit uns um die Wette, als wollte selbst der Himmel bestätigen, dass wir alles richtig gemacht hatten.

    Und dann waren wir plötzlich da. Ganz nah am Nordkap. Ganz ohne Touristenmassen. Kein Gedränge, kein Fotostopp im Minutentakt, keine Selfie-Prozession. Einfach nur wir, der Schnee, die Stille und diese weite, raue Schönheit. Wir genossen die Aussicht, die Kälte, die Ruhe und diesen besonderen Moment, ganz oben in Europa auf unsere ganz eigene Weise erlebt zu haben.

    Danach ging es in wilder Fahrt zurück. Schneestaub, Adrenalin und Glücksgefühl inklusive.

    Da noch etwas Zeit blieb, wanderten wir anschließend durch Honningsvåg, vorbei an Trollen aus Holz und an Häusern, die fast im Schnee versunken waren. Alles wirkte still, nordisch und ein bisschen so, als hätte der Winter hier die Regie komplett übernommen.

    Die AIDAsol bereitete uns derweil einen warmen Empfang. Auf dem Deck waren tatsächlich die beiden Whirlpools befüllt. Also raus aus den dicken Klamotten und rein ins wohlig warme Wasser. Um uns herum eisige Luft, unter uns heißes Wasser und dazu ein Glühwein für die innere Zentralheizung.

    Viel besser kann man das Nordkap wohl kaum verabschieden.

    So ließen wir Honningsvåg hinter uns und begaben uns auf die Rückreise. Mit roten Wangen, warmem Herzen und der Gewissheit, dass man die schönsten Höhepunkte manchmal genau dann erlebt, wenn man sie ein wenig anders angeht als der Rest.
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  • Tromsø – zurück zu den Knuddelfellen

    6–7 Mac 2022, Norway ⋅ ⛅ -3 °C

    Am nächsten Morgen sahen wir zu, wie die AIDAsol in Tromsø einlief und festmachte. Langsam schob sich das Schiff in den Hafen, während draußen wieder diese nordische Mischung aus Schnee, Kälte und Abenteuer auf uns wartete. Nach Nordkap, Schneemobil und Whirlpool-Glühwein hätte man meinen können, wir seien bereits gut versorgt mit Höhepunkten. Aber Tromsø hatte andere Pläne.

    Wir schlossen uns einer Gruppe an, deren Ziel eine Huskyfarm war. Und damit war eigentlich schon klar, wer diesen Ausflug besonders freudig erwartete: die Nachtwölfin. Sie hatte offenbar erneut ausgiebigen Kuschelbedarf mit Knuddelfellen auf vier Pfoten. Da konnte der Wanderwolf mit seinem zarten Rückenfell natürlich nicht mithalten. Gegen echte Huskys hat selbst der liebevollste Rudelgefährte keine Chance.

    Die Huskys wiederum schienen einen Narren am Wolf gefressen zu haben. Kaum angekommen, wurde der Wanderwolf ausgiebig bestürmt, beschnuppert, belagert und zum offiziellen Streichelbeauftragten ernannt. Widerstand war wie immer zwecklos. Wer von einem Rudel Huskys adoptiert wird, hat seine Pflichten zu erfüllen.

    So standen wir mitten im Schnee, umgeben von heulenden, wedelnden, neugierigen Fellraketen, und fühlten uns sofort wieder zuhause. Vielleicht lag es am Namen. Vielleicht am Geruch nach Abenteuer. Vielleicht erkannten die Huskys auch einfach ihresgleichen.

    Tromsø begann jedenfalls genau richtig: mit kalter Luft, warmen Herzen und einer ordentlichen Portion Fellkontakt.
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  • Tromsø – wenn der Himmel für Wölfe tanzt

    6–7 Mac 2022, Norway ⋅ 🌙 -6 °C

    Am Abend setzten wir von der AIDAsol auf ein kleines Boot über. Schon das fühlte sich nach Abenteuer an. Weg vom großen, hell erleuchteten Schiff, hinaus in die dunkle Nacht, hinein in die Kälte, aufs Wasser, unter einen Himmel, der offenbar noch etwas mit uns vorhatte.

    Wir fuhren hinaus in die Dunkelheit. Um uns herum die stille nordische Nacht, unter uns das schwarze Wasser, über uns die Erwartung. Und dann waren sie wieder da: Polarlichter.

    Diesmal zeigten sie sich nicht schüchtern. Nicht zart, nicht vorsichtig, nicht nur als leises Flüstern am Himmel. Diesmal war es ihre Nacht. Sie zogen über uns hinweg, tanzten, leuchteten, flackerten und verwandelten den Nachthimmel in eine Bühne aus Licht.

