• Wanderwolf
  • Wanderwolf

MTB im Odenwald – drei Tage, drei Regenfälle

Drei Tage Mountainbike im Odenwald: steile Anstiege, rutschige Waldwege, falsche Abzweigungen, Gulaschsuppe, rote Laternen und reichlich Höhenmeter. Ein Wochenende zwischen Abenteuer, Muskelkater und erstaunlich guter Laune. Leggi altro
  • Inizio del viaggio
    7 luglio 2000

    Für die Statistik war es großartig

    7 luglio 2000, Germania ⋅ ☁️ 20 °C

    Die Tour startete in diesem Jahr direkt am Hotel Kreidacher Höhe – womit zumindest das leidige Problem des Gepäcktransports elegant gelöst war. Bevor wir tatsächlich losfahren konnten, mussten allerdings noch ein Vorderrad und die eine oder andere Regenbekleidung nachgeliefert werden. Kleinigkeiten eben. Ohne Rad fährt es sich schließlich nur mäßig gut.

    Erstmals übernahm Dietmar die Führung der Tour. Er hatte sich bestens vorbereitet und meisterte seine neue Aufgabe mit Bravour. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto – noch vollständig, trocken und guter Dinge – führte uns die Strecke zunächst über den Rotzenberg an Siedelsbrunn vorbei. Weiter ging es über den Götzenstein und anschließend über Vöckelsbach und Obermumbach nach Weiher. Von dort lotste Dietmar uns über Zotzenbach weiter nach Rimbach.

    Ab Rimbach sammelten wir die ersten ernst zu nehmenden Höhenmeter in Richtung Juhöhe. Kurz vor der Höhe wechselten wir die Wegmarkierung und gönnten uns anschließend eine ausgesprochen schöne Abfahrt. Die Freude hielt allerdings nur so lange an, bis wir kurz vor Nieder-Liebersbach feststellen mussten, dass wir der Markierung leider in die falsche Richtung gefolgt waren.

    Also wieder hinauf.

    Bei einsetzendem Nieselregen erklommen wir die Juhöhe ein zweites Mal und fuhren zurück bis zur verpassten Abzweigung. Für die Statistik war das natürlich hervorragend. Für die Beine eher weniger.

    Um die Strecke anschließend etwas abzukürzen, nahmen wir die Abfahrt hinunter nach Mitlechtern und folgten von dort der B460 bis Fürth. Danach ging es erneut bergauf, diesmal hinauf zur Tromm.

    Ab dort muss das Hotel wohl bereits zu riechen gewesen sein – oder es machte sich auf eine andere, geheimnisvolle Weise bemerkbar. Jedenfalls wurden noch einmal die letzten Kräfte mobilisiert und das Ziel mit erstaunlich hohem Tempo angesteuert.

    Nach stolzen 58 Kilometern und 1.072 Höhenmetern erreichten schließlich fast alle erschöpft, aber zufrieden die Kreidacher Höhe. Ein Teilnehmer wurde kurz vor dem Ziel noch vom Besenwagen eingesammelt. Auch das gehört zu einer ordentlich organisierten Tour.

    Besonders gut hatten es nun jene beiden Teilnehmer, die ihre Frauen zur persönlichen Betreuung mitgebracht hatten. Schließlich stand noch das gemeinsame Abendessen auf dem Programm. Das schmeckte wie immer vorzüglich und füllte die geleerten Kohlenhydratspeicher zuverlässig wieder auf. Man konnte schließlich nicht den ganzen Tag für die Statistik leiden und dann am Buffet Zurückhaltung üben.
    Leggi altro

  • Regen, rote Laternen und reichlich Höhenmeter

    8 luglio 2000, Germania ⋅ 🌧 9 °C

    Der nächste Morgen begann mit einem guten Frühstück und einem deutlich weniger guten Blick hinaus in den Regen. Die Entscheidung fiel trotzdem schnell: Wir starteten. Komplett in Regenkleidung und mit jener Mischung aus Zuversicht und Verdrängung, die bei solchen Touren offenbar zur Grundausstattung gehört.

    Mit Stefan stieß heute außerdem ein Debütant zu unserer Runde. Gleich zu Beginn rollten wir hinunter nach Wald-Michelbach – was ziemlich zuverlässig darauf schließen ließ, dass die verlorenen Höhenmeter bald wieder eingesammelt werden wollten. Und genauso kam es.

