• Ein Bollwerk aus Sandsäcken

    August 19, 2002 in Germany ⋅ ☁️ 29 °C

    Der Sandsackbau kam zunächst nur mühsam in Gang. Nicht etwa, weil es an Helfern oder Entschlossenheit mangelte, sondern weil selbst die beste Einsatzbereitschaft wenig ausrichtet, wenn das Material auf gesperrten Straßen irgendwo im Kreis fährt. Die Lastwagen mussten große Umwege nehmen, und anfangs standen schlicht nicht genügend Transportkapazitäten zur Verfügung.

    So entstand jene besondere Mischung aus Hektik und Warten, die Großeinsätze gelegentlich hervorbringen: überall Bewegung, überall Anspannung – und trotzdem fehlt ausgerechnet das, was man gerade dringend braucht.

    Zwischenzeitlich nahm die Logistik fast monumentale Züge an. Riesige, bereits gefüllte Sandsäcke wurden per Hubschrauber eingeflogen und aus der Luft angeliefert. Was sonst mühsam Sack für Sack aufgeschichtet wurde, schwebte nun am Haken durch den Himmel. Für einen Moment wirkte der Sportplatz weniger wie eine Einsatzstelle und mehr wie die Kulisse eines Katastrophenfilms mit erstaunlich guter Ausstattung.

    Doch am Ende des Tages stand er: ein solider Sandsackdeich, breit, schwer und entschlossen genug, sich der herandrückenden Flut entgegenzustellen. Zusätzlich legten wir an verschiedenen Stellen kleinere Depots an, damit im Ernstfall schnell nachgebessert werden konnte.

    Aus Umwegen, Warten, Rotorenlärm und vielen Händen war schließlich eine Schutzlinie geworden. Kein Denkmal für die Ewigkeit – aber für diese Nacht genau das Bollwerk, das Annaburg brauchte.
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