• Mooswies' is in Khafji

    March 22 in Saudi Arabia ⋅ 🌬 24 °C

    Dass uns der meilenlange Corniche von Khafji gleich zwei Tage beherbergen darf, war eigentlich nicht vorgesehen - wir wollten ursprünglich nach einer Nacht ins nahe Kuwait. Doch dann erfahren wir, dass direkt an der Uferpromenade, an der wir campieren, ein Mega-Event anheben soll, tags darauf. Ein Wink des Schicksals! Wir disponieren um, hängen einen faulen Tag am Meer dran, amüsieren uns über die mannigfaltigen Bespaßungen der nachtaktiven Einheimischen (bis hin zu einem Schrumpf-Doppeldeckerbus) und verfolgen mit Neugier den Aufbau des Volksfestes, das im Zusammenhang mit dem Zuckerfest Eid al Fitr zu stehen scheint.

    Im weitesten Sinn entspricht diese Festivität dem, was in meiner Heimatstadt Feuchtwangen Mooswiese heißt. Mooswiese minus Bier und Wein und minus Dirndl und Lederhose, dafür mit Tee und Kafee und mit langen Gewändern in Schwarz und Weiß, sorgsam nach Geschlecht getrennt. Ein Bierzelt gibt es auch, doch darin verbirgt sich - vollklimatisiert - die Mess', also die Verkaufsmeile fliegender Händler. Kaftan statt Kittelschürze, orientalische Gewürze statt Gurkenhobel, reichlich Parfum und gülden Geschmeide statt Wollsocken und Teflonpfannen. Landmaschinen gibt es keine, Ölbohrequipement aber auch nicht. Ansonsten Hüpfburgen und ein paar wenig vertrauenserweckend quietschende Fahrgeschäfte sowie eine Mini-Geisterbahn. Ob darin die Fratzen von Trump und Netanyahu als Kinderschreck dienen, haben wir nicht überprüft. Angemessen wär's.

    Unter freiem Himmel warten eine Bühne und eine großzügige Bestuhlung auf Gäste. Ein Pokal für die weiteste Anreise wird leider nicht vergeben - der wäre uns sicher. Doch mit Touristen, zumal mit ausländischen, rechnet hier im hintersten Winkel Saudi-Arabiens, dessen Grenzen erst seit wenigen Jahren für Urlauber offen sind, niemand. Man erweist uns angemessen die Ehre und bittet uns in die VIP-Abteilung, auf weiße Sofas gleich in der zweiten Reihe, hinter den echten Ehrengästen. Etliche Militärs sitzen da und fünf Herren, die sich vom Rest durch goldfarbene Schärpen abheben und durch Berge von Datteln und Pralinen vor ihren Sesseln. Wer die Honoratioren sind, ob Provinzfürsten oder sogar Mitglieder des Königshauses, lässt sich trotz Mühen nicht in Erfahrung bringen. Englisch wird hier nur von wenigen gesprochen, und die Angaben zur Person gehen weit auseinander - von "Politiker" bis "König". Für letzteren erscheint die Security allerdings arg mickrig, sodass wir den greisen
    Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud mit einiger Sicherheit ausschließen können - schon aufgrund des Alters der hohen Gäste.

    Die springen während einer ziemlich zähen Folkloredarbietung abrupt auf und verlassen die Show. Die Entourage im Schlepptau geht es zum obligatorischen Rundgang über den Festplatz. Honneurs und Shake-hands an den Ständen des Sponsors Chevron, des Krankenhauses, der Uni und der Feuderwehr, ein kurzes Fettbrand-Löschspektakel, und schon verschwindet seine Majestät, whoever, in einem amerikanischen SUV. Abgang ohne Gedöns.

    Gedöns dafür am Festplatz. Kinderbespaßung bis tief in die Nacht, Hau-den-Mohammed für die Halbstarken, Tanzbühnen für Selbstdarsteller allen Alters, und eine veritable Fressgass. Mooswies' auf arabisch eben.
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