Tag 6
May 18 in Belgium
🌙 11 °C
An unserem fünften Reisetag gönnten wir uns morgens zunächst wieder ein paar süße Teilchen vom Bäcker – schließlich hatten wir inzwischen verstanden, dass Belgier nicht nur Bier und Schokolade beherrschen, sondern offenbar auch Frühstück in Zuckerform perfektioniert haben.
Danach starteten wir mit unserer rein deutschen Reisegruppe exakt drei Minuten vor 9:30 Uhr – also praktisch überpünktlich – zu unserer Stadtführung durch Bruges inklusive Grachtenfahrt und Schokoladenverkostung. Deutsche Reisegruppen und Pünktlichkeit funktionieren eben selbst im Ausland erstaunlich zuverlässig.
Los ging es am berühmten Markt, dem zentralen Marktplatz der Stadt. Dort stehen das imposante Provinzpalais und natürlich der berühmte Belfried von Brügge, der mittelalterliche Belfried mit seinen 83 Metern Höhe. Früher diente der Turm nicht nur als Glockenturm, sondern auch als Schatzkammer und Feuerwache. Wer die 366 Stufen bis nach oben erklimmt, wird mit einer großartigen Aussicht über die Dächer Brügges belohnt – und vermutlich mit leicht zitternden Beinen.
Während unseres Rundgangs durch die Altstadt kamen wir an unzähligen typischen Sehenswürdigkeiten vorbei, die man bei einer klassischen Brügge-Stadtführung einfach gesehen haben muss. Dazu gehörten unter anderem die alten Gildehäuser am Markt, die romantischen Grachten, der Burgplatz mit seinen prachtvollen Gebäuden, die gotische Basilica mit ihrer berühmten Blutreliquie, das historische Rathaus, die schmalen Kopfsteinpflastergassen, kleine Innenhöfe, die typischen weißen Brücken über die Kanäle, zahlreiche Chocolatiers, versteckte Bierkneipen und natürlich die vielen Schwäne auf den Grachten. Funfact: Der Legende nach müssen in Brügge bis heute Schwäne gehalten werden, weil ein aufgebrachter Bürger im Mittelalter einen Berater des Kaisers ermordete, dessen Familienwappen einen Schwan zeigte. Seitdem sollen die Schwäne als ewige Erinnerung in der Stadt bleiben.
Im Anschluss durften wir bei einer Grachtenfahrt entspannt durch die Kanäle der Stadt schippern. Vom Wasser aus wirkt Brügge noch einmal deutlich märchenhafter. Die alten Backsteinhäuser spiegeln sich in den Grachten, kleine Brücken führen über das Wasser und gefühlt jede Ecke sieht aus wie ein Postkartenmotiv. Kein Wunder, dass die Stadt oft als „Venedig des Nordens“ bezeichnet wird.
Danach ging es weiter zur Brauerei Bourgogne des Flandres, einer der beiden verbliebenen Brauereien direkt in Brügge. Die andere berühmte Brauerei ist De Halve Maan Brewery, die durch ihre unterirdische Bierpipeline bekannt wurde. Ja, in Brügge gibt es tatsächlich eine Bierpipeline unter der Stadt – weil die Belgier offenbar selbst für Bier kreativste Lösungen finden.
Natürlich durfte auch der bereits am Vortag besuchte Beguine nicht fehlen. Zwischen den weißen Häusern, alten Bäumen und der ruhigen Atmosphäre wirkte der Beginenhof erneut wie eine kleine Auszeit vom touristischen Trubel der Stadt. Neben dem bekannten Begiunenhof unterhält die Stadt noch rund 70 weitere Quartiere, in denen alleinstehende Frauen leben können. Diese sind ähnlich der Fuggerei in Augsburg aufgebaut, aber eben nur für Frauen.
Um all die Eindrücke und die erstaunlichen Mengen an Schokolade zu verarbeiten, gönnten wir uns anschließend noch eine Bierverkostung in der Brauerei. Belgisches Bier bleibt einfach eine Wissenschaft für sich: mal fruchtig, mal extrem stark, mal überraschend süß – aber nie langweilig.
Danach machten wir uns auf den Weg nach Antwerpen, unserem fünften Stopp der Reise. Schon bei der Ankunft beeindruckte uns sofort der wunderschöne Antwerpen-Centraal Bahnhof. Der Bahnhof gilt als einer der schönsten Europas und wirkt mit seiner riesigen Kuppel, den Marmortreppen und den prunkvollen Hallen eher wie ein Palast als wie ein Bahnhof. Man versteht sofort, warum er oft als „Eisenbahnkathedrale“ bezeichnet wird.
Nach dem Einchecken im Hotel starteten wir direkt zu einem kleinen Abendrundgang durch die Stadt. Zuerst ging es über den beeindruckenden Grote Markt mit seinen prachtvollen Gildehäusern und dem imposanten Rathaus. Der Platz gehört zu den schönsten historischen Marktplätzen Belgiens und zeigt, wie reich Antwerpen während seiner Blütezeit als Handelsmetropole war.
Von dort liefen wir weiter zur gigantischen Kathedrale. Die Liebfrauenkathedrale ist die größte gotische Kirche Belgiens und beherbergt mehrere Werke des berühmten Malers Peter Paul Rubens. Besonders der Turm dominiert die gesamte Skyline der Stadt.
Ganz in der Nähe entdeckten wir dann die kleine Vlaeykensgang – eine versteckte mittelalterliche Gasse, die tatsächlich ein bisschen wie die Winkelgasse aus Harry Potter aussieht. Zwischen alten Backsteinmauern, kleinen Innenhöfen und historischen Häusern fühlt man sich dort plötzlich mehrere Jahrhunderte zurückversetzt.
Anschließend spazierten wir weiter zum Ufer der Schelde und durch den berühmten St. Anna Tunnel. Der Tunnel verbindet seit 1933 die beiden Seiten der Schelde und ist besonders für seine alten hölzernen Rolltreppen bekannt, die tatsächlich noch original erhalten sind. Allein die Fahrt damit fühlt sich schon wie eine kleine Zeitreise an.
Vorbei an der mittelalterlichen Burg Het Steen, der ältesten erhaltenen Festung der Stadt, ging es schließlich weiter zu einem kleinen Café. Dort saßen wir entspannt in der Sonne, tranken den Cappuccino des Tages und beobachteten das bunte Treiben der Stadt. Den Abend ließen wir anschließend ganz gemütlich mit weiteren belgischen Spezialitäten ausklingen – denn selbst nach mehreren Tagen Belgien gab es immer noch neue Biere, neue Süßigkeiten und neue Gerichte zu entdecken.Read more



















Gefällt mir immer wieder, Luca 👍🏻 [Beate]