• Tag 7

    May 19–20 in Belgium ☁️ 16 °C

    Heute erkundeten wir morgens noch einmal ausführlich Antwerpen. Los ging es an der mittelalterlichen Burg Het Steen direkt an der Schelde. Die Festung ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt und stammt ursprünglich aus dem frühen Mittelalter. Früher diente sie unter anderem als Verteidigungsanlage, Gefängnis und sogar zeitweise als Wohnhaus. Heute befindet sich darin eine moderne Ausstellung zur Stadtgeschichte Antwerpens, die zeigt, wie aus einer kleinen Handelsstadt einer der bedeutendsten Häfen Europas wurde. Besonders spannend: Antwerpen war im 16. Jahrhundert zeitweise eine der reichsten Städte der Welt.

    Von dort liefen wir weiter zum Rubenshuis, dem ehemaligen Wohnhaus des berühmten Malers Peter Paul Rubens. Rubens gehört zu den bekanntesten Barockmalern überhaupt und war im 17. Jahrhundert so gefragt, dass seine Werkstatt fast schon wie eine künstlerische Massenproduktion funktionierte. Das Haus selbst ist beeindruckend: prachtvolle Räume, ein wunderschöner Innenhof und ein ruhiger Garten mitten in der Stadt. Man merkt sofort, dass Rubens nicht nur ein erfolgreicher Künstler, sondern auch ziemlich wohlhabend war. Der Garten wirkte jedenfalls eher wie die private Anlage eines kleinen Schlosses als wie der Hinterhof eines Malers.

    Im Anschluss schlenderten wir durch das berühmte Diamantenviertel rund um den Hauptbahnhof. Antwerpen gilt seit Jahrhunderten als Welthauptstadt des Diamantenhandels – ein großer Teil aller weltweit gehandelten Rohdiamanten passiert irgendwann diese Stadt. Entsprechend reiht sich dort ein Diamantenladen an den nächsten. Gefühlt gibt es in diesem Viertel tatsächlich fast so viele Juweliere wie in Belgien Chocolatiers. Zwischen Hochsicherheitsgeschäften, glitzernden Schaufenstern und streng wirkenden Händlern fühlt man sich ein bisschen wie in einem Heist-Film.

    Danach ging es vom wunderschönen Antwerpen-Centraal Bahnhof weiter Richtung Rotterdam. Schon bei der Ankunft merkt man sofort, dass Rotterdam ganz anders wirkt als die bisherigen Städte unserer Reise. Während viele belgische Städte mit mittelalterlichen Gassen und historischen Fassaden glänzen, dominieren hier moderne Architektur, Hochhäuser und futuristische Gebäude.

    Der Grund dafür ist tragisch: Rotterdam wurde im Zweiten Weltkrieg durch deutsche Luftangriffe fast vollständig zerstört. Statt die Altstadt originalgetreu wieder aufzubauen, entschied sich die Stadt danach bewusst für moderne Architektur und innovative Stadtplanung. Heute gilt Rotterdam deshalb als Architekturhauptstadt der Niederlande.

    Von Bahnhof aus machten wir uns direkt auf den Weg zur futuristischen Markthal. Die riesige Markthalle sieht von außen aus wie ein gigantischer, halb offener Bogen aus Glas und Stahl. Innen befindet sich nicht nur ein riesiger Food Market, sondern auch eines der größten Kunstwerke der Niederlande an der Decke – ein farbenfrohes Gemälde aus überdimensionalen Früchten, Blumen und Lebensmitteln. Dort stärkten wir uns erst einmal mit niederländischen Poffertjes – kleinen fluffigen Mini-Pfannkuchen mit Puderzucker – und natürlich mit Pommes, denn diese Reise entwickelte sich langsam auch zu einer internationalen Kartoffelstudie.

    Danach liefen wir weiter zu den berühmten Cube Houses. Die schräg gekippten Häuser gehören zu den bekanntesten Bauwerken der Stadt und sehen aus, als hätte jemand beim Zusammenbauen vergessen, die Wasserwaage zu benutzen. Entworfen wurden sie vom Architekten Piet Blom, der mit ihnen eine Art „Wald aus Häusern“ schaffen wollte. Natürlich schauten wir uns die Gebäude auch von innen an – und spätestens dort verstand man, warum normale Möbel in solchen Häusern wahrscheinlich schnell zu einer Herausforderung werden.

    Nach einem kurzen Blick auf den Old Harbour mit seinen historischen Schiffen und modernen Hochhäusern im Hintergrund machten wir uns schließlich wieder auf den Rückweg. Rotterdam wirkte insgesamt wie das komplette Gegenprogramm zu Brügge: weniger Mittelalter, dafür mehr Zukunftsvision. Am Abend ging es schließlich zurück nach Antwerpen, wo wir den Tag entspannt ausklingen ließen.
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