• Alarm um ein Uhr

    August 18, 2002 in Germany ⋅ ☁️ 19 °C

    Um ein Uhr in der Nacht riss uns der Funkmelder aus dem Schlaf. Dieses schrille, unmissverständliche Geräusch, das keine Diskussion zulässt. Also raus aus den Federn, rein in die Einsatzkleidung und noch einmal ordentlich Abschied nehmen von Frau und Kindern.

    Wir wussten jetzt: Es geht los.

    Was wir nicht wussten: wohin genau, wie lange und wann wir wieder zurück sein würden. Solche Momente haben etwas Eigentümliches. Einerseits läuft alles routiniert ab, jeder Handgriff sitzt. Andererseits steht plötzlich die ganze Ungewissheit mit im Flur und schaut beim Verabschieden zu.

    Im Ortsverband angekommen, verstauten wir unser persönliches Gepäck und beluden zusätzlich einen Anhänger mit allem, was sich möglicherweise als nützlich erweisen könnte. Bei einem Hochwassereinsatz ist „könnte man vielleicht brauchen“ schließlich eine ausgesprochen dehnbare Kategorie. Was Platz hatte und sinnvoll erschien, kam mit.

    Die Kameradinnen und Kameraden, die in Bad Kreuznach zurückblieben und uns von dort den Rücken freihalten würden, verabschiedeten uns. Kein großes Zeremoniell, keine langen Reden. Ein paar ernste Blicke, feste Händedrücke, knappe Worte. Jeder wusste, dass ab jetzt der Einsatz seinen eigenen Rhythmus vorgeben würde.

    Unser Koch hatte unterdessen offenbar beschlossen, dass die größte Gefahr dieser Mission nicht das Hochwasser, sondern ein möglicher Mangel an Verpflegung sei. Entsprechend üppig fiel die Marschverpflegung aus. Selbst bei vollständiger Einschließung durch die Elbe wären wir vermutlich noch mehrere Tage erstaunlich komfortabel über die Runden gekommen.

    So standen wir schließlich da: müde, angespannt, gut ausgerüstet und mit mehr Proviant versorgt als manche kleinere Expedition. Bereit für die Fahrt ins Ungewisse.
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