    Es war eine fantastische Show. Kein Programmheft, keine Eintrittskarte, keine Garantie. Nur dieser eine Moment, dieses Geschenk des Nordens, diese Magie, die man nicht festhalten kann und trotzdem nie wieder verliert.

    Wir standen dort auf dem kleinen Boot, dick eingepackt, staunend und stiller als sonst. Selbst der Wanderwolf wurde für einen Moment andächtig. Und das will etwas heißen.

    Für uns. Für unsere Erinnerung. Für dieses leise innere Archiv, in dem die großen Reisemomente für immer weiterleuchten.

    Was sind wir doch für Glückswölfe.
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  • Tromsø – Eismeerkathedrale und U-Boot Upgrade

    7 Mac 2022, Norway ⋅ ❄️ -2 °C

    Am nächsten Morgen lag die AIDAsol noch immer in Tromsø. Von unserer Kabine aus sahen wir einen fantastischen Sonnenaufgang. Der Himmel glühte über der Stadt, während Tromsø langsam erwachte und wir uns innerlich schon einmal auf einen weiteren kalten, aber schönen Tag im Norden einstellten.

    Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Gut eingepackt zogen wir bei Eiseskälte und Wind los zur Eismeerkathedrale. Allein der Weg dorthin fühlte sich an wie ein kleiner Polartest für Fortgeschrittene. Aber die Architektur belohnte uns. Klar, kantig, besonders — ein Bauwerk, das genauso gut in diese Landschaft passte wie Schnee auf Berge und rote Nasen in unsere Gesichter.

    Zurück an der AIDAsol stellten wir fest, dass an unserem Liegeplatz inzwischen zwei U-Boote festgemacht hatten: ein deutsches und ein norwegisches. Man kennt das ja. Man geht kurz spazieren und bei der Rückkehr hat jemand den Hafen um ein paar Unterwasserfahrzeuge ergänzt.

    Unser Kapitän berichtete am Abend, dass seine Crew und die des deutschen U-Bootes sich gegenseitig besucht hätten. Außerdem unterbreitete er ein großzügiges Angebot an alle Nörgler, die mit ihrer Kabine unzufrieden waren: Sie könnten jetzt ohne Aufpreis zum U-Boot wechseln.

    Wir wissen nicht, wer dieses Angebot angenommen hat.

    Wir jedenfalls waren mit unserer Balkonkabine sehr zufrieden. Frische Luft, Aussicht und ein Bett ohne Tauchgang waren für uns völlig ausreichend. Also blieben wir der AIDAsol treu und setzten unsere Reise ganz klassisch über Wasser fort.
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  • Polarsprung mit Currywurst

    8–9 Mac 2022, Europäisches Nordmeer ⋅ ☁️ 7 °C

    Heute war wieder Seetag. Die AIDAsol fuhr gemächlich 544 Seemeilen in Richtung Trondheim. Nach all den Abenteuern der letzten Tage tat es gut, einfach wieder auf dem Schiff zu sein, aufs Meer zu schauen und sich treiben zu lassen. Also zumindest bildlich. Die AIDA übernahm das echte Treiben dankenswerterweise für uns.

    Doch dieser Seetag war kein gewöhnlicher Seetag. Am Nachmittag wurde auf dem Pooldeck der **Polarsprung** zelebriert. Natürlich mit allem, was dazugehört: Musik, guter Laune, Glühwein, Currywurst bis zum Abwinken und Kapitän Thomas Mey zum Anfassen. Also nicht im Sinne von „bitte einmal kräftig durchkneten“, sondern eher als nahbarer Mittelpunkt dieser sehr besonderen Schiffsparty.

    Die Stimmung war ausgelassen. Menschen lachten, plauderten, prosteten sich zu und feierten mitten auf dem Meer diesen Moment, an dem man sich offiziell einreden durfte, etwas richtig Abenteuerliches getan zu haben. Schließlich waren wir weit im Norden unterwegs. Da darf man auch mal dramatisch werden.

    Fürs Protokoll erhielten wir natürlich eine **Polarsprung-Urkunde**. Ein Dokument, das mich ein wenig an meine Teilnahmeurkunden bei den Bundesjugendspielen erinnerte. Nur mit deutlich mehr Glühwein, besserer Aussicht und ohne den unangenehmen Zwang, irgendwo möglichst weit zu springen.

    Ich glaube, hier hatte ich mehr Spaß.

