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  • Day12

    Epilog - Das teure Teil

    June 21 in Germany ⋅ ☀️ 19 °C

    962km werden wir diese Woche geradelt sein. Neunhundertzweiundsechzig. So liest sich die Zahl, wenn man sie auf einen Eurocheque aufschreiben würde (die älteren erinnern sich). Schon früh am Tag war uns klar, das 38 verdammte Kilometer am Ende der Tour fehlen würden.
    38 läppische Kilometer, dann stünde im Strava-Profil:

    Diese Woche - 1.000km Fahrrad gefahren.

    Wer sich mit Zahlenmagie auskennt weiß, wie tief dieser Stachel sitzen kann in der zarten Haut der menschlichen Großhirnrinde.
    Ein Tag noch Zeit, eine läppische Etappe von 38km einzufahren und den Pott nach Hause zu holen.

    Diese Woche - 1.000km Fahrrad gefahren.

    „Wenn wir unseren Frauen erzählen, Du Schatz, ich bin jetzt daheim, aber ich muss noch mal los, ganz kurz 38km Rad fahren, nur ganz kurz - das Verständnis dafür läge bei unter Null Prozent. Und das wäre die geschönte Version für die Presse. Du Schatz, bereite Du doch schon mal das Essen vor, meine Reisewäsche könnte schon mal in die Maschine, und ich bin derweil mal kurz weg... Wohin so dringend? Neenee, das geht nicht...“

    „Wir bräuchten eine plausible Geschichte...“

    Das Gedankentheater wird aufgebaut, Gestühl für eine Person, exklusive Vorstellung.

    „Achgottverdammt!“
    „Was denn?“
    „Ich habe auf der Strecke ein total teures Teil verloren. Ich weiß auch genau, wo es passiert ist. Ich hol das mal schnell! Bevor es jemand findet. Ist etwa 20km entfernt abgegangen. Ich weiß wo es liegt, keine große Sache, ich hole schnell, bevor es jemand anderes findet.“
    „Was ist das denn für ein ominöses Teil?“
    „Ach, bis ich Dir DAS erklärt habe, was fürs Fahrrad, ganz teures Ding. Bis ich Dir DAS erklärt habe, bin ich längst schon wieder da. Mach Dir keine Sorgen, geht ganz schnell“
    „Ich kann Dich mit dem Auto fahren.“
    „Neenee, gar nicht nötig. Da kommt man sowieso GANZ SCHWER hin mit dem Auto. Irgendwo am Deich. Muss man quer durchs Gelände. Mach Dir keine Sorgen, ich erledige das schnell.“

    Ich weiß nicht, wie er es machen wird, aber er wird das teure Teil finden und heim bringen.
    Heute Abend werde ich den Beweis in seinem Strava-Profil sehen.

    Thorsten: Diese Woche - 1.000km Fahrrad gefahren.
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  • Day12

    Epilog - Studentisches Futter, 500g

    June 21 in Germany ⋅ ☀️ 18 °C

    Letzter Tag der Schinderei, zwei Elende Gestalten auf einer kahlen Deichkuppe, kalter scharfer Wind im Gesicht. Stehend. Auf zwei überladene Drahtklepper gestützt.

    Frische Tüte aufreißend: „Möchtest Du auch ein wenig Studentenfutter zur Stärkung haben?“

    „Hahahahahahahahahahahaha!!!“
    Krümmt sich am Boden. Schnappt nach Luft.
    „Du hast im Ernst EIN HALBES KILO Studentenfutter über jeden Berg hochgeastet, vom ersten Tage an bis heute, zum letzten Tag, bis zur letzten Etappe, der flachsten von allen, da öffnest Du die Tüte?
    Du hast extra Leichtlaufreifen am Rad und schleppst EIN HALBES KILO Studentenfutter über jeden Berg der Tour? Was meinst Du, wie Du ohne dieses halbe Kilo über die Berge geflogen wärest? Was hast Du noch alles in Deiner geheimnisvollen, großen Tasche!
    Hahahahahahahahahahahahaha!!!“

    „Können wir vielleicht weiterfahren?🙄“
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  • Day12

    Epilog - Die Hose

    June 21 in Germany ⋅ ☀️ 18 °C

    Kennt ihr das Gefühl, wenn Ihr 1 1/2 Wochen lang eine kurze Windelhose getragen habt und endlich eine richtige, lange schwere Jeanshose anziehen könnt? So eine Hose aus RICHTIGEM STOFF? Mit Beinen dran? Welche die schwarzen Kettenfettflecken an der Wade vollständig bedecken?

