• Kopenhagen und die Wachablösung 🇩🇰🛵😄

    August 3 in Denmark ⋅ ☁️ 22 °C

    Oder wie Britti verschwand, ich winkte und eine fremde Frau unsere Beziehung rettete!

    Kopenhagen empfing uns erstmal mit einer kleinen Lektion in Sachen Hoffnung.

    Es sollten dort ungefähr 100 Stellplätze geben.
    Und ja, es gab auch ungefähr 100 Stellplätze.

    Leider waren auch ungefähr 100 davon voll 😄🚐

    Gerade so bekamen wir noch einen Platz ab. Wirklich gerade so. Der Silberpfeil stand, wir atmeten einmal durch, und dann schaute Britti mich an.

    Dieses Grinsen kenne ich.

    Das ist kein normales Grinsen.
    Das ist kein „schön, dass wir angekommen sind“ Grinsen.
    Das ist ein „Kai, gleich wird eine Hauptstadt abgegrast“ Grinsen 😂

    Ich wusste sofort: Kopenhagen bekommt jetzt keine Schonfrist.
    Meerjungfrau. Wachablösung. Schloss. Fußgängerzone. Geschäfte. Märkte. Gassen. Alles musste dran glauben.

    Also los.

    Als Erstes gingen wir auf die Märkte. Und was soll ich sagen, dort haben wir richtig schön gegessen. Tolles Brot, herrlicher Duft, Gewusel, Stimmen, Menschen, kleine Stände, alles lebendig und angenehm. Wahrscheinlich war es wieder das teuerste Brot meines Lebens, aber auf Reisen hat man ja irgendwann ein gestörtes Verhältnis zu Preisen. Man guckt kurz, schluckt, bezahlt und nennt es Erlebnis 😄🥖

    Britti lief natürlich wieder links, rechts, hierhin, dahin, überall gucken. Ihr seht es im Video. Ich lief ihr hinterher wie ein leicht überforderter Stadtführer ohne Stadtplan.

    Und dann drehte sie sich plötzlich um.

    „Es ist 11:45 Uhr. Um 12 Uhr beginnt die Wachablösung!“

    Zack. Alarm.

    Wir sprangen auf den Roller und fuhren los. Und ob ihr es glaubt oder nicht, um 11:45 Uhr waren wir los und um 12 Uhr standen wir tatsächlich auf dem Platz. Punktlandung. Fast schon verdächtig professionell für unsere Verhältnisse 😄🛵

    Nur waren wir dort natürlich nicht allein.

    Gefühlt halb Kopenhagen, drei Reisebusse, 700 Handys und sämtliche Menschen mit Sonnenbrille wollten diese Wachablösung sehen. Ich stand irgendwo in der zehnten Reihe und suchte meine Britti.

    Denn die war weg.

    Ich hatte nämlich zu ihr gesagt:
    „Lauf du schon mal los, ich komme hinterher.“

    Das war eigentlich nur als lockerer Spruch gemeint.

    Britti nahm ihn als sportlichen Befehl 😂

    Sie lief los. Nicht gemütlich. Nicht nordisch entspannt. Sondern im Laufschritt Richtung Wachablösung. Und jeder, der mich kennt, weiß: Laufen gehört nicht zu meinen Kernkompetenzen. Ich fahre. Ich gehe. Ich beobachte. Aber rennen wegen Soldaten in Uniform? Schwierig.

    Also verloren wir uns.

    Mitten in der Wachablösung.
    Mitten zwischen tausenden Menschen.
    Mitten in Kopenhagen.

    Zehn Minuten später klingelte mein Handy.

    Britti:
    „Wo bist du? Wo bist du?“

    Ich:
    „Ich winke doch!“

    Ich hob die Hand, winkte wie ein Mann, der gerade nicht seine Frau, sondern wahrscheinlich auch seine Würde sucht. Britti konnte mich trotzdem nicht sehen.

    Und dann passierte etwas Großartiges.

    Eine fremde Frau sagte zu Britti:
    „Da hinten winkt er doch. Sehen Sie es nicht?“

    Da sah sie mich endlich. Britti grinste schon von weitem, hob die Hand und kam schnell zu mir zurück. Ich hatte inzwischen einen Poller für uns reserviert.

