Tag 8
May 20–21 in the Netherlands
☁️ 17 °C
An unserem letzten vollen Reisetag starteten wir den Morgen ganz entspannt mit Apfelkuchen und heißem Kakao – eine Kombination, die sich inzwischen als hervorragende Grundlage für stundenlange Stadtspaziergänge etabliert hatte.
Danach ging es zum beeindruckenden Museum aan de Stroom, besser bekannt als MAS Museum. Schon das Gebäude selbst ist ein absolutes Highlight. Der riesige rote Backsteinbau erinnert mit seiner Form an einen modernen Leuchtturm und besitzt eine außen umlaufende, gewellte Glasfassade, die an Wasserbewegungen erinnern soll – passend zur engen Verbindung Antwerpens mit dem Hafen und der Schifffahrt.
Besonders auffällig sind außerdem die unzähligen Hände an der Außenfassade. Dahinter steckt die wohl makaberste Stadtlegende Belgiens: Der Name Antwerpen soll vom niederländischen „Hand werpen“ stammen, also „Hand werfen“. Der Legende nach verlangte einst ein Riese von allen Schiffen auf der Schelde Zoll. Wer nicht zahlen konnte, verlor seine Hand, die anschließend in den Fluss geworfen wurde. Erst ein mutiger Held soll den Riesen besiegt und ihm kurzerhand dasselbe Schicksal verpasst haben. Ziemlich brutal – aber immerhin einprägsam.
Im Museum selbst verteilen sich auf neun Etagen zahlreiche Ausstellungen, während ganz oben eine fantastische Panoramaterrasse auf die Besucher wartet. Besonders schön: Die Rolltreppen führen spiralförmig außen am Gebäude entlang, sodass man während des Hochfahrens immer neue Ausblicke über Antwerpen bekommt. Inhaltlich war das Museum überraschend vielseitig. Unter anderem lernten wir etwas über Kontaktsportarten, amerikanische Kunst, Antwerpen im Krieg, globale Handelswege und die historische Lebensmittelversorgung der Stadt. Gerade die Themen rund um Handel und Hafen machten noch einmal deutlich, wie sehr Antwerpen seit Jahrhunderten vom internationalen Austausch geprägt ist.
Danach machten wir noch einen Zwischenstopp in einem fantastischen Keks- und Süßigkeitengeschäft – schließlich bestand unsere Reise inzwischen gefühlt zu gleichen Teilen aus Kulturprogramm und Kalorienaufnahme.
Anschließend ging es weiter zum Bahnhof und von dort nach Maastricht, unserem letzten Ziel der Reise. Dort besuchten wir meinen Cousin Lionel. Maastricht gehört zu den ältesten Städten der Niederlande und wirkt mit seinen historischen Gebäuden, kleinen Gassen und gemütlichen Plätzen fast ein bisschen burgundisch. Außerdem wurde hier 1992 der Vertrag von Maastricht unterzeichnet, der die Grundlage für die Europäische Union und den Euro schuf.
Kaum angekommen, probierten wir natürlich direkt eine niederländische Spezialität: Bitterballen. Die frittierten Kugeln gelten in den Niederlanden als absoluter Klassiker zum Bier. Innen befindet sich allerdings eine heiße, cremig-fleischige Masse mit einer Konsistenz, die irgendwo zwischen Ragout und Lava liegt. „Gönnen“ wäre für meine erste Erfahrung damit allerdings vielleicht etwas zu positiv formuliert.
Unser Hotel Les Charmes war dafür umso gemütlicher. Das kleine Boutiquehotel hatte das Thema „Koffer“ und versprühte genau den charmanten Stil, den man sich für einen letzten Stopp der Reise wünscht.
Von dort liefen wir über die Maas Richtung Vrijthof, dem bekanntesten Platz der Stadt. Rund um den Platz herrschte überall entspanntes Leben zwischen Cafés, Restaurants und historischen Gebäuden.
Direkt daneben besichtigten wir die auffällige rote St. Johannes Kirche sowie die beeindruckende Servatiusbasilika. Die Servatiusbasilika gilt als die älteste Kirche der Niederlande und geht auf das Grab des heiligen Servatius aus dem 4. Jahrhundert zurück. Entsprechend bedeutend ist sie bis heute für die Geschichte und Religion der Region.
Ein besonderes Highlight war außerdem die Boekhandel Dominicanen, eine Buchhandlung in einer ehemaligen Dominikanerkirche. Zwischen alten Gewölben, riesigen Fenstern und meterhohen Bücherregalen wirkt der Laden fast surreal schön. Nicht umsonst zählt er regelmäßig zu den schönsten Buchhandlungen der Welt. Bücher in einer Kirche zu verkaufen fühlt sich zwar zunächst leicht verboten an – funktioniert aber erstaunlich gut.
Über den Rathausplatz und vorbei am historischen Rathaus spazierten wir schließlich weiter zum Aperitiftrinken. Damit ließen wir unseren letzten vollständigen Urlaubstag entspannt ausklingen – zwischen niederländischem Charme, historischen Gassen und dem Gefühl, dass diese Reise viel zu schnell vergangen war.Read more











