• Abschied mit Kobold und Gänsehaut

    May 30 in Germany ⋅ ☁️ 21 °C

    Abschied mit Kobold, Geigenklang und ein bisschen Chaos 🧙‍♂️🎻🚐
    Jetzt fasse ich mal den Rest zusammen.
    Der letzte Tag ist angebrochen. Das Wetter macht uns den Abschied ein wenig leichter. Das große Unwetter in der Nacht ist zum Glück ausgeblieben – nur ein paar Regentropfen haben wir abbekommen. Heute Morgen hängen die Wolken tief, alles wirkt grau und schwer. Wir warten die ganze Zeit darauf, dass es endlich regnet. Aber nichts. Kein Tropfen.
    Ich nutze die Zeit und mache meinen Fernseher wieder fit. Seit unserer Ankunft haben wir nämlich einen Kobold an Bord, der ständig irgendwelchen Unsinn treibt. Er hat es tatsächlich geschafft, von jetzt auf gleich alle Fernsehsender zu löschen. Danke auch!
    Immerhin: Ich weiß jetzt, wie man einen Suchlauf startet, den richtigen Satelliten findet – auch wenn Astra 19.2 nicht benannt ist – und überprüft, ob das LNB Strom bekommt. Der Kobold sorgt auch dafür, dass die nagelneue Starterbatterie plötzlich schlappmacht, nur um kurz darauf wieder volle Leistung zu bringen. Ätsch, man bätsch.
    Und als Krönung saßen wir plötzlich komplett im Dunkeln – nur weil ich am Panel den Kontrollknopf für die Starterbatterie gedrückt habe. Immerhin war er gnädig: Ein Druck auf den Hauptschalter, und alles war wieder hell.
    Dieser Kobold, zusammen mit dem kleinen Hunger, der auch immer plötzlich auftaucht und sein Recht fordert, ist ein ziemlich unliebsamer blinder Passagier. Ich habe ihn kurzerhand „Womiplatsch“ getauft – ein entfernter Verwandter von Pittiplatsch, vermutlich aus dieser Gegend hier.
    Als es einfach nicht regnen will, fahren wir in die Stadt. Klar, Samstagmittag, kein Badewetter – da sind alle unterwegs. Ein Straßenmusikant spielt Geige und sorgt für echtes Gänsehautfeeling. Wir bummeln durch die Fußgängerzone, schauen hier und da in die Läden und landen schließlich im Schlosspark-Center. Ich will nach der Induktionskochplatte schauen, die ich mir fürs Wohnmobil ausgeguckt habe – stufenlos regelbar von 200 bis 2000 Watt, perfekt für den Wechselrichter.
    Tja … leider ausverkauft. Ich könnte sie bestellen und kostenlos nach Hause liefern lassen. Schade. Ich hätte sie heute Abend gern schon ausprobiert.
    Also: Zeit für Kaffee ☕🍰
    Wir sitzen draußen, erste Reihe, und beobachten das bunte Treiben. Ein richtiges Straßentheater: Am einen Ende prügeln sich zwei Männer lautstark, am anderen spielt jemand gefühlvoll Geige. Gegensätze, wie sie nur das Leben schreibt.
    Neulich hatte ich von den Schweriner Höfen am Marienplatz gelesen. Das ist ein modernes Einkaufsquartier mit mehreren Innenhöfen, kleinen Passagen, Cafés und Geschäften – alles ein bisschen verwinkelt und mit einem schönen Mix aus Alt und Neu. Die historische Bebauung wurde teilweise aufgegriffen, und an manchen Stellen sieht man noch originale Backsteinwände.
    Wir laufen hin und entdecken tatsächlich noch ein Stück alte Ziegelwand – ein kleiner Blick in die Vergangenheit.
    Langsam wird es Zeit, zurückzufahren. Die Räder müssen auf den Träger, wir wollen noch entsorgen. Danach sitzen wir am See, essen gemütlich und lassen den Abend mit unseren Womo-Nachbarn ausklingen. Wir reden, lachen, stoßen an – bis uns die Mücken schließlich ins Wohnmobil treiben.
    Am nächsten Morgen ist es wolkenverhangen. Ziel: 10 Uhr Abfahrt Richtung Heimat.
    Um 9:45 Uhr sind wir tatsächlich startklar – nachdem die Hubstützen sich geweigert haben einzufahren, weil ich erst den Motor gestartet habe wie man mir geraten hat. Wieder was gelernt: Stützen fahren nicht ein mit laufendem Motor.
    Kurz darauf sind wir auf der A14, später auf der A24. Wenig Verkehr – fast schon langweilig. Das ändert sich schlagartig, je näher wir Hamburg kommen. Es wird voller, dann zäh, schließlich Stop-and-go auf der A7. Und als wäre das nicht genug, setzt auch noch kräftiger Regen ein, der uns bis fast Hannover begleitet.
    Eine „schöne“ Rückfahrt 🙄
    Am Ende brauchen wir für knapp 400 Kilometer ganze fünfeinhalb Stunden. Aber: Das Womo läuft brav, wir machen zwei Pausen und finden sogar Parkplätze – sonntags gar nicht so einfach, wenn alles voller LKW steht.
    Zu Hause angekommen heißt es ausladen. Andreas wartet schon, um Anne abzuholen, und hilft noch beim Abnehmen der Räder. Der Träger bleibt dran – nächsten Sonntag will ich schon wieder los.
    Wir trinken noch gemeinsam einen Kaffee, lassen die letzten 14 Tage Revue passieren. Dann fahren sie.
    Ich kümmere mich um den Rest – und natürlich schlägt Womiplatsch wieder zu.
    Beim Versuch, das Grauwasser abzulassen: nichts. Kein Tropfen. Vielleicht war die Natron-Aktion im Tank doch keine so gute Idee. Vermutlich sitzt jetzt ein schöner Fettpfropfen im Auslass. Das schaue ich mir später genauer an.
    Aber egal: Wir hatten eine richtig schöne Zeit. Viel gesehen, viel Fahrrad gefahren. Und dadurch, dass ich nicht ständig ein- und auspacken musste, war alles herrlich entspannt.
    Die nächste Tour wird kein Urlaub sondern wieder eine Womotour. Es war schön, mal wieder mit der Schwester zusammen zu und erstaunlich harmonisch. Manchmal musste ich schmunzeln, wie vertraut sich alte Geschwistergewohnheiten von früher wieder einschleichen.
    Unsere Schwesternreise ist erst einmal beendet.
    Aber wie immer gilt: Nach der Reise ist vor der Reise.
    Nächsten Sonntag geht’s weiter. 🚐✨
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