    So wurde aus 544 Seemeilen Richtung Trondheim ein Tag voller Lachen, Gespräche, Musik, warmem Wein, Currywurst und der beruhigenden Gewissheit, dass wir nun offiziell etwas vorzuweisen hatten. Falls später jemand fragen sollte, ob wir im Norden wirklich etwas geleistet haben: Ja. Wir haben den Polarsprung überlebt. Und sogar eine Urkunde dafür bekommen.
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  • Trondheim – Dom, Tram und Waffelglück

    9 Mac 2022, Norway ⋅ ☀️ -4 °C

    Der nächste Stopp der AIDAsol war Trondheim. Mit einem wunderschönen Sonnenaufgang liefen wir in den Hafen ein. Die Stadt begrüßte uns in warmem Licht, während das Schiff langsam festmachte und wir gespannt auf den Tag blickten.

    Nachdem wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatten, wurden wir zunächst freundlich von waschechten Norwegern in Tracht begrüßt. Eine wirklich schöne Geste. So fühlt man sich doch gleich willkommen — selbst wenn man noch nicht ganz sicher ist, ob die eigenen Beine nach den letzten Seetagen wirklich schon wieder für Landbetrieb zugelassen sind.

    Dann erkundeten wir Trondheim auf eigene Faust. Und weil wir so früh unterwegs waren, hatten wir einen echten Vorteil: kaum Andrang, kein Geschubse, kein touristischer Herdentrieb. Wir konnten den Nidarosdom, die Festung Kristiansten, die Kronjuwelen und weitere Highlights ganz in Ruhe besichtigen. Fast so, als hätte Trondheim kurz für uns aufgeschlossen und gesagt: „Schaut euch ruhig um, die anderen schlafen noch.“

    Der Nidarosdom beeindruckte mit seiner Größe, Würde und Geschichte. Die Festung bot Ausblick und ein wenig Kopfkino aus alten Zeiten. Und überhaupt hatte Trondheim diesen besonderen nordischen Charme: klar, freundlich, geschichtsträchtig und trotzdem entspannt.

    Am Nachmittag wagten wir noch eine Tramfahrt hinaus in die verschneite Umgebung. Die Bahn brachte uns hinauf, und plötzlich lag Trondheim unter uns. Dächer, Wasser, Schnee und Stadtbild breiteten sich aus wie eine Winterpostkarte, nur ohne kitschigen Glitzerfilter.

    Bevor wir wieder an Bord gingen, stärkten wir uns noch mit leckeren Waffeln. Denn wer durch Schnee, Geschichte und Kronjuwelen gestapft ist, hat sich eine Waffel redlich verdient. Mindestens eine.

    So wurde Trondheim für uns zu einem dieser Tage, die nicht laut auftreten, aber lange nachklingen: Sonnenaufgang, Trachtenempfang, stille Sehenswürdigkeiten, Schnee von oben und Waffelglück zum Abschluss.
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  • Ålesund – 418 Stufen und ein Whirlpool-Abschied

    10 Mac 2022, Norway ⋅ ☁️ 7 °C

    Während wir uns noch von unserem Ausflug in Trondheim erholten, schipperte die AIDAsol in der Nacht weiter nach Ålesund. Als wir erwachten, lag sie bereits im Hafen und lud uns zur nächsten Expedition ein. Also raus aus der Kabine, rein in die Winterklamotten und ab in die Stadt.

    Als Erstes bezwangen wir den Stadtberg Aksla. Natürlich zu Fuß, wie sich das gehört. Man hätte es sich vielleicht leichter machen können, aber wo bleibt denn da der heldenhafte Reisebericht? Nach 418 Stufen erreichten wir den Gipfel und wurden mit einem fantastischen Blick belohnt: Ålesund unter uns, die verschneite Umgebung ringsum und mittendrin unser Schiff, brav im Hafen wartend, als hätte es sich extra für das Foto hübsch gemacht.

    Zur Belohnung gab es oben einen leckeren Latte Macchiato. Man muss die erreichten Höhenmeter schließlich angemessen würdigen. Andere hissen eine Flagge, wir bestellen Milchschaum.

    Wieder unten angekommen, bestaunten wir die farbenfrohen Häuser von Ålesund. Bunt, freundlich und mit diesem besonderen nordischen Charme, der selbst bei Kälte noch ein bisschen Wärme in die Gassen malt. Wir ließen uns treiben, schauten, staunten und genossen die Stadt, bevor es wieder zurück an Bord ging.