    Ich sagte:
    „Spring rauf, ich halte dich fest.“

    Und so war es. Zack, Britti auf den Poller, ich hielt sie fest, und gemeinsam sahen wir die Wachablösung. Siehe Video 😄

    Und jetzt kommt die Wahrheit:
    Sie war recht langweilig.

    Ja, ich sage es, wie es ist.
    So viel Aufregung, so viel Rennen, so viel Suchaktion, und am Ende stehen da Soldaten, laufen langsam, tauschen irgendwas, und alle filmen, als würde gleich ein König aus dem Gebüsch springen 😂

    Aber natürlich mussten wir danach noch zu den kleinen Hütten, wo die Soldaten getauscht wurden. Ruckzuck liefen wir hin, diesmal erste Reihe. Und auch da wurde wieder gewechselt. Sehr ordentlich. Sehr traditionell. Sehr dänisch. Und wieder irgendwie lustig.

    Kaum war das erledigt, sagte Britti auch schon:

    „Die Meerjungfrau! Die Meerjungfrau!“

    Also ging es weiter zur Meerjungfrau 🧜‍♀️

    Fotos mit Herzen.
    Fotos ohne Herzen.
    Fotos mit Britti.
    Fotos ohne Britti.
    Alles wurde erledigt.

    Und ehrlich gesagt war für mich gar nicht die Meerjungfrau der Mittelpunkt. Sondern Britti. Wie sie da herumhüpfte, sich freute, sich positionierte, guckte, lachte und einfach glücklich war. Hauptsache, die Meerjungfrau war mit ihr zu sehen.

    Dann ging es weiter Richtung Nyhavn. Diese tolle Prachtstraße mit den bunten Häusern, den Booten, den Cafés, den Menschen, dem ganzen Kopenhagen-Gefühl. Ein Ort, der aussieht, als hätte ihn jemand extra erfunden, damit alle gleichzeitig sagen können:
    „Ach, ist das schön hier.“ ⚓

    Und dann kam wieder Britti.

    „Ich hüpf hier mal durch die Gegend und guck mir die Straße an.“

    Ich sagte:
    „Kein Problem. Ich bestelle mir einen zweiten Kaffee und warte gerne.“

    Das ist meine Art von Besichtigung. Sitzen. Kaffee. Menschen beobachten. Die Stadt wirken lassen. Keine Höhenmeter, kein Laufschritt, kein Wachablösungsverlust ☕😄

    Ich saß also da, schaute vor mich hin, beobachtete die Leute und genoss den Moment. Und plötzlich lief Britti direkt an mir vorbei.

    Ohne mich zu würdigen.
    Kein Blick. Kein Lächeln. Kein „Ach, da sitzt ja mein Mann“. Nichts 😂

    Ich sprang auf und lief hinterher. Sie war kaum einzuholen. Irgendwann schaffte ich es doch, klopfte ihr auf die Schulter, sie erschrak, drehte sich um, und ich sagte:

    „Du bist gerade schon lange an mir vorbei.“

    Sie rief:
    „Oh nein! Ich wusste nicht mehr genau, wo wir gesessen haben. Aber ich freue mich, wenn ich dich sehe.“

    Und genau das ist Britti.

    Sie kann dich im Menschengewühl verlieren, an dir vorbeilaufen, kurz vergessen, wo du sitzt, aber wenn sie dich dann sieht, freut sie sich so herzlich ❤️😄

    Langsam ging dieser Tag dann zu Ende.
    Kopenhagen hatte uns ordentlich durchgeschüttelt. Märkte, Wachablösung, Meerjungfrau, Nyhavn, Kaffee, Roller, Menschenmassen, Wiederfinden, Verlorengehen, Lachen.

    Zurück am Wohnmobil fielen wir nur noch in die Betten. Nicht schlafen, sondern eher ohnmächtig abschalten. Kopenhagen hatte geliefert. Und wir auch.

    Jetzt geht es weiter Richtung Stockholm. Immer weiter in den Norden. Immer tiefer rein in diese neue Reise.

    Und was wir demnächst auf einem Schotterparkplatz an einer Tankstelle erleben, das glaubt ihr sowieso nicht.

    Liebe Leserinnen und Leser, wenn ihr bis hierhin gelesen habt, dann danke ich euch wirklich.

    Bleibt dran.
    Der Norden hat gerade erst angefangen. 🇸🇪🚐✨
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