Kein Bett frei – aber ein Ballsaal
August 18, 2002 in Germany ⋅ ☁️ 25 °C
Gegen 19:30 Uhr erreichten wir schließlich Halle. Nach vielen Stunden auf der Straße gab es zunächst etwas zu essen und eine erfrischende Dusche – zwei Dinge, die in diesem Moment bereits beinahe nach Wellness klangen.
Nur mit dem Schlafplatz sah es deutlich weniger komfortabel aus. Der Bereitstellungsraum war inzwischen zur provisorischen THW-Herberge geworden, allerdings offenbar zu einer mit sehr begrenzter Bettenzahl. Für uns war schlicht kein Platz mehr vorhanden.
Ein wenig fühlten wir uns wie in der Weihnachtsgeschichte: viele Menschen, viel Improvisation, aber keine Herberge weit und breit.
Zahlreiche Telefonate später war klar, dass uns auch auf offiziellem Wege niemand ein Dach über dem Kopf zaubern konnte. So ist das bei einem Großeinsatz, der schneller wächst als seine eigene Organisation. Nicht alles läuft reibungslos, nicht jedes Bett steht schon bereit und selbst der beste Einsatzplan enthält selten ein Kapitel mit der Überschrift „Pauschalreise mit garantierter Unterkunft“.
Also waren wir auf uns selbst gestellt.
Mit einer kleinen Gruppe von Führungskräften machten wir uns auf den Weg zum größten Hotel in der Nähe. Dort betraten wir die Lobby mit jener Mischung aus Höflichkeit, Entschlossenheit und einer Portion selbst verliehener Einsatzautorität, die offenbar notwendig ist, wenn man für knapp 50 müde THW-Helfer einchecken möchte.
Die Rezeption war entsprechend überrascht.
Wir erklärten unsere Lage, fragten freundlich, aber bestimmt nach einer Übernachtungsmöglichkeit für eine Nacht – und rechneten ehrlich gesagt mit allem, nur nicht mit dem, was dann geschah.
Das Hotel stellte uns seinen Ballsaal großzügig und kostenlos zur Verfügung.
Wo sonst vermutlich getanzt, gefeiert und bei Hochzeiten Champagner getrunken wurde, bauten wir nun unsere Feldbetten auf. Der Ballsaal verwandelte sich innerhalb kürzester Zeit in eine sehr exklusive Gemeinschaftsunterkunft mit Blaulichtadel und Schlafsackpflicht.
Sogar Duschen durften wir nutzen. Für den nächsten Morgen wurden uns Kaffee und ein kleines Frühstück in Aussicht gestellt.
So lagen wir schließlich im Ballsaal eines großen Hotels, erschöpft, dankbar und ein wenig amüsiert über die Wendungen dieses Tages.
Luxusreisen eben. Nur ohne Reiseleitung, Zimmerservice und Rückfluggarantie.Read more

