• Ein Candlelight-Dinner mit Ablaufdatum

    July 8, 2000 in Germany ⋅ ☁️ 13 °C

    Die Überraschung des zweiten Abends war wieder einmal rundum gelungen. Stephan hatte diesmal einen Ballonkünstler organisiert, der eigens für uns „stundenlang“ einige Zaubertricks einstudiert hatte und diese nun mit großer Ernsthaftigkeit zum Besten gab.

    Die eigentliche Attraktion waren allerdings die Luftballons.
    Schon das Aufblasen erwies sich zunächst als überraschend anspruchsvolle Disziplin. Während einige noch mit roten Köpfen und leerem Ballon kämpften, hatten die Ersten bald den Bogen raus – beziehungsweise endlich die Luft drin. Demjenigen, der als Erster einen Ballon erfolgreich aufgeblasen hatte, winkte sogar eine Armbanduhr. Damit war die Messlatte für den Abend gesetzt.

    Doch das war nur die erste Herausforderung. Anschließend galt es, aus den Ballons eine Kopfbedeckung zu gestalten. Dabei entdeckte so mancher ungeahnte Fähigkeiten als Hutdesigner. Es entstanden Modelle, die irgendwo zwischen Haute Couture, Karneval und technischem Unfall lagen – und genau deshalb großartig waren. Dem Gewinner winkte ein italienisches Candlelight-Dinner für zwei Personen an einem Ort seiner Wahl. Die Jury, bestehend aus der Hotelbedienung, machte sich die Entscheidung nicht leicht und prüfte die Entwürfe mit der nötigen Ernsthaftigkeit.

    Der stolze Sieger konnte sein Glück kaum fassen, als ihm schließlich der Preis überreicht wurde: eine Packung Nudeln mit Sauce, eine Kerze und ein Piccolo Sekt.

    Zumindest glaubten wir das zunächst. Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass nicht der Sekt, sondern bereits die Nudeln ein bemerkenswert gereiftes Alter erreicht hatten. Der Freude über den Gewinn tat das jedoch keinen Abbruch. Schließlich bekommt man nicht jeden Tag ein Candlelight-Dinner mit eingebautem Mindesthaltbarkeitsabenteuer.
    Read more