• Cabrera – Naturparadies mit dunkler Vergangenheit

    August 8 in Spain ⋅ 🌙 30 °C

    Heute wirkt Cabrera wie ein kleines Stück Mittelmeer, das jemand unter eine Glasglocke gestellt hat: kaum Bebauung, geschützte Natur, kristallklares Wasser – und über der Bucht thront die alte Festung, als wolle sie kontrollieren, ob auch wirklich jeder seine Boje ordentlich festmacht.

    Das Castell de Cabrera stammt ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert. Es wurde gebaut, um die Insel und damit auch die südliche Zufahrt nach Mallorca gegen Piratenangriffe zu sichern. Wenn die Wächter verdächtige Schiffe entdeckten, warnten sie Mallorca mit Feuersignalen. Der Dienst hier oben galt offenbar als so wenig begehrt, dass er zeitweise als besonders harte Strafe angesehen wurde. Bei dieser Aussicht hätte ich persönlich allerdings schon unangenehmere Dienstorte gesehen.

    Wirklich düster wurde Cabreras Geschichte Anfang des 19. Jahrhunderts. Nach der Niederlage napoleonischer Truppen bei Bailén wurden ab 1809 Tausende französische und mit Frankreich verbündete Soldaten auf die nahezu unbewohnte Insel gebracht. Cabrera wurde damit zu einer Art natürlichem Gefangenenlager – ohne Mauern, denn das Meer übernahm diesen Job ausgesprochen zuverlässig.
    Die Bedingungen waren katastrophal. Nahrung und Versorgung waren knapp, Krankheiten und Hunger gehörten zum Alltag. Rund fünf Jahre dauerte diese Episode; nur etwa 3.600 Gefangene kehrten schließlich nach Hause zurück. Ein Denkmal auf der Insel erinnert heute an sie.

    Später wurde Cabrera militärisch genutzt, bevor das Archipel 1991 zum Maritim-Terrestrischen Nationalpark erklärt wurde. Heute steht nicht mehr die Verteidigung gegen Piraten oder Napoleon im Mittelpunkt, sondern der Schutz einer außergewöhnlich gut erhaltenen mediterranen Landschaft über und unter Wasser.

    Und so sitzen wir nun mit der Fopadech friedlich an unserer Boje, springen ins 29 Grad warme Meer und schauen auf eine Insel, die über Jahrhunderte Wachposten, Piraten, Soldaten und Gefangene erlebt hat.
    Geschichte kann manchmal erstaunlich still aussehen.
    Vor allem bei Sonnenuntergang.
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