• Im blauen Verband Richtung Flut

    August 18, 2002 in Germany ⋅ ☀️ 22 °C

    Am Vormittag trafen wir uns an einer Raststätte an der A5 mit weiteren Kameraden aus den Ortsverbänden Bingen, Mainz und Simmern. Aus einzelnen Fahrzeugen wurde ein blauer Verband, aus mehreren Ortsverbänden eine gemeinsame Einheit. Mit Blaulicht und klarer Marschordnung setzten wir uns in Richtung Halle in Bewegung.

    Als Verbandsführer lag es zunächst an mir, Mensch und Material sicher ans Ziel zu bringen. Das klingt nüchtern und beinahe technisch, war aber weit mehr als nur Navigation und Funkverkehr. Gleich zu Beginn musste der Auftrag für alle klar sein: Was wissen wir? Was wissen wir noch nicht? Was wird von jedem erwartet? Welche Regeln gelten im Verband? Und wie sorgen wir dafür, dass aus vielen einzelnen Helfern eine Mannschaft wird, die auch unter Druck funktioniert?

    Manche brauchten klare Ansagen, andere ein persönliches Gespräch. Wieder andere ließen sich schon mit einem Schokoriegel zuverlässig für die nächsten hundert Kilometer motivieren. Führung kann erstaunlich komplex sein – und manchmal erstaunlich kalorienhaltig.

    Noch weit entfernt vom eigentlichen Einsatzgebiet bekamen wir einen ersten Eindruck davon, wie sehr die Bevölkerung mit den Helfern mitfieberte. Dem Fahrzeugverband wurde bereitwillig Platz gemacht, Autofahrer grüßten, winkten oder suchten bei Rast- und Tankstopps spontan das Gespräch. Immer wieder kamen dieselben Fragen: Wo geht es hin? Wie schlimm ist es? Wie lange bleibt ihr?

    Während einer Rast überraschte uns schließlich ein Mitbürger mit 100 Euro für Getränke. Einfach so. Kein großes Aufheben, keine lange Ansprache. Nur eine Geste, die mehr sagte als viele Worte.

    Noch hatten wir die Wassermassen nicht gesehen. Doch schon auf der Anfahrt wurde deutlich: Dieser Einsatz bewegte nicht nur die Menschen an Elbe und Mulde. Das ganze Land war mit unterwegs.
    Read more