    „Schatz, willst Du WIRKLICH eine lange Hose anziehen?
    Es ist voll warm draußen! Du schwitzt Dich zu Tode!“

    Na gut. Aber ohne Windel.
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  • Day12

    Epilog - Spielanalyse

    June 21 in Germany ⋅ ☀️ 18 °C

    Beim Fußball ist es doch so: Man hat gefiebert, man hat geschrien, man ist aus dem Sitz gesprungen - und am Ende des Spiels ist der Drops faktisch gelutscht; die eigene Mannschaft hat haushoch verloren oder knapp gewonnen, oder es hat sich schlicht gar nichts entschieden.
    Ab jetzt ist alles egal. Das Publikum wendet sich ab, stürzt das letzt Bier herunter, macht die Glotze aus oder leiser und sucht die Toilette auf.

    Warum jetzt die Spielanalyse? Hat Jörg Wontorra keine Frau und Kinder?
    „Schatz, wie war Dein Tag?“
    „Ach, Spiel wie immer, Geschrei um nichts. Aber ich werde nach Stunde bezahlt, also haben wir noch ein paar Spieler interviewt. Hatten nix zu sagen, was soll man auch sagen nach der Quälerei ohne Resultat. Die Jungs wurden ja auch nicht wegen ihrer Rhetorik eingekauft.“

    Warum also ein Epilog? Weil der Schreiber von seinen mühsam ausgearbeiteten Charakteren nicht lassen kann und noch so viele Geschichten unerzählt bleiben mussten.

    Es ist also letztlich Trennungsbewältigungstherspie des Autors unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
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  • Day11

    Resümee des Tages

    June 20 in Germany ⋅ ☁️ 14 °C

    Auch wenn der Reisetracker dieses Blogs anderes behauptet, möchte ich für die Nachwelt festhalten: 1.750km haben wir mit unseren eigenen Beinen erstrampelt.

    Was haben wir auf dieser Etappe gelernt?

    - Pass genau auf, dass Du Dich nicht beim Pause machen erwischen lässt. Und wenn: Steh dazu! Deine Frau kann vielleicht nicht Kontakte per WhatsApp schicken, aber die Funktion eines Live-Standorttrackers hat sie schnell verinnerlicht.

    - Knapp 200km gegen den Wind sind machbar, aber nicht unbedingt schön

    - Glaube nicht, dass Du mit dem Erreichten einfach nur zufrieden bist. Es gibt immer noch ein höheres, unerreichtes Ziel (1.000km/Woche beispielsweise), was eine Quelle neuen Ansporns oder neuer Unzufriedenheit sein kann.
    Darum wurde die Nörgelbacke Adam auch achtkantig aus dem Paradies geworfen.
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  • Day11

    Sweet spot

    June 20 in Germany ⋅ ☁️ 18 °C

    Das Schönste am Reisen ist das Nachhausekommen. Für diesen flüchtigen Augenblick des Genusses haben wir alles gegeben und eine große Schleife durch Deutschland gedreht.
    Jetzt empfängt uns ungeduldig der Alltag und drückt uns an seine breite Brust. Es warten defekte Duschstange, Katzenklo, Haushalt und die vielen anderen kleinen Dinge ungeduldig darauf, von uns beachtet zu werden; Sie stehen erwartungsfroh in der Schlange wie die Samstagseinkäufer beim Aldi vor der einzigen offenen Kasse - Und säen in uns den Keim neu erwachenden Fernwehs.

    Aber für den Augenblick gilt:
    Respekt, Digga! War schön mit Dir!
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  • Day11

    Im Namen der ROSE

    June 20 in Germany ⋅ ☁️ 20 °C

    Und der Herr sah, dass sie litten im Wind und er erhörte ihre Gebete und er sandte ihnen einen Engel hernieder.
    Der Engel fuhr im Namen der ROSE (aus Bocholt) mit Schwalbe G-ONE (there is just ONE God)
    Und sie emfingen den Engel freundlich und teilten ihren Windschatten mit ihm.
    Gib, so wird Dir gegeben - und so gab der Engel ihnen seinen Windschatten, und sie eilten hinfort wie ihnen gewiesen, und zwar mit über 30 km/h
    Sie bedankten sich beim Engel und fuhren mit neuem Mut voran.

    Und der Herr sah, dass es gut war.
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