Tag 4
May 17–18 in Belgium
🌧 14 °C
Nach unserer zweiten Nacht in Brüssel ging es frühmorgens weiter nach Gent. Die ehemalige Handelsstadt wird oft ein wenig vom berühmteren Brügge überschattet, dabei hat Gent mindestens genauso viel Charme – nur etwas weniger Touristen und dafür eine riesige Burg mitten im Zentrum. Man könnte sagen: Brügge ist der geschniegelt geschniegelt-romantische Bruder, Gent eher der entspannte kleine Bruder mit mittelalterlicher Kulisse und Studentenleben.
Bei einem ersten Rundgang fiel sofort auf, wie reich die Stadt im Mittelalter gewesen sein muss. Überall prächtige Gildehäuser, alte Kirchen und Grachten. Gent war im Mittelalter tatsächlich eine der größten und wohlhabendsten Städte Europas, vor allem durch den florierenden Tuchhandel. Besonders beeindruckend ist die Gravensteen, die mächtige Burg der Grafen von Flandern mitten in der Stadt. Während andere Städte einen Marktplatz ins Zentrum bauten, dachte Gent offenbar einfach: „Warum nicht direkt eine Festung?“
Danach stand eines der kulinarischen Highlights der Reise an: unsere zweistündige Schokotour durch Gent. Unser Guide schaffte es dabei mühelos, spannende Stadtgeschichte mit belgischer Schokolade zu kombinieren – was vermutlich die effektivste Art ist, Menschen für Geschichte zu begeistern. Während der Tour besuchten wir sieben verschiedene Chocolatiers und durften überall andere Spezialitäten probieren: Pralinen, Trüffel, Kuchen, heiße Schokolade und allerlei Süßigkeiten, deren Namen man sich kaum merken konnte, die aber alle hervorragend schmeckten.
Belgien nimmt Schokolade schließlich ähnlich ernst wie Bier. Viele der bekanntesten Pralinen wurden hier erfunden, und belgische Chocolatiers arbeiten oft noch heute in echter Handarbeit. Nach der fünften Verkostung begann allerdings langsam der Punkt, an dem man sich fragt, ob man jemals wieder etwas anderes essen möchte – oder jemals wieder Zucker braucht.
Im Anschluss ging es weiter nach Brügge, das oft als „Venedig des Nordens“ bezeichnet wird. Mit seinen Grachten, kleinen Brücken und mittelalterlichen Häusern wirkt die Stadt tatsächlich fast wie eine Filmkulisse. Die komplette Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und hat ihre mittelalterliche Struktur bis heute fast vollständig erhalten.
In der nahezu eiförmig angelegten Altstadt besuchten wir zunächst den ruhigen Beginenhof mit seinem kleinen Garten. Der Beginenhof wurde bereits im 13. Jahrhundert gegründet und diente unverheirateten religiösen Frauen als Wohnort. Heute wirkt die Anlage mit ihren weißen Häusern und alten Bäumen wie eine kleine Oase mitten in der touristischen Innenstadt.
Anschließend spazierten wir über die berühmte „Brücke der ewigen Liebenden“, die Minnewater Brücke am romantischen Minnewater-Park. Der Legende nach sollen Paare, die die Brücke gemeinsam überqueren, für immer zusammenbleiben. Angesichts des Wetters hätte man allerdings eher glauben können, dass man dort gemeinsam für immer nass bleibt.
Denn pünktlich zum Abend setzte typischer belgischer Platzregen ein – und zwar nicht die gemütliche Nieselvariante, sondern die Sorte Regen, bei der selbst Regenjacken anfangen, ihre Lebensentscheidungen zu hinterfragen. Deshalb beschlossen wir kurzerhand, uns bereits gegen halb sieben in ein Restaurant zu retten und Moules Frites zu essen – den belgischen Klassiker aus Muscheln und Pommes. Dazu natürlich wieder ein neues belgisches Bier.
Mittlerweile hatten wir in Belgien zwar schon erstaunlich viel Bier probiert, aber tatsächlich noch keines doppelt getrunken. Das ist in Belgien allerdings auch gar nicht so schwierig: Das Land besitzt über 1.500 verschiedene Biersorten. Besonders schön ist außerdem die belgische Tradition, dass fast jedes Bier in seinem ganz eigenen Glas serviert wird. Manche sehen elegant aus, andere eher wie ein kleiner Pokal oder ein Chemielabor-Experiment – aber genau das macht den belgischen Bierkult irgendwie perfekt.Read more






















