• Calzada de la queza

    May 19–20 in Spain ⋅ ☁️ 20 °C

    Nachdem der redewütige Herbergsvater morgens vor 7 wieder anwesend war und angefangen hat die Betten abzuziehen und die Pilger zu beaufsichtigen, habe ich geschaut, dass ich meine sieben Sachen packe und loslaufe. Zum Glück hat eine der Pilgerinnen italienisch gesprochen. Somit hatte er jemand mit dem er beschäftigt war.

    Der Weg ging auch weiterhin ganz unromantisch an der schnurgeraden Straße entlang. Irgendwann kam von hinten ein schnellerer Pilger der auf meiner Höhe langsamer lief. Er war Pole und wir uns eine Weile nett unterhalten. Irgendwann meinte er, dass er nun genug Pause gemacht und läuft weiter.

    Als Nächstes kam ein Spanier. Dieser sprach zu meinem Erstaunen deutsch. So haben wir uns bis nach Carrion de los Condes unterhalten. Dort angekommen ging er in eine Bar um seine Schwester zu treffen und ich in den Supermarkt.

    Nach Carrion tauchte der Pole wieder auf. Ganz plötzlich. Eigentlich hatte er mich ja überholt und ich hatte ihm am Ortsausgang noch vor mir gesehen. Dieses Mal wollte er auch nicht mehr gehen. Er lief mit mir fast bis zum Ziel. Das war leider etwas anstrengend. Die Unterhaltung war am Anfang ok. Leider sprach er etwas schlechter Englisch als ich und manche Dinge verstand er nicht. Das Smartphone als Übersetzungshilfe von Polnisch auf deutsch half auch nicht weiter. Es gab nicht so wirklich Sinn.
    Wir versuchten es also auf Englisch weiter. Er erzählte mir, dass er einen sehr eindrücklich Traum von Saantiaago hatte. Danach hat er zwei Tage überlegt und wusste dann, dass er nach Santiago laufen muss. Er ist von Polen bis Monaco gelaufen. Dort habe er dann erfahren, dass er den Jakobsweg von überall laufen kann. Daraufhin hätte er sich in Frankreich einen Pilgerpass besorgt und seit dem sei er ein Pilger.
    Irgendwo sei ihm dann sein Rucksack mit allem drin geklaut worden. Nette Menschen hätten ihm aber Sachen geschenkt und er konnte weiterfliegen. Inzwischen findet er es aber garnicht mehr schlimm. Jetzt sei er frei. Ob ich meine Herbergen verbuche wollte er wissen. Ich sagte ihm, dass ich das am Vortag mache. Daraufhin meinte er, dann könne ich ja garnicht so laufen wie ich Lust habe. Er läuft immer so lange wie er Lust hat.
    Richtig. Wenn man alle Zeit der Welt hat kann man das machen. Ich nicht. Mein Rückflug ist gebucht.
    Es stellte sich im laufe der Zeit heraus, dass er doch etwas abgedreht war und mich ziemlich nervte. Leider hatte er es plötzlich nicht mehr so eilig nach Santiago zu kommen. Bis zu folgendem Punkt:
    Nachdem die Sonne brannte ganze Zeit und ich hielt irgendwann an um meinen Sonnenschutz im Gesicht zu erneuern. An einer Stelle hatte ich die. René offensichtlich nicht gut verrieben und er kam auf mich zu und wollte mir helfen. Ich habe ihm ziemlich deutlich gemacht, dass er es ja nicht wagen soll mir ins Gesicht zu fassen. Ich hasse das. Egal von wem. Hab ich schon bei Mama gehasst…
    Er meinte dann noch was von „Das denkst du?“ und weg war er. Keine Ahnung was er verstanden hatte oder verstehen wollte. Die letzten 5 km konnte ich auf jeden Fall alleine geniessen.
    Calzadia versteckt sich wirklich bis kurz vorher. Man sieht zwar den Turm des Friedhofs der außerhalb liegt, nicht aber die Stadt. Als sie dann aufgetaucht ist, war meine Freude um so größer, weil meine Herberge gleich am Ortseingang lag. Wie jeden Abend wurde ich begrüßt und bekam eine kurze Einführung in die Regeln und die Örtlichkeit. Nachdem ich ins Bad kam, stand da tatsächlich der Spanier. Enrique heißt der Guteste. Er hat sich doch tatsächlich von seiner Schwester zur Herberge fahren lassen.
    Leider war der Pool im Garten (noch) geschlossen. Wobei ich nicht weiß ob er wirklich benutzt wird, so wie er aussah eher nicht.
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