Kulturschock am Schatt al-Arab
March 26 in Iraq ⋅ 🌧 20 °C
Von der Sauna ins Eisbecken: so kalt erwischt hat uns der kurze Weg von Kuwait in den Irak. An einen ähnlich harten Kulturschock kann ich mich nicht erinnern.
Wochenlang bildeten in den Kleinstaaten am Golf polierter Marmor, verglaste Fassaden und kunstvoll in Szene gesetzte Gebäude die Kulisse unserer Tour. Selbst die Landesgrenzen waren aufgeräumt und wohlorganisiert. Doch damit ist in Safwan Schluss: Der Irak empfängt uns mit einem absurden Hindernislauf zwischen völlig hirnrissig angeordneten Containern und Büros. So genannte Fixer bieten an, gegen eine Handvoll Dollar den Papier- und Stempelmarathon zu absolvieren. Doch da haben wir, allesamt grenzerfahren und leidgeprüft, unseren Stolz. Da müssen wir selbst durch. Nach zweieinhalb Stunden - der Zoll wollte nur ganz kurz in unsere Autos schauen - sind wir mit dem bürokratischen Parforce- oder besser Parfarceritt durch.
Unser Tagesziel ist Basra, zweitgrößte Stadt des Irak am Schatt al-Arab und eine bedeutende Handels- und Hafenmetropole. Ein Status, der ihr zum Verhängnis wurde. Denn in drei Jahrzehnten Krieg hat Basra so stark gelitten, dass sie sich bis heute nicht erholt hat. Die Stadt verwandelte sich von einem blühenden Dattelparadies in ein Trümmerfeld.
Zwar geht es abends an der bunten Uferpromenade munter zu. Doch selbst über der Corniche scheint ein morbider Schleier zu liegen, der sich bei Tageslicht noch deutlicher offenbart. Diese Stadt macht einen kaputten, einen irreparablen, einen hoffnungslosen Eindruck. Dabei galt sie einst als das Venedig des Nahen Ostens.
Bei aller Liebe zum Chaos in der arabischen Welt, bei aller Resilienz gegen Dreck und Verfall: Basra schlägt selbst mir aufs Gemüt. Fluchtartig machen wir uns auf den Weg gen Norden. Hier hält uns nichts.
Für Interessierte hier noch ein paar Fakten zur traurigen jüngeren Geschichte Basras:
Iran-Irak-Krieg (1980–1988): Die Nähe zur Front führte zur Zerstörung von schätzungsweise 60 % der Dattelpalmen. Die Schlacht um Basra (1987) war eine der blutigsten.
Zweiter Golfkrieg (1991): Schwere alliierte Luftangriffe verursachten massive Schäden an der Infrastruktur.
Dritter Golfkrieg (2003): Basra war ein zentraler Kriegsschauplatz. Eine britische Belagerung führte zu Versorgungsengpässen, während Panzerwracks und unaufgeräumter Schutt die Stadt prägten.
Folgen: Nach 2003 führten Chaos, Plünderungen und Kämpfe zu anhaltender Unsicherheit, obwohl der Wiederaufbau phasenweise begann.
Die Stadt am Schatt al-Arab leidet bis heute unter den Spätfolgen dieser Zerstörungen, die sowohl die Lebensgrundlagen als auch die Umwelt schwer beeinträchtigt haben.Read more
























