• Wo Straßen zu Flüssen wurden

    August 19, 2002 in Germany ⋅ ☁️ 27 °C

    Trotz aller Anstrengungen ließ sich das Wasser nicht überall aufhalten. Es drückte weiter vor, suchte sich seine Wege und machte deutlich, wer in diesen Stunden das Tempo bestimmte. Eine Einsatzstelle musste schließlich aufgegeben werden. Kein schöner Entschluss, aber ein notwendiger. Heldentum besteht manchmal eben nicht darin, um jeden Preis stehenzubleiben, sondern rechtzeitig zu erkennen, wann Rückzug die vernünftigere Form von Verantwortung ist.

    Zum Glück verfügten wir über einen geländegängigen Lastwagen aus ehemaligen Bundeswehrbeständen. Einst olivgrün, inzwischen in würdigem THW-Blau lackiert, zeigte das alte Schlachtross, dass Herkunft verpflichtet. Kniehohes Wasser beeindruckte ihn ungefähr so sehr wie einen Elefanten eine Pfütze. Wo andere Fahrzeuge längst kapituliert hätten, arbeitete er sich stoisch weiter vor.

    Auch unser mitgebrachtes Aluminiumboot kam nun zum Einsatz. Damit erreichten wir einen landwirtschaftlichen Betrieb, dessen Notstromversorgung ausgefallen war. Für einen Hof inmitten des Wassers ist das keine technische Nebensächlichkeit, sondern sehr schnell eine existenzielle Bedrohung. Die Anlage wurde wieder instand gesetzt, der Betrieb bekam seinen Strom zurück und damit ein kleines Stück Normalität in einer Lage, die davon nicht mehr viel übriggelassen hatte.

    Und weil selbst große Einsätze ihre ganz eigenen Nebenaufträge bereithalten, retteten wir bei dieser Gelegenheit noch eine Katze aus dem Wasser.

    So nahm dieser Einsatzabschnitt ein beinahe klassisches Ende: ein Hof wieder unter Strom, ein alter Bundeswehr-Lkw in seinem Element, ein Aluminiumboot auf großer Fahrt – und eine Katze, die vermutlich bis heute fest davon überzeugt ist, das Technische Hilfswerk sei eigens ihretwegen ausgerückt.
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