Ein Souk säuft ab...
March 27 in Iraq ⋅ ⛅ 20 °C
... und mit ihm die ganze Stadt, die ganze Region. Selbst kleinere Niederschläge, die bei uns vom Wetterdienst das Prädikat "unergiebig" bekämen, sorgen im Irak für Land unter. Die sonst im Staub erstickende Gegend verwandelt sich blitzschnell in eine Morasthölle.
Die endlosen, von riesigen Schlaglöchern übersäten, unbefestigten Flächen vor den kilometerlangen Laden- und Werkstattzeilen werden zum Seenland. Und weil man kostenintensive Begriffe wie Straßenausbaubeitragssatzung, Oberflächenentwässerung oder Abflussquotient, über die der deutsche Steuerzahler flucht, hier nicht kennt, kommt man halt nach einem Gewitter tagelang nicht mehr trockenen Fußes auf die Straße.
Im überdachten Souk, den Altstadt-Einkaufsgassen, bleibt es ebenfalls nicht trocken. Ruck-zuck werden die Gummiwischer ausgepackt und das Wasser zum Nachbarn geschoben. Rutschig bleibt's trotzdem.
Wer nun glaubt, ein solch seltener Regenguss brächte das öffentliche Leben temporär zum Erliegen, irrt. Kaum ist's vorbei, gehen die Menschen wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: Dem abendlichen Flanieren. In Amara, einem unspektakulären Städtchen im Zweistromland nicht weit vom Zusammenfluss von Euphrat und Tigris, hat man dazu sogar einen halbmondförmigen Steg auf den Fluß gebaut, um die Uferpromenade aufzumotzen. Damit nicht genug: Am späteren Abend steigt dort eine veritable Licht-, Wasser- und Musikshow. Dutzende Fontänen tanzen, bunt beleuchtet, zu arabischen und internationalen Klängen. Selbst die Titanic-Untergangshymne ist dabei. Irgendwie passt sie.
Das Spektakel am Tigris ist überraschend viel Pomp & Circumstances für eine Stadt, die zwar nicht ganz so viel Apokalypse ausstrahlt wie tags zuvor Basra. Doch auch Amaras Kriegswunden sind längst nicht verheilt. Auch hier wäre an vielen Stellen Sanierungsstau noch ein freundlicher Begriff für Verfall.
Doch die Menschen strahlen Lebensfreude aus, und sie haben ihre helle Freude daran, dass sich mal ein paar Europäer in ihre Gegend verfahren haben. Im Zonenrandgebiet zum Iran trifft man nicht alle Tage Touristen, und schon gar nicht welche aus Deutschland.
Tee? Geht auf's Haus!Read more



