    Der erste Anstieg war wegen des feuchten und rutschigen Bodens zunächst nur schiebend zu bewältigen. Es sollte nicht die einzige Schiebepassage des Tages bleiben, hielt sich aber erfreulicherweise in Grenzen. Weiter ging es an Aschbach und der Zigeunerdelle vorbei über den Taubenberg auf 482 Metern und den Fichtelberg.

    Nachdem wir Raubach und Falkengesäß passiert hatten, steuerten wir unsere erste Rast am Galgen bei Beerfelden an. Der Ort war stimmungsvoll, das Wetter weniger. Wind und Regen luden jedenfalls nicht zu längerem Verweilen ein.

    Also änderten wir kurzerhand die geplante Route und fuhren direkt hinunter zum Marbach-Stausee. Dort sollte sich doch wohl irgendwo ein trockener und warmer Platz finden lassen. Zielstrebig folgten wir am See der Beschilderung zu einem Hotel mit Bar.

    Am Ziel stellte sich allerdings heraus, dass das Etablissement noch geschlossen hatte – und zu späterer Stunde offenbar mit roten Laternen im Fenster arbeitete. Für eine harmlose Radlerpause waren wir also entweder zu früh oder eindeutig im falschen Programm.

    Uns blieb nichts anderes übrig, als weiter bis nach Ebersberg zu fahren. Im dortigen Forsthaus wurden wir dafür umso herzlicher empfangen und mit einer kräftigen Gulaschsuppe versorgt. Auch die Sonne ließ sich inzwischen blicken und trocknete unsere feuchte Kleidung zumindest ansatzweise. Gut gestärkt, leicht getrocknet und ein wenig erholt machten wir uns auf die zweite Tageshälfte Richtung Hotel.

    Wie erwartet führte die Strecke zunächst wieder bergauf – bis auf über 400 Meter – nur um uns anschließend direkt hinunter ins Mossautal zu schicken. Dort angekommen ging es den nächsten Berg hinauf, wieder hinunter, erneut hinauf und natürlich auch wieder hinunter. Der Odenwald zeigte sich landschaftlich abwechslungsreich und bei der Höhenverteilung ausgesprochen konsequent.

    Bis Grasellenbach setzte sich dieses Spiel fort. Von dort führte uns schließlich ein schöner und beinahe flacher Weg über Wahlen und Hartenrod zurück nach Wald-Michelbach. Die Strecke, die wir am Morgen so angenehm hinuntergerollt waren, durften wir zum krönenden Abschluss wieder zur Kreidacher Höhe hinauffahren. Das Hotel wollte schließlich verdient sein.

    Nach 61 Kilometern und 1.383 Höhenmetern erreichten wir das Ziel. Bevor an Erholung zu denken war, verlangten allerdings erst einmal die Fahrräder nach Pflege. Sie hatten schließlich mindestens ebenso gelitten wie wir, konnten sich aber nicht selbst beschweren.

    Danach lockten Schwimmbad, Sauna und Dampfbad zur Regeneration. Frisch aufbereitet erschienen wir schließlich zum gemeinsamen Abendessen.

    Später wurden noch Tourerlebnisse mit Stephan ausgetauscht, der statt an unserer Odenwaldrunde als Betreuer bei der Tour de France unterwegs gewesen war. Zwei Radsportwelten trafen aufeinander: dort das Peloton, hier Gulaschsuppe, Schiebepassagen und ein versehentlicher Abstecher zur roten Laterne.

    Und natürlich erhielt auch diesmal jeder Teilnehmer wieder ein Shirt. Schließlich braucht eine ordentlich bestandene Etappe nicht nur Höhenmeter, sondern auch ein tragbares Beweisstück.
    Leggi altro

  • Ein Candlelight-Dinner mit Ablaufdatum

    8 luglio 2000, Germania ⋅ ☁️ 13 °C

    Die Überraschung des zweiten Abends war wieder einmal rundum gelungen. Stephan hatte diesmal einen Ballonkünstler organisiert, der eigens für uns „stundenlang“ einige Zaubertricks einstudiert hatte und diese nun mit großer Ernsthaftigkeit zum Besten gab.

