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  • Day12

    Von 0 auf 1850 in 3 Stunden!

    August 13, 2018 in Norway ⋅ ☀️ 6 °C

    Nach einer etwas unruhigen Nacht in unserer kleinen Campinghütte war der See am Morgen in dichten Nebel getaucht. Wir ließen es etwas ruhiger angehen, machten erstmal Frühstück und informierten uns über die Umgebung und eine mögliche Gletscherwanderung. Allerdings nicht für den heutigen Tag, denn der Plan für heute stand schon fest. Ich wollte heute den Skåla bezwingen, eine der anspruchsvollsten Bergwanderungen in Norwegen. Auf einer Strecke von 8km überwindet man 1850 Höhenmeter! Da für Sandra die Tour zu anstrengend (sie hat auch kein Interesse) ist, möchte sie sich ein wenig die Umgegend anschauen und den Tag in Ruhe genießen.  Denn als sich gegen 10:30 Uhr der Nebel verzog, präsentierten sich die Berge im strahlenden Sonnenschein bei 20 Grad. Perfektes Wetter für meine Berg-Tour. Nach einigem hin und her konnte ich dann gegen 11:30 Uhr endlich starten. Da der Skåla direkt neben unserem Campingplatz ist, fuhr mich Sandra nur 2 km zum offiziellen Startpunkt an einem reißenden Fluß. Da für die Tour 8 Stunden (5 hoch und 3 runter) veranschlagt werden, war es auch höchste Zeit aufzubrechen. Sandra wollte zunächst nach Stryn, der größten Stadt in der Umgebung, um ein paar Besorgungen zu machen. Ich stiefle also los und schon nach wenigen Metern wurde der Weg recht steil, irgendwie muss man ja die 1850m überwinden! Zunächst war es ein Waldweg, später ging er in einen Steinweg über, der am Gletscherfluss entlang führte. Ich rätselte noch immer, welcher der vielen Gipfel auf die ich zuging, eigentlich der Skåla ist. Irgendwann überquerte ich einen Fluss und nach gut einer Stunde ging der Steinweg in einen losen Schotterweg über. Hier wurde das Umfeld des Wegs auch immer steiniger und es gab bald kaum noch grün zu sehen. Nach gut 1.5 Stunden kam ich bei einem wunderbar blauen und klaren Gletschersee an. Da ich aber gerade einen guten Rhythmus hatte, ging es nach einer kurzen Verschnaufpause direkt weiter. Unweit des See gab es ein Schild, das angab, dass ich mich bereits auf 1150 m befinde und es noch 3.5 km sind. Nicht schlecht, dachte ich mir. Also weiter. Nun kamen auch schon die ersten Schneefelder und es wurde windiger. Auch der Weg wurde beschwerlichen, es ging über Felsen und Geröllfelder, in die ein Weg gebaut wurde. Der führte zwischen zwei Bergspitzen hindurch und machte anschließend einen Knick. Als ich dann nach oben schaute, sah ich nur Felsen und Geröllfelder. Es war nicht ersichtlich, wo der Gipfel ist, noch wo genau der Weg lang ging. Der offizielle Weg war mit einem T gekennzeichnet, allerdings war oft nicht ersichtlich, wie man da entlang laufen soll! Bei dem Anblick stellte ich mir die Frage: "Warum machst ich das eigentlich?"
    Langsam schleppte ich mich die steilen Felsen und Geröllfelder hinauf. Immer wieder musste ich kurz anhalten um durchzuschnaufen. Stück für Stück kämpfte ich mich nach oben und obwohl ich das Gefühl hatte, recht langsam zu sein, überholte ich einige andere Wanderer. So ging es eine gefühlte Ewigkeit. Nach einem Schneefeld ging der lose Weg in ein mehr oder weniger bebauten Treppenpfad über. Noch immer war nicht zu erkennen, wann ich endlich oben sein würde. Dann tauchte plötzlich nicht allzu weit entfernt ein Gebäude auf und kurze Zeit später sah ich den runden Turm, der den Gipfel markiert. Überrascht davon, dass ich doch nur 3 Stunden für den beschwerlichen Aufstieg gebraucht habe, erreichte ich den Gipfel und genoss die wunderbare Aussicht bei Sonnenschein und blauem Himmel. Allerdings war es sehr windig und recht kalt. Also erstmal etwas überziehen und dann etwas essen. Dummerweise hatze ich nur Nüsse dabei, nicht mal die Äpfel hab ich eingepackt 😕
    Nach kurzer Rast erkundete ich den Gipfel und machte Bilder von dem grandiosen Panorama. Auf einer großen Schneewehe lernte ich durch das übliche "can you take a picture of me" Pascal kennen. Wir unterhalten uns kurz auf Englisch und ich frage ihn,woher er kommt. Natürlich aus Deutschland, also switchen wir zu deutsch. Im Verlauf der Unterhaltung entdecken wir immer mehr, fast schon unheimliche Gemeinsamkeiten. Er ist auch Thüringer (Aus Eisenach), wohnt auch in der Nähe von Stuttgart und ist auch noch auf dem selben Campingplatz wie wir! Zufälle gibt's, unglaublich. Wir erkunden zusammen noch ein wenig den alten Trum und das neue Gebäude auf den Gipfel. In beiden gibt es die Möglichkeit spontan zu übernachten und sogar eine Küche mit Ofen ist vorhanden. Selbst Lebensmittel gibt es dort oben. Diese  werden über die "Kasse des Vertrauens" abgerechnet.
    Ich bin beeindruckt von der Ausstattung und was es oben in der Hütte so alles gibt. Hätte ich das mal eher gewusst, dann hätte ich eine Nacht dort verbracht.
    Da mir nach fast zwei Stunden auf dem Gipfel allmählich kalt wurde