• Meuterei knapp verhindert

    August 8 in Spain ⋅ 🌙 29 °C

    Nach dem ausgiebigen Badespaß übernahm ein Crewmitglied die Kombüse und begann mit den Vorbereitungen fürs Abendessen.

    Der Wanderwolf wiederum hatte zu Beginn der Reise den Auftrag bekommen, das Entertainment-System der Fopadech einzurichten. Ein folgenschwerer Fehler der Crew, denn wer einmal die Verbindung zum Soundsystem hergestellt hat, besitzt bekanntlich automatisch die Herrschaft über die Playlist.

    Mein erster Versuch, mit alten Seemannsliedern von Freddy Quinn und Hans Albers standesgemäße Stimmung an Bord zu erzeugen, stieß allerdings nur auf verhaltene Begeisterung. Offenbar war die Mannschaft musikalisch noch nicht bereit für große Hafenromantik und salzige Männerstimmen.

    Mehrere Versuche anderer Crewmitglieder, das Soundsystem zu kapern, konnte ich zwar erfolgreich abwehren. Aber selbst der größte Playlist-Diktator sollte wissen, wann es Zeit ist, einen taktischen Rückzug anzutreten.

    Eine Meuterei gleich am ersten Abend wäre schließlich unschön gewesen.
    Vor allem, wenn man selbst als Erster über die Reling gehen soll.
    Also wechselte ich auf deutsche Balladen. Die Zustimmung an Bord stieg schlagartig, die Lage entspannte sich, und das Abendessen konnte ohne weitere revolutionäre Umtriebe stattfinden.

    Auf den Tisch kamen Datteln im Speckmantel und Spaghetti aglio e olio. Reichlich davon. Schließlich mussten hungrige Seebären, Seehunde und auch die beiden Seewölfe versorgt werden.
    Danach ließen wir den Abend gemeinsam ausklingen. Mit gutem Wein, guten Geschichten und diesem besonderen Gefühl, das entsteht, wenn sechs Menschen auf engem Raum zusammenkommen und der Tag langsam leiser wird.

    Es war bereits nach Mitternacht, als jeder seinen Schlafplatz suchte und schließlich auch fand.
    Die Hälfte der Crew zog sich in die Kabinen zurück. Die andere Hälfte entschied sich fürs Deck. Dazu gehörten die Nachtwölfin und auch ich.
    Ich richtete mir meinen Schlafplatz unter freiem Himmel ein, legte mich zurück und sah nach oben.
    Über uns spannte sich ein Sternenhimmel, wie man ihn nur dort wirklich sieht, wo die Dunkelheit noch dunkel sein darf. Fernab vom Licht der Städte funkelte der Himmel über Cabrera mit einer Klarheit, die fast unwirklich wirkte.

    Irgendwann wurden die Gespräche leiser.
    Dann verstummten sie ganz.
    Und während die Fopadech sanft an ihrer Boje schaukelte, schlief ich unter den Sternen ein.
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