• Nordkap auf unsere Art

    March 5, 2022 in Norway ⋅ ☁️ -2 °C

    Als wir erwachten, lag die AIDAsol bereits im Hafen von Honningsvåg. Für viele an Bord begann nun der mutmaßliche Höhepunkt der Reise. Ganze Busladungen wurden zum Nordkap gekarrt, damit die Touristen dort im Ameisengalopp zum berühmten Fotopunkt eilen, einen kurzen Moment verweilen und pflichtbewusst ein Instafoto mitnehmen konnten. Kann man machen.

    Wir entschieden uns für die deutlich schönere Variante.

    Warm eingepackt bestiegen wir ein Schneemobil. Der Wanderwolf am Steuer, die Nachtwölfin eng umschlungen hinter ihm. So sausten wir mit tierischer Freude durch den Tiefschnee und ließen uns den eisigen Wind um die Helme wehen. Die Sonne strahlte mit uns um die Wette, als wollte selbst der Himmel bestätigen, dass wir alles richtig gemacht hatten.

    Und dann waren wir plötzlich da. Ganz nah am Nordkap. Ganz ohne Touristenmassen. Kein Gedränge, kein Fotostopp im Minutentakt, keine Selfie-Prozession. Einfach nur wir, der Schnee, die Stille und diese weite, raue Schönheit. Wir genossen die Aussicht, die Kälte, die Ruhe und diesen besonderen Moment, ganz oben in Europa auf unsere ganz eigene Weise erlebt zu haben.

    Danach ging es in wilder Fahrt zurück. Schneestaub, Adrenalin und Glücksgefühl inklusive.

    Da noch etwas Zeit blieb, wanderten wir anschließend durch Honningsvåg, vorbei an Trollen aus Holz und an Häusern, die fast im Schnee versunken waren. Alles wirkte still, nordisch und ein bisschen so, als hätte der Winter hier die Regie komplett übernommen.

    Die AIDAsol bereitete uns derweil einen warmen Empfang. Auf dem Deck waren tatsächlich die beiden Whirlpools befüllt. Also raus aus den dicken Klamotten und rein ins wohlig warme Wasser. Um uns herum eisige Luft, unter uns heißes Wasser und dazu ein Glühwein für die innere Zentralheizung.

    Viel besser kann man das Nordkap wohl kaum verabschieden.

    So ließen wir Honningsvåg hinter uns und begaben uns auf die Rückreise. Mit roten Wangen, warmem Herzen und der Gewissheit, dass man die schönsten Höhepunkte manchmal genau dann erlebt, wenn man sie ein wenig anders angeht als der Rest.
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