    Bereits am Mittag legte die AIDAsol wieder ab. Ziel: Hamburg. Der Norden lag nun hinter uns, zumindest geografisch. In unseren Köpfen und Herzen war er längst eingezogen.

    Das Ablegemanöver nutzten wir für unser inzwischen lieb gewonnenes Ritual. Zunächst stärkten wir uns an Deck mit Currywurst und Glühwein. Eine Kombination, die vielleicht nicht in jedem Feinschmeckerführer steht, auf einer Winterkreuzfahrt aber absolut Sinn ergibt.

    Danach entledigten wir uns der wärmenden Winterkleidung und wechselten in den Whirlpool. Während die AIDAsol langsam aus Ålesund auslief, saßen wir im warmen Wasser, ließen die kalte Luft um unsere Köpfe wehen und verabschiedeten uns entspannt vom letzten norwegischen Hafen.

    So kann man abreisen: satt, warm, glücklich und mit leicht schrumpeligen Fingern.
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  • Letzter Seetag – Seewölfe und Wellnessfinale

    11 Mac 2022, Nordsee ⋅ 🌬 7 °C

    Norwegen lag nun im Rückspiegel. Die AIDAsol nahm stramm Kurs auf Hamburg. Zumindest so stramm, wie das auf der Nordsee eben möglich ist, wenn diese beschlossen hat, zum Abschied noch einmal ihre Muskeln spielen zu lassen.

    Hohe Wellen, steife Brise und Gischt begrüßten uns wie alte Bekannte. Doch wir waren inzwischen keine verunsicherten Kreuzfahrtküken mehr. Wir waren echte Seewölfe geworden und nahmen das Spiel der See mit unserem Schiff erstaunlich gelassen hin. Was in der ersten Nacht noch nach wilder Schiffsschaukel klang, fühlte sich nun fast schon vertraut an. Man wächst eben mit seinen Wellen.

    Den letzten Seetag nutzten wir zunächst für eine ausgiebige Massage. Dabei ging es uns deutlich besser als der Masseurin. Die Arme bemühte sich tapfer, uns zu verwöhnen und gleichzeitig ihre Seekrankheit im Griff zu behalten. Uns tat sie wirklich leid. Sie bestand jedoch darauf, dass unser Wohlergehen wichtiger sei als ihre Befindlichkeiten. Das war sehr professionell, sehr liebenswürdig und vermutlich auch ein klein wenig heldenhaft.

    Am letzten Abend wurde im Restaurant noch einmal alles aufgefahren, was die Kombüse hergab. Und nicht nur das: Es war liebevoll, kunstvoll und beinahe feierlich angerichtet. Das Auge isst ja bekanntlich mit. An diesem Abend wurde es gleich doppelt satt. Wir genossen das Essen, die Atmosphäre und dieses besondere Gefühl, wenn eine Reise langsam in ihren letzten großen Bogen einbiegt.

    Doch was wäre eine Reise ohne großes Finale?

    Die Mondwölfin wurde überrascht: Den Rest des Abends verbrachten wir ganz für uns allein in der Wellness-Suite. Ein Private Spa auf dem obersten Deck, mit Wasserbett, Sauna, Dampfbad, Buffet und Schampus. Nur für uns. Ungestört. Über uns der Himmel, um uns das Meer, unter uns die AIDAsol auf dem Weg nach Hamburg.

    Dort konnten wir einfach sein. Genießen. Abschalten. Nachklingen lassen. Und natürlich nutzten wir diese kostbare kleine Wellnesshöhle intensiv aus.

    So endete unser letzter Seetag nicht leise, sondern warm, prickelnd, sinnlich und sehr besonders. Draußen tobte die Nordsee weiter ihr Abschiedslied. Drinnen lagen zwei glückliche Seewölfe und ließen diese Reise noch einmal durch Herz und Haut ziehen.
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  • Zurück nach Hamburg – Heimkehr mit Horn

    12 Mac 2022, Jerman ⋅ ☁️ 5 °C

    Die Küste und damit auch das Ende unserer Reise rückten langsam, aber unaufhaltsam näher. Dieses besondere Gefühl machte sich breit: Man freut sich auf Zuhause, möchte aber gleichzeitig noch nicht so richtig loslassen. Das Meer lag hinter uns, Hamburg vor uns, und irgendwo dazwischen trugen wir all die Bilder dieser Reise in uns.

    Polarlichter, Huskys, Schnee, Nordkap, Sauna, Schampus, Currywurst, Glühwein und eine ordentliche Portion Seegang hatten sich längst in unser inneres Reiselogbuch eingebrannt.

