• Fisterra über Santiago de Compostela nach Porto

    September 12 in Portugal ⋅ ☀️ 28 °C

    Vom Ende der Welt zurück ins Leuchten von Porto

    Unser letzter Morgen in Fisterra begann noch einmal mit den vertrauten Geräuschen des Hafens. Möwen riefen vor dem Fenster, Wasser plätscherte gegen die Boote, und für einen kurzen Moment fühlte sich alles genauso ruhig und selbstverständlich an wie in den vergangenen Tagen. Wir frühstückten in der Wohnung und versuchten dabei, unsere letzten Vorräte aufzubrauchen. Das gelang erstaunlich gut – lediglich zwei kleine Kirschtomaten blieben übrig, für die sich nun wirklich niemand mehr begeistern konnte.

    Dann hieß es Abschied nehmen. Wir machten uns fertig, schlossen ein letztes Mal die Tür unserer Wohnung und bedankten uns per WhatsApp bei unserem Vermieter. Er würde uns gerne wieder als Gäste begrüßen – ein schöner Gedanke, denn auch wir verließen Fisterra zufrieden, aber mit etwas Wehmut. Die Tage am Ende der Welt waren ruhig, besonders und genau der richtige Abschluss unserer Pilgerreise gewesen.

    Zu Fuß gingen wir zum Busbahnhof, stellten uns in die bereits wartende Reihe und verstauten unsere Rucksäcke. Der Bus kam etwas früher, vermutlich damit genügend Zeit zum Einladen des Gepäcks blieb, fuhr dann aber pünktlich los. Da er unterwegs nicht durch sämtliche kleinen Dörfer fuhr, erreichten wir Santiago de Compostela deutlich schneller als erwartet.

    Plötzlich lagen fast sieben Stunden vor uns – viel Zeit für einen eigentlich einfachen Umstieg. Also machten wir uns noch einmal auf den Weg durch die Stadt, klapperten Souvenirläden ab und jagten den letzten Erinnerungsstücken hinterher: T-Shirts, kleine Ketten, Kühlschrankmagnete und sogar eine Jacke fanden noch ihren Platz in unserem Gepäck.

    Natürlich zog es uns auch wieder zur Kathedrale. Noch einmal standen wir auf dem Platz, nahmen die besondere Atmosphäre wahr und beobachteten die Pilgerinnen und Pilger, die gerade ihr Ziel erreichten. Manche wirkten erschöpft, andere erleichtert oder überwältigt. Wir kannten dieses Gefühl nun selbst sehr gut. Für uns war Santiago an diesem Tag allerdings nicht mehr das Ziel, sondern eine vertraute Zwischenstation auf dem Rückweg.

    Zwischendurch setzten wir uns in ein kleines Straßenlokal und tranken ein Bier. Später kehrten wir auch noch einmal in unsere inzwischen liebevoll so bezeichnete „Tapas-Bar“ Burger King ein. Ein wenig Vertrautes zwischen all den Abschieden musste schließlich sein.

    Besonders schön war unser Besuch im Parque da Alameda. Von seinem erhöht gelegenen Aussichtspunkt bietet sich einer der eindrucksvollsten Blicke auf die Altstadt und die Türme der Kathedrale. Wir saßen dort etwa eine halbe Stunde, schauten über die Dächer von Santiago und ließen die vergangenen Wochen noch einmal nachwirken. Vor uns erhob sich die Kathedrale, hinter uns lag der Weg bis nach Fisterra – und irgendwo dazwischen all die Begegnungen, Landschaften, Anstrengungen und glücklichen Momente unserer Reise.

    Schließlich gingen wir zurück zum Busbahnhof und stiegen in den Flixbus nach Porto. Wir hatten Plätze ganz vorne und konnten die Landschaft durch die große Frontscheibe beobachten. Zumindest theoretisch, denn das gleichmäßige Schaukeln des Busses wirkte so beruhigend, dass wir schon bald einschliefen.

    Rechtzeitig vor der Grenze wurden wir wieder wach. Wir wollten schließlich bewusst miterleben, wie aus Spanien wieder Portugal wurde. Die Uhren mussten um eine Stunde zurückgestellt werden – selbst nach mehreren Grenzübertritten fühlt sich dieser kleine Zeitsprung immer noch etwas merkwürdig an. Der Bus fuhr nicht über Vigo, sondern hielt erst wieder in Braga. Ansonsten blieb die Fahrt ruhig.

    In Porto angekommen, erwartete uns zunächst eine ganz andere Herausforderung: Wir fanden den Ausgang aus dem Busbahnhof nicht. Gänge, Rolltreppen und Hinweisschilder führten uns gefühlt überallhin – nur nicht nach draußen. Irgendwann hatten wir es schließlich geschafft und beschlossen, zu Fuß zum Hotel Peninsular zu gehen. Claudi und Olaf hätten vermutlich lieber die öffentlichen Verkehrsmittel genommen, aber am Ende liefen wir gemeinsam los. Statt der angekündigten 40 Minuten brauchten wir ungefähr 33 und waren damit schneller am Ziel als gedacht.

