Al fin del mundo - Am Ende der Welt
September 9 in Spain ⋅ 🌧 19 °C
Ein stiller Tag am Ende der Welt
Heute gab es keine Etappe, kein frühes Aufbrechen und kein Ziel, das wir noch erreichen mussten. Wir waren einfach in Fisterra und ließen den Tag so kommen, wie er kommen wollte: ruhig, entspannt und ohne festen Zeitplan. Nach all den zurückgelegten Kilometern fühlte sich genau das ausgesprochen gut an.
Wir hatten erstaunlich gut geschlafen – sogar Claudi, was durchaus erwähnenswert ist. In Fisterra waren in den vergangenen vier Tagen noch die Feierlichkeiten der Fiesta zu spüren gewesen, doch gestern war der letzte Tag. Offenbar hatten sich am Abend nicht mehr genügend Besucherinnen und Besucher eingefunden, sodass die Veranstaltung früher beendet worden war. Für unsere Nachtruhe war das vermutlich kein Nachteil.
Am Morgen ließen wir uns bewusst Zeit. Der Supermarkt öffnete ohnehin erst um neun Uhr, und da wir gestern wegen der Fiesta nicht mehr einkaufen konnten, musste das Frühstück noch ein wenig warten. Claudi übernahm in dieser Situation eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe: Sie brachte uns Kaffee ans Bett. Eine ausgesprochen fürsorgliche Geste – und selbstverständlich erwarten wir diesen Service nun auch nach unserer Rückkehr täglich in Berlin. Claudi weiß also bereits, was zukünftig morgens im Glockenturm von ihr verlangt wird 😂
Nach dem Aufstehen gingen wir zunächst einkaufen. Unser Weg führte am Hafen von Fisterra entlang, wo die Fischerboote im Wasser lagen und sich das alltägliche Leben des Ortes zeigte. Anschließend kehrten wir mit unseren Einkäufen zurück und frühstückten ganz in Ruhe. Kein hastiges Packen der Rucksäcke, kein prüfender Blick auf die noch vor uns liegenden Kilometer. Heute gehörte die Zeit allein uns.
Danach begann unsere kleine Wanderung über die Halbinsel. Von unserer Unterkunft aus gingen wir zunächst wieder in Richtung Kap und Leuchtturm. Der Name Fisterra leitet sich vom lateinischen Finis Terrae ab – dem „Ende der Erde“. Für die Menschen der Antike schien hier die bekannte Welt zu enden, dort, wo die Sonne im unüberschaubaren Atlantik verschwand.
Am Leuchtturm erreichten wir den Kilometerstein mit der Aufschrift 0,000. Für Claudi war dieser Moment besonders bewegend. Gestern waren wir bereits in Fisterra angekommen, doch nun hier am Nullstein zu stehen, fühlte sich noch einmal anders an – endgültiger. Als hätte der Weg erst an diesem Punkt wirklich sein letztes Wort gesprochen. Der Leuchtturm, der seit 1853 den Schiffen vor dieser oft gefährlichen Küste Orientierung gibt, stand dabei wie ein stiller Wächter über dem Kap.
Wir sahen uns die zerklüfteten Klippen, die mächtigen Felsen und die Menschen an, die gerade ebenfalls hier ankamen. Manche wirkten erschöpft, andere ausgelassen, wieder andere standen einfach nur schweigend vor dem Meer. Vermutlich brachte jeder seine ganz eigene Geschichte und seinen eigenen Weg mit an diesen Ort.
Anstatt direkt zurückzugehen, machten wir uns auf den Weg quer über die Halbinsel. Der Pfad führte uns hinauf in Richtung Monte do Facho, von wo aus man beide Seiten der schmalen Landzunge sehen konnte: auf der einen Seite die geschütztere Bucht und auf der anderen den offenen, unruhigen Atlantik. Rund um den 242 Meter hohen Berg liegen die sagenumwobenen Pedras Santas, die „heiligen Steine“, sowie die etwas eigenwillig benannte Felsformation Pedra Cagona.
Nicht weit entfernt befinden sich auch die Ruinen der Ermida de San Guillerme. Der Ort war bereits im Mittelalter Ziel von Pilgerinnen und Pilgern und ist zugleich mit älteren Legenden über Sonnenkulte und Fruchtbarkeitsrituale verbunden. Wo die historische Wahrheit endet und die galicische Mythologie beginnt, lässt sich heute kaum noch eindeutig trennen. Dieses Mal ließen wir die Ruine jedoch aus, da Claudi und Olaf am Nachmittag noch kurz baden gehen wollten.
