Wir verlassen den touristischen Trubel rund um Sultanahmet und bewegen uns zu Fuß südwärts, weg von den Monumenten, hinein in den Alltag der Stadt.
Hinter uns liegen Souvenirläden, internationale Ketten, große Hotels und sanierte Fassaden, vor uns beginnen schlichtere Wohnhäuser, Werkstätten, kleine Lebensmittelläden. Die Gehwege werden unebener, die Straßen enger, der Verkehr kleinteiliger, und die Zahl der Reisegruppen nimmt mit jedem Block sichtbar ab. Je näher wir dem Marmarameer kommen, desto stärker verändert sich die Bebauung. Mehrstöckige Wohnhäuser mit einfachen Balkonen treten an die Stelle repräsentativer Altstadthäuser, dazwischen ältere, teils renovierungsbedürftige Gebäude mit Ladenlokalen im Erdgeschoss. Die Atmosphäre auf den Straßen wirkt weniger inszeniert, dafür unmittelbarer und nachbarschaftlicher.
Spuren der multireligiösen Vergangenheit bleiben in diesem Stadtteil sichtbar. Samatya war lange ein wichtiger Ort für nicht-muslimische Minderheiten. Viele Familien dieser Gruppen sind im Verlauf des 20. Jahrhunderts weggezogen oder wurden vertrieben. Doch die Sakralbauten, Friedhöfe und einzelnen Geschäfte halten diese Stadtteilgeschichte lebendig.
Am Ende des Spaziergangs, wenn der Blick sich zum Marmarameer öffnet, wirkt Samatya wie ein Gegenpol zur herausgeputzten Altstadt. Statt großer Sehenswürdigkeiten bestimmen Alltagswege, Nachbarschaftskontakte und lokale Gastronomie die Atmosphäre. Der Stadtteil zeigt, wie sich Istanbul jenseits der bekannten Postkartenmotive anfühlt: vielsprachig in seiner Geschichte, heute mehrheitlich lokal geprägt, mit einem deutlich langsameren Takt als im touristischen Zentrum.Read more