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  • Day25

    Auf zu neuen Ufern

    May 1, 2019 in Spain ⋅ ☀️ 19 °C

    Wir haben den 1.Mai. Den internationalen Tag der Arbeiterklasse. Auch hier auf Teneriffa war er zu spüren. Nach dem Frühstück ging es erst einmal zum Supermarkt gegenüber von unserem "Hotel Rural Vilaflor". Dort kauften wir Wasser und Kekse als Proviant für unterwegs. Eigentlich wollten wir noch zwei Äpfel kaufen, aber die Spanier reden gerne und so stand Olaf zunächst geduldig wartend in der Schlange, dann verließen wir den Supermarkt ohne die Äpfel.

    Etwas durch den Ort, vorbei an der Gofio-Mühle, dem Kirchplatz und dem etwas oberhalb liegendem Mirador. Zunächst ging es in der Tat etwas bergauf. Das wussten wir aber schon und auch, dass es nach 20 Minuten vorbei sein wird.

    Und so war es dann auch. Was sich uns eröffnete, war ein herrliches Bergpanorama oberhalb der Wolken. Der Weg war teilweise rostrot und die kleinen Kiefern mit ihrem zarten grün gaben der Landschaft einen perfekten Anstrich. Immer wieder blieben wir stehen, um den Ausblick zu genießen oder die Luft einzuatmen. Denn diese roch wieder herrlich nach Kiefernnadeln.

    Zwischendurch glaubte ich mehrfach, dass wir unsere Fähre heute Abend um 20:15 Uhr von "Los Christanos" wegen dem vielen fotografieren und stehenbleiben und genießen nicht erreichen werden.

    Als wir gerade wieder die Blumen und die Ausblicke genossen, polterte es plötzlich hinter uns. Zuerst dachte ich an einen Steinschlag, aber dieser entpuppte sich als 5 Cross-Biker, die die steilen Wege entlang sausten. Weiter bergab, kamen wir an einer Wasserverteilungs-Anlage vorbei und wiederum später, gingen wir über eine alte Steinbrücke in einem Barranco. Dann wieder etwas bergauf und wir erreichten nach weiteren bergab-Etappen den super kleinen Ort "Ifonche". Dort wollten wir in eine Bar etwas kühles trinken, aber leider war diese geschlossen. So begnügten wir uns an dem neu gebauten Spielplatz mit unserem Wasser und den heute morgen gekauften Anis-Plätzchen. Nach dieser Stärkung setzten wir unseren Weg fort.

    Ich hatte den ganzen Tag so ein flaues Gefühl im Bauch, dass es noch einen steilen Abstieg geben wird. Und so war es auch. Es war immerhin noch der GR131 und so hatte ich vertrauen, dass es sich um einen gut begehbaren weg handeln wird. Leider konnte ich wegen meiner Höhenangst nicht die Aussicht genießen, denn ich war voll auf den Pfad an der Felswand entlang konzentriert. Teilweise vergaß ich sogar das Atmen, was sich mit einem plötzlichen einatmen bemerkbar machte. Immer wieder kamen einem andere Wanderer entgegen, welche ich innerlich deshalb verfluchte. Bei jeder Biegung hoffte ich, dass es die letzte sein wird. Irgendwann war es das auch und ich ging zur Normalatmung über. Natürlich verbunden mit einer Entschuldigung bei Olaf. Denn ich war ziemlich harsch in manchen Situationen.

    Wir erreichten den Ort "Arona" und hier endet irgendwie der Weg GR131. Aber zuerst gingen wir durch eine Schlucht und dann über Felsen über eine Höhle. Danacht trennten wir uns von dem GR131 nach "Arona" und folgten der Navigation in unserer App.

    Erneut gingen wir zunächst durch eine Schlucht und auf der anderen Seite wieder nach oben. Die zunehmende Erschöpfung forderte ihren Tribut und wir machten im Schatten einer Ruine eine Pause. Dann ging es weiter auf einem Pfad, der als solches eigentlich nicht erkennbar war. Mal schien es dort einen Pfad zu geben, dann war er wieder weg. Dann tauchten igrendwo kleine Steinpyramiden auf und sogleich war keine mehr zu sehen. Es war sehr verwirrend an diesem Berghang zwischen Kakteen und anderen Gehölzen zu gehen. Zumindest könnten wir die Richtung durch die App feststellen und kamen dann nach 45 Minuten auch auf einen größeren Weg. Den folgten wir vorbei an einer Wasseraufbereitungsanlage, was man schon von weitem roch. Aber das hinderte uns nicht in dem nach Klärwerk duftenden Wind unsere Pause zu machen. Wir waren ziemlich erschöpft und tranken auch unser letztes Wasser aus. Dann setzen wir den Weg mit Hoffnung, weil wir schon "Los Christanos" sahen, etwas beherzter fort.

    Tatsächlich erreichten wir bald diese Touristen-Hochburg und es ist immer ein "Kulturschock", wenn man von Stille und Einsamkeit in diesen Trubel kommt. Zunächst gingen wir zum Hafen um unsere Tickets nach "El Hierro" zu kaufen. Fast fassungslos stellten wir fest, dass der Schalter noch geschlossen war. Jetzt noch mehr erschöpft suchten wir unser zuvor herausgesuchtes veganes Restaurant auf - auch das war wegen dem Feiertag heute geschlossen. Dann gingen wir in eine Pizzeria in Hafennähe und tranken zuerst Bier. Danach gab es Bruschetta und Salat bzw. jeder eine "Pizza Vegetaria". Gesättigt und erfrischt, gingen wir dann zum Hafen und kauften die Tickets. Dabei lernten wir nette Leute aus Stuttgart kennen, die nach "La Gomera" wollten.

    Wir warteten bis 19:55 Uhr. Da kam unsere Fähre an - eine recht kleine Fähre der Linie Armas. Wir suchten uns gleich einen Platz am Fenster, stellten die Rucksäcke ab und gingen auf die Aussenterrasse. Eigentlich war die nur für Raucher gedacht. Aber zum Abschied nehmen von Teneriffa reichte das. Teneriffa selbst werden wir in drei Tagen wieder sehen, allerdings nur den Hafen zum Umsteigen auf die Fähre nach "La Gomera".

    Die Überfahrt nach "El Hierro" verlief soweit ganz gut. Zwar schaukelte die kleine Fähre auch, aber längst nicht so stark wie bei der Überfahrt von "Gran Canaria" nach "Teneriffa". Es waren auch nicht viele Menschen an Bord. Nach knapp 2,5 Stunden kamen wir im Hafen "Puerto de la Estaca" auf "El Hierro" an. Zwei Tage zuvor haben wir bei dem Hotel "Boomerang", wo wir nächtigen werden, ein Taxi bestellt. Denn es gab nur den Hafen und sonst nichts. Die nächste Stadt ist knapp 9km entfernt - "Valverde". Mit dem Taxi ginge es im Dunkeln die Bergstraße hoch und die Ankunft im Hotel war schnell erledigt. Man gab uns die Schlüssel vom Zimmer. Keiner wollte unsere Ausweise sehen, was bisher immer notwendig war, und bezahlen brauchten wir erst morgen. Also ab ins Zimmer und geduscht. Alles schien neu zu sein.

    Wir sind gespannt, wie wir den morgigen Tag angehen werden. Heute waren wir ziemlich geschafft und die morgige Etappe könnte Recht lang und speziell für mich mit therapeutischen Ziel - Kampf der Höhenangst - sein. Wir werden morgen entscheiden.
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