Von der Höhe führte unser Weg anschließend hinunter zur Praia do Mar de Fóra. Der Strand liegt auf der dem offenen Atlantik zugewandten Seite der Halbinsel und ist wunderschön: heller Sand, kräftige Wellen und eine weitgehend unberührte Küstenlandschaft. Doch so einladend das Wasser auch wirkt, zum Baden ist dieser Strand wegen seiner starken Strömungen und der hohen Wellen ausdrücklich nicht geeignet.
Wir blieben deshalb an Land, betrachteten den Strand und genossen die wilde Schönheit dieses Ortes. Schon von den Felsen oberhalb hatten wir gesehen, wie schmal die Halbinsel eigentlich ist und wie nah sich die beiden Küstenseiten hier kommen. Der Blick reichte von einem Meer zum anderen – oder zumindest fühlte es sich so an.
Danach gingen wir zurück in den Ort. Eigentlich wollten wir noch etwas einkaufen, doch der erste Laden hatte bereits geschlossen. Also blieb uns nichts anderes übrig, als noch einmal zum Family-Markt zu gehen und dort alles für das Abendessen zu besorgen.
Zurück in der Unterkunft beschlossen Claudi und Olaf, noch baden zu gehen. Während Claudi und Olaf sich am Strand vergnügten und einen schönen Nachmittag verbrachten, blieb ich ganz allein und schwer arbeitend in der Wohnung zurück. Ich musste kochen, das Essen vorbereiten und mich zwischendurch notgedrungen ein wenig entspannen. Eine harte Aufgabe, aber irgendjemand musste sie schließlich übernehmen. Natürlich war das Jammern nur scherzhaft gemeint. In Wahrheit war es angenehm, für eine Weile allein zu sein, zur Ruhe zu kommen und den Tag ohne Eile weiterlaufen zu lassen.
Als Claudi und Olaf zurückkehrten, aßen wir gemeinsam zu Abend. Danach brachen wir noch einmal zum Leuchtturm auf. Den Sonnenuntergang am Kap wollten wir uns an unserem letzten Abend in Fisterra auf keinen Fall entgehen lassen.
Die Sonne verbarg sich zeitweise hinter einigen Wolken, doch gerade dadurch entstand eine ganz besondere Stimmung. Das Licht wechselte ständig, schimmerte zwischen den Wolken hindurch und legte sich über den Atlantik. Am „Ende der Welt“ zu stehen und zuzusehen, wie der Tag langsam im Meer verschwand, war ein stiller und wunderschöner Abschluss.
Im Dunkeln gingen wir anschließend an der Straße entlang zurück nach Fisterra. Nun sitzen wir auf unserer Terrasse, trinken ein Glas Rotwein und lassen den Abend ausklingen. Vielleicht auch ein wenig die gesamte Reise.
Es war kein Tag voller großer Ereignisse. Und gerade deshalb war er so schön. Wir mussten heute nichts beweisen, nichts erreichen und nirgendwo ankommen. Wir durften einfach nur da sein, miteinander lachen, über die Halbinsel wandern, das Meer betrachten und die Ruhe genießen.
Morgen fahren wir mit dem Bus weiter nach Muxía. Doch heute gehörte noch einmal ganz Fisterra uns – ruhig, gelassen und genauso, wie dieser Tag sein sollte.
Nachtrag Claudia:
Heute gab es wieder viele kleine besondere Momente, über die ich mich richtig freuen konnte.
Angefangen damit, dass wir im Laufe des Tages immer wieder bekannte Gesichter gesehen haben und ein paar Worte austauschen konnten. Auch wenn wir die meisten nur vom Sehen her kennen, irgendwie sind sie mir ans Herz gewachsen.
Das unsichtbare Band der Gemeinsamkeit und Gemeinschaft.
Ganz besonders war natürlich der Nullpunkt. In diesem Augenblick war die Reise nun endgültig abgeschlossen, auch wenn glücklicherweise noch ein paar schöne Tage vor uns liegen. Aber an dem Ort zu sein, wo für alle Pilgernde seit Jahrhunderten der Weg endet, hat etwas faszinierendes und magisches. Es lag überwiegend eine fröhliche Stimmung in der Luft, jeder freute sich auf seine Weise, den Weg geschafft zu haben.
Das absolute Highlight war aber der Sonnenuntergang, den wir gemütlich, auf einem großen Felsen sitzend, genossen hatten. So ganz in Ruhe, ohne große Ablenkung. Das war wirklich soooo schön 🥰.Read more














































TravelerGuten Morgen meine Lieben 🫶 das war wirklich ein schöner Bericht🤗 Die Bilder sind wirklich sehr schön ,das Meer der Sonnenuntergang einfach toll. Dieser Tag hört sich wirklich wie Urlaub an. Es muss wirklich ein tolles Gefühl sein am Nullstein zu stehen. Genießt die letzten Tage. Ich denke an Euch Kussi 💋