    In Finkenwerder grüßte die AIDAsol noch einmal kräftig aus dem Horn. Und mit kräftig meine ich: Wer sich dem Horn zu sehr näherte, bekam vermutlich sämtlichen Schmalz aus den Ohren geblasen und konnte danach Möwen auf fünf Kilometer Entfernung atmen hören. Ein dezenter Abschiedsgruß war das jedenfalls nicht. Eher ein maritimes „Wir sind wieder da, macht Platz!“

    Wir wiederum wurden mit der Nationalhymne willkommen geheißen. Das hatte schon etwas Feierliches. Fast so, als kehrten wir nicht einfach von einer Kreuzfahrt zurück, sondern von einer großen Expedition ins Nordmeer. Was aus unserer Sicht natürlich durchaus zutraf.

    Die AIDAsol glitt weiter Richtung Hafen, und wir standen da, mit Wind im Gesicht und Erinnerungen im Herzen. Eine Reise ging zu Ende. Aber sie fühlte sich nicht abgeschlossen an. Eher wie ein Kapitel, das man später immer wieder aufschlägt, weil zwischen seinen Zeilen noch Salz, Schnee und Polarlicht glitzern.
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  • Hamburg hat uns wieder

    12 Mac 2022, Jerman ⋅ ☀️ 10 °C

    Hamburg hatte uns wieder. Die Gangway wurde ein letztes Mal für uns bereitgestellt, und langsam wurde aus unserer Reise Erinnerung.

    Während sich die Kreuzfahrt-Profis samt Gepäck bereits frühzeitig in Stellung gebracht hatten, um das Schiff als Erste verlassen zu können, gingen wir das Ende unserer Reise gelassen an. Wir hatten keinen Grund zur Eile. Unser Rückflug nach Frankfurt hob erst am frühen Abend ab, also ließen wir die anderen ziehen und verabschiedeten uns in Ruhe von der AIDAsol.

    Dann gingen auch wir von Bord, setzten uns in ein bereitstehendes Taxi und überließen dem Fahrer die sportliche Herausforderung, unsere Koffer zu verstauen. Nach 13 Tagen auf See hatten wir beschlossen, unsere Energie nicht mehr für Gepäck-Tetris zu verschwenden.

    Am Flughafen ging es direkt in die Senator-Lounge. Dort nutzten wir die Wartezeit entspannt zum Ankommen. Nicht mehr ganz unterwegs, aber auch noch nicht ganz zuhause. Dieser Zwischenraum, in dem der Körper schon sitzt, die Seele aber noch irgendwo zwischen Nordkap, Polarlicht und Huskyfell herumstreunt.

    Wir hatten eine fantastische Reise mit der AIDAsol. Besonders für die Nachtwölfin war ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen — einer dieser Träume, die nicht einfach abgehakt werden, sondern lange weiterleuchten.

    Ob wir nun echte Kreuzfahrtfans werden, wird sich zeigen. Das Konzept ist stimmig, und alle an Bord waren wirklich bemüht, uns eine tolle Reise zu ermöglichen. Die coronabedingte Zwei-Drittel-Belegung des Schiffes kam uns allerdings sehr entgegen. Noch mehr Menschen auf einem Fleck wären für uns vermutlich zu viel des Guten gewesen. Außerdem nimmt einem das straffe Programm ein Stück weit die Möglichkeit, spontan und flexibel zu sein. Und wer uns kennt, weiß: Ein bisschen Wolfsfreiheit muss schon sein.

    Definitiv aber sind wir Norwegen-Fans geworden. Das Land, die Menschen, ihre Kultur und diese beeindruckende Gelassenheit haben uns tief berührt. Nicht zuletzt haben wir uns in die Huskys verliebt. Diese Fellraketen auf vier Pfoten haben sich direkt in unsere Herzen geschmust, geheult und getapst.

    Wir werden sicher nicht das letzte Mal an diesem schönen Fleck der Erde gewesen sein.

    Der Heimflug und die letzten Kilometer nach Hause verliefen unspektakulär. Fast schon erstaunlich normal nach all den Tagen voller Schnee, Meer, Nordlicht, Sauna, Glühwein, U-Booten, Trollen, Huskys und Schiffshorn.

    Nach 14 Tagen und 3105 Seemeilen hatte die Heimat uns wieder.

    Aber ein Teil von uns blieb dort oben im Norden. Irgendwo zwischen Schnee, Sternen und dem Heulen der Huskys.
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    Tamat perjalanan
    12 Mac 2022