• Schlamm, Stolz und eine Atempause

    August 19, 2002 in Germany ⋅ 🌙 24 °C

    Mit Stolz über unseren ersten erfolgreich bewältigten Einsatz, Schlamm an der Einsatzkleidung und einem gewaltigen Paket Dankbarkeit im Gepäck verließen wir Annaburg. Hinter uns lag ein Ort, der nicht evakuiert werden musste. Vor uns lag Wittenberg – und zum ersten Mal seit vielen Stunden so etwas wie eine Atempause.

    Dort angekommen, bekamen wir etwas Ruhe. Eine jener seltenen Einsatzpausen, in denen man erst merkt, wie müde man tatsächlich ist. Die Fahrzeuge standen, die Aggregate schwiegen für einen Moment, und wir machten uns daran, unsere Ausrüstung zu reinigen. Schlamm wurde abgewaschen, Material geprüft, Kleidung notdürftig wieder in einen Zustand versetzt, der zumindest entfernt an Einsatzbereitschaft erinnerte.

    Die große Hochwasserwelle war im Raum Wittenberg inzwischen durchgezogen. Der dramatische Anstieg lag hinter den Menschen. Nun blieb nur noch die Hoffnung, dass die Pegel endlich sinken würden.

    „Nur noch“ ist in solchen Lagen allerdings ein bemerkenswert optimistisches Wort. Denn Wasser, das gekommen ist, verschwindet nicht einfach höflich wieder. Es bleibt in Kellern, auf Feldern, in Straßen, hinter Deichen und in den Köpfen der Menschen.

    Doch für diesen Moment durften wir uns erlauben, kurz durchzuatmen. Der erste Auftrag war erfüllt. Wir hatten funktioniert, improvisiert, geführt, geschleppt, gerettet und geholfen.

    Und irgendwo unter Schlamm, Müdigkeit und dem Geruch nasser Einsatzkleidung saß dieses stille, gute Gefühl: Wir hatten etwas bewirkt.
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