• Der vergessene Mega-Pool des Kalifen

    March 29 in Iraq ⋅ ☁️ 21 °C

    In der beliebten Reihe "lost places on the Arabian peninsula" haben wir heute zwei besonders schöne Exemplare im Irak für Euch aufgetan. Naja, eineinhalb. Denn eines durften wir nur von außen betrachten.

    Die große Moschee im kleinen, recht elend anmutenden Ort Samarra ist etwas ganz Besonderes. Sie erhielt ein spiralförmiges Minarett, das einer altmesopotamischen Zikkurat ähnelt. Der weithin sichtbare Turm mit seiner geländerlosen Außentreppe ist ebenso imposant wie das trutzige Karree, das die Moschee umgibt. Doch das gesamte Areal ist, warum auch immer, abgeriegelt. Ein freundlicher Wachmann lässt uns zum fotografieren wenigsten ein paar Schritte durchs verschlossene Eingangstor. Mehr geht nicht.

    Dafür folgt wenige Kilometer weiter eine spektakuläre Badeanstalt, deren Pforten sich exklusiv für uns öffnen - Reisende aus Deutschland kommen hier nicht alle Tage vorbei, da macht man schon mal eine Ausnahme. Samarra besitzt noch Ruinen zahlreicher, ursprünglich mit Marmor und kostbaren Mosaiken verkleideter Kalifenpaläste und anderer Bauwerke. Kilometerweit erstrecken sich Grundmauerreste und zeugen von der einstigen Größe dieser Stadt. 2007 erklärte die Unesco die Ruinen und archäologischen Fundstätten zum Weltkulturerbe. Gleichzeitig trug sie sie auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes ein.

    Die Sorge scheint begründet, wie sich vor Ort zeigt. Denn der Al-Baraka-Palast der Abbasiden, eine einzigartige Anlage von imposanter Größe, liegt seit den Kriegswirren im Land brach. Die mit Unesco-Mitteln geförderte Rekonstruktion ist weit fortgeschritten, stockt aber seit Jahren. Ob sie jemals fortgesetzt oder vollendet wird, ist fraglich.

    Der Al-Baraka-Palast (auch bekannt als Qasr al-Khalifa oder "Pool-Palast") wurde im 9. Jahrhundert (ab 836 n. Chr.) unter Kalif al-Mutawakkil als Erholungs- und Residenzort erbaut. Im Mittelpunkt steht ein riesiges, zwei Meter tiefes Wasserbecken mit 62 Metern Durchmesser. Sogar Saunas gab es.
    Der Palast in der stolzen Hauptstadt des Kalifats diente als Ort der Genesung, Entspannung und Erholung. Er bestand aus gebrannten Ziegeln und war mit Stuckverzierungen geschmückt, was die fortgeschrittene Baukunst der Abbasiden verdeutlicht.

    Einer breiten Öffentlichkeit wird dieser faszinierende Ort wohl leider noch lange Zeit unzugänglich sein. Wir hatten großes Glück, dass uns ein verschmitzter, zahnlückiger Hausmeister aufsperrte und durch die Baustelle führte.

    Die Stadt Samarra erlebte im 9. Jahrhundert eine rasche Expansion, wurde jedoch nach nur 56 Jahren als Hauptstadt aufgrund politischer Instabilität wieder aufgegeben. Der Al-Baraka-Palast ist einer von vielen prunkvollen Palastbauten dieser Ära, die in der Region entlang des Tigris errichtet wurden.
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