    Nach dem Einchecken und einer kurzen Pause im Zimmer stand die wichtigste Frage des Abends an: Wo wollten wir essen? Zunächst hatten wir tatsächlich wieder unsere bewährte „Tapas-Bar“ im Auge. Dann entschieden wir uns jedoch für etwas Typischeres und gingen ins Café Santiago.

    Schon vor der Tür wurde deutlich, dass wir damit offenbar nicht allein waren. Das Lokal war brechend voll, und wir mussten uns zunächst in eine Liste eintragen. Doch das Warten lohnte sich. Das Café Santiago entpuppte sich als lebendiger und beliebter Treffpunkt, und das Essen war hervorragend. Olaf und ich bestellten eine Francesinha in der vegetarischen Variante, Claudi entschied sich für Salat und Pommes. Dazu gab es ein Bier.

    Die Francesinha ist eines der bekanntesten Gerichte Portos: ein üppiges, mit Käse überbackenes Sandwich, das in einer würzigen Sauce serviert wird. Leicht ist anders – aber nach unserer langen Reise durfte es auch einmal etwas Deftiges sein. Wir waren froh, nicht wieder bei Burger King gelandet zu sein, auch wenn unsere „Tapas-Bar“ natürlich weiterhin einen festen Platz in unserer Reisegeschichte behalten wird.

    Porto zeigte sich an diesem Abend unglaublich lebendig. Die Straßen waren voller Menschen, vor den Restaurants standen Wartende, und selbst gegen 22 Uhr zeigte das Thermometer noch etwa 31 Grad. Die Wärme lag schwer zwischen den Häusern, doch die Atmosphäre war wunderbar.

    Nach dem Essen wollten wir den Tag noch nicht sofort im Hotel beenden. Wir gingen zur Kathedrale von Porto – zu jenem Ort, an dem unsere Pilgerreise begonnen hatte. Am Pilgerstein, von dem aus wir Wochen zuvor aufgebrochen waren, schloss sich nun unser Kreis. Damals lagen Santiago und Fisterra noch weit vor uns. Nun standen wir wieder hier, erschöpft, voller Erinnerungen und mit dem Gefühl, tatsächlich etwas Großes vollendet zu haben.

    Von dort liefen wir weiter zur berühmten eisernen Brücke Dom Luís I. Sie verbindet Porto mit Vila Nova de Gaia und gehört mit ihrem mächtigen Bogen zu den Wahrzeichen der Stadt. Wir überquerten die Brücke und betrachteten Porto von der anderen Seite aus bei Nacht. Die beleuchteten Häuser zogen sich an den steilen Hängen hinauf, Lichter spiegelten sich im Douro, und über allem lag diese besondere Mischung aus Wärme, Stimmen und nächtlicher Lebendigkeit.

    Es war ein wunderschöner Abschluss des Tages. Zwar waren wir eigentlich „nur“ mit zwei Bussen unterwegs gewesen, doch am Ende fühlten wir uns müde und erschöpft. Vielleicht lag es weniger an der Fahrt als an all den Übergängen: der Abschied von Fisterra, der letzte Besuch in Santiago, die lange Reise und schließlich die Rückkehr nach Porto.

    Am Morgen waren wir mit dem Rufen der Möwen und dem Plätschern des Wassers am Hafen von Fisterra aufgewacht. Am Abend standen wir über dem Douro und blickten auf das nächtliche Porto. Dazwischen lagen viele Kilometer, ein paar Stunden Schlaf im Bus, ein schwer auffindbarer Ausgang, gutes Essen und noch einmal zahlreiche schöne Momente.

    Unsere Pilgerreise war nun wirklich beendet. Doch sie fühlte sich längst nicht abgeschlossen an – dafür würde sie uns noch viel zu lange im Kopf und im Herzen begleiten.

    Nachtrag Claudia:
    Nun sind wir zurück an unseren Startpunkt angekommen, ein merkwürdiges Gefühl. Auf der einen Seite glücklich über die tollen Wochen, auf der anderen Seite schon etwas traurig und wehmütig, da nun alles vorbei ist.
    Aber es ist, wie es ist, alles geht einmal zu Ende, und es wird definitiv nicht meine letzte Pilgerreise gewesen sein. Die Erfahrungen, die man während des pilgerns erfährt, sind sehr nachdrücklich und ganz anders, als auf "normalen" Reisen. Ich kann es schwer erklären und hätte ich so auch nicht erwartet.
    Ich bin auf jeden Fall sehr, sehr dankbar und glücklich darüber, dass Olaf und Guido mich mitgenommen haben und somit mein Horizont ein großes Stück erweitert worden ist.
    Danke euch beiden 💕
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