• ...tatsächlich ein Bär auftaucht.

    June 14 in Greece ⋅ ☀️ 28 °C

    Karpero, Griechenland 🐻🌾🚐
    Oder wie wir auf dem Weg zu den Mönchen plötzlich mitten in der Pampa hängen blieben

    Manchmal plant man einen heiligen Ort.
    Und landet erstmal auf einem Gemeindeplatz mit Bärenwarnung 😄

    Eigentlich wollten wir direkt weiter nach Meteora. Zu den Mönchen. Zu diesen unglaublichen Klöstern auf den Felsen. Zu einem Ort, von dem man schon auf Bildern denkt: Wer hat denn bitte damals gesagt, lass uns das Kloster mal da oben hinbauen? 🏛️⛰️

    Aber die Fahrt von den Fingern der Chalkidiki war einfach lang. Sehr lang. Und irgendwann sagt selbst der mutigste Silberpfeil:
    „Freunde, ich rolle zwar gern, aber irgendwann ist auch mal gut.“ 🚐😄

    Also legten wir einen Zwischenstopp ein.
    In Karpero, griechisch Καρπερό, in der Gemeinde Deskati, im Regionalbezirk Grevena.

    Und was soll ich sagen…
    Wir wollten eigentlich nur eine Nacht bleiben.

    Natürlich.

    Wie oft haben wir diesen Satz schon gesagt?
    „Nur eine Nacht.“
    Das ist bei uns inzwischen ungefähr so glaubwürdig wie:
    „Britti geht nur mal kurz gucken.“ 😂

    Wir kamen also dort oben an, auf einem Gemeindeplatz oberhalb des Dorfes. Mitten in der Pampa. Und mit Pampa meine ich nicht so ein bisschen ländlich. Ich meine: nichts. Null. Ruhe. Weite. Himmel. Kornfelder. Berge. Und wir. 🌾🌄

    Am Anfang standen noch fünf Camper dort. Das gab uns dieses angenehme Gefühl von: Okay, wenn hier etwas Seltsames passiert, sind wenigstens noch Zeugen da.

    Am nächsten Tag waren sie alle weg.

    Alle.

    Kein Mensch mehr weit und breit.
    Nur wir, der Silberpfeil und diese unglaubliche Stille.

    Und genau da passierte es.
    Wir sagten uns:
    Hier bleiben wir.

    Nicht weil es dort viel zu tun gab. Sondern gerade weil es dort nichts zu tun gab. Kein Hafen. Kein Stadtbummel. Keine Tavernenmeile. Kein Strand mit Liegen in Reih und Glied. Einfach nur dieser Platz, diese Aussicht, diese Ruhe und dieses Gefühl, einmal nicht irgendwohin zu müssen.

    Britti konnte natürlich trotzdem nicht komplett stillhalten.
    Das wäre ja auch unnatürlich. Wahrscheinlich medizinisch bedenklich 😄

    Also hüpfte sie von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. Und davon gab es dort oben gleich fünf. Fünf Möglichkeiten, in die Weite zu schauen, fünf kleine Bühnen für ihre Neugier, fünf Chancen für Britti, irgendwo hinzustapfen und zu sagen:
    „Komm mal her, das musst du sehen!“

    Ich kam natürlich meistens nicht sofort. Einer muss ja beim Silberpfeil bleiben. Und beim Kaffee. Und beim Leben an sich ☕😎

    Oben auf dem Berg waren auch Feuerwehrpatrouillen unterwegs. Sie beobachteten das Umland, falls irgendwo ein Feuer entstehen sollte. Das hatte etwas Beruhigendes und gleichzeitig etwas sehr Griechisches. Da sitzt man völlig friedlich in der Landschaft, und irgendwo steht jemand mit Blick über die Berge bereit, falls die Natur beschließt, kurz durchzudrehen.

    Dann kam Brittis große Frage.

    Sie ging zu einem netten Feuerwehrmann und fragte auf Englisch, ob er hier oben schon einmal einen Bären gesehen habe. Und ob es hier überhaupt Bären gebe.

    Der Mann antwortete ganz ruhig:
    „Ja. Hier gibt es definitiv Bären.“

    Britti schluckte.

    Ich sah sie an, legte meine wahrscheinlich heldenhafteste Miene auf und sagte:
    „Kein Bär wird dir etwas tun, solange ich in deiner Nähe bin.“ 🐻😎

    Das war natürlich gelogen. Also nicht böse gelogen. Eher eine dieser Ehemann Aussagen, die gut klingen sollen, bis tatsächlich ein Bär auftaucht.

    Denn stellen wir uns das mal ehrlich vor.

    Wir sitzen beim Frühstück. Alles friedlich. Kaffee dampft. Britti schmiert irgendwas. Ich tue so, als wäre ich komplett entspannt. Und plötzlich bewegt sich mitten im Kornfeld etwas. Erst langsam. Dann größer. Dann sehr groß.

    Ein Braunbär.
    So groß wie eine Litfaßsäule.
    Mit dem Blick eines Tieres, das offenbar auch frühstücken möchte. 😳🐻

    Ich stelle mich natürlich sofort schützend vor Britti. Breite Brust. Fester Stand. Der Mann aus Schleswig Holstein gegen die Wildnis Griechenlands.

    Ich rufe noch:
    „Britti, dir wird nichts passieren!“

    Dann kurze Pause.

    Und direkt danach:
    „Ich hole Hilfe!“

    Und weg bin ich 😂

    Natürlich ist das nicht passiert.
    Wir haben keinen einzigen Bären gesehen. Nicht mal einen kleinen. Nicht mal einen, der so tat als wäre er einer.

    Aber spannend war es trotzdem. Denn an den Straßen sahen wir tatsächlich große Abfangzäune, teilweise so massiv, dass klar war: Die stehen da nicht für besonders sportliche Kaninchen. Hier nimmt man das Thema Wildtiere ernst.

    Und genau das machte diesen Platz noch besonderer.
    Diese Mischung aus Ruhe, Weite, leichter Abenteuerstimmung und diesem Gefühl, dass man irgendwo steht, wo die Natur noch nicht gefragt hat, ob sie gerade fotogen genug ist.

    Wir saßen dort, schauten in die Landschaft, ließen uns treiben und merkten wieder einmal:
    Manchmal sind die ungeplanten Stopps die besten. Die, bei denen man nichts erwartet. Die, die nicht in großen Reiseführern schreien: Komm her, hier musst du gewesen sein. Sondern die einfach still dastehen und warten, bis du merkst, wie gut sie tun. ❤️

    Die Mönche mussten also noch ein paar Tage warten.

    Aber wenn du bis hier gelesen hast, dann bleib unbedingt dabei. Denn in der nächsten Geschichte geht es wirklich zu den Mönchen. Und ich werde dir erzählen, was ich mit einem Mönch besprochen habe, warum wir uns plötzlich richtig nahe waren und wie er mir sogar geschworen hat, wie alt ich werde.

    Und glaub mir…
    das Alter wirst du nicht erraten 😄⛰️🧔‍♂️

    Die nächste Geschichte wird anders.
    Ruhiger. Tiefer. Und vielleicht eine der besonderen unserer ganzen Reise.
    Read more