    Die eigentliche Attraktion waren allerdings die Luftballons.
    Schon das Aufblasen erwies sich zunächst als überraschend anspruchsvolle Disziplin. Während einige noch mit roten Köpfen und leerem Ballon kämpften, hatten die Ersten bald den Bogen raus – beziehungsweise endlich die Luft drin. Demjenigen, der als Erster einen Ballon erfolgreich aufgeblasen hatte, winkte sogar eine Armbanduhr. Damit war die Messlatte für den Abend gesetzt.

    Doch das war nur die erste Herausforderung. Anschließend galt es, aus den Ballons eine Kopfbedeckung zu gestalten. Dabei entdeckte so mancher ungeahnte Fähigkeiten als Hutdesigner. Es entstanden Modelle, die irgendwo zwischen Haute Couture, Karneval und technischem Unfall lagen – und genau deshalb großartig waren. Dem Gewinner winkte ein italienisches Candlelight-Dinner für zwei Personen an einem Ort seiner Wahl. Die Jury, bestehend aus der Hotelbedienung, machte sich die Entscheidung nicht leicht und prüfte die Entwürfe mit der nötigen Ernsthaftigkeit.

    Der stolze Sieger konnte sein Glück kaum fassen, als ihm schließlich der Preis überreicht wurde: eine Packung Nudeln mit Sauce, eine Kerze und ein Piccolo Sekt.

    Zumindest glaubten wir das zunächst. Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass nicht der Sekt, sondern bereits die Nudeln ein bemerkenswert gereiftes Alter erreicht hatten. Der Freude über den Gewinn tat das jedoch keinen Abbruch. Schließlich bekommt man nicht jeden Tag ein Candlelight-Dinner mit eingebautem Mindesthaltbarkeitsabenteuer.
    Leggi altro

  • Korsika, Kreuzeiche und ein platter Schlauch

    9 luglio 2000, Germania ⋅ 🌧 14 °C

    Nach einem wiederum ausgiebigen Frühstück starteten wir mit zwei Teilnehmern weniger zu unserer letzten Etappe. Offenbar hatte das Wochenende bereits erste personelle Spuren hinterlassen.

    Die Route führte uns zunächst an Kuhklingen vorbei, um den Kottenberg herum und weiter am Toten Mann sowie am Viehkopf vorbei hinunter nach Korsika auf 219 Metern. Dort unten war allerdings Schluss mit lustig, denn anschließend warteten rund 200 Höhenmeter bergauf auf uns.

    Danach ging es Richtung Süden bis zum Sportplatz Brombach und von dort wieder hinunter nach Heddesbach. Wer nun glaubte, das Gröbste sei geschafft, hatte den Charakter der Tour noch nicht vollständig verstanden. Von Heddesbach aus quälten wir uns erneut rund 200 Höhenmeter hinauf bis zum Waldparkplatz Kreuzeiche auf 407 Metern. Die ersten 100 Meter wurden dabei teilweise schiebend bewältigt. Auch ein Mountainbike darf schließlich gelegentlich spazieren geführt werden.

    Ab der Kreuzeiche folgten wir einem sehr schönen Weg zurück zum Toten Mann. Bevor es weiter nach Siedelsbrunn gehen konnte, musste der Verfasser allerdings noch einen Schlauch an seinem Bike wechseln. Ein kleiner technischer Schlusspunkt, damit auch die letzte Etappe nicht zu reibungslos endete.

    Von Siedelsbrunn fuhren wir schließlich auf direktem Weg über die Straße zurück zum Hotel. Mit weiteren 33 Kilometern und 914 Höhenmetern für die Statistik erreichten wir das Ziel. Dort versammelten wir uns noch einmal zum gemeinsamen Schlussfoto, bevor Räder und Gepäck verstaut und die Heimreise angetreten wurden.

    Damit ging ein sehr schönes Mountainbike-Wochenende im Odenwald zu Ende.

    Das Wetter hatte sich über alle drei Tage ausgesprochen odenwaldtypisch gezeigt. Es hatte nur dreimal geregnet: am Freitag, am Samstag und am Sonntag. Auch die Tagestemperaturen von teilweise gerade einmal 15 Grad sorgten nicht unbedingt für Hochsommergefühle.

    Schocken konnte uns das allerdings kaum. Wir waren es inzwischen gewohnt. Und so stand am Ende bereits fest: Auch im nächsten Jahr würden wir uns wieder zu einem gemeinsamen Bike-Wochenende treffen.

    Irgendwo. Irgendwann. Hoffentlich mit etwas weniger Regen.
    Leggi altro

    Fine del viaggio
    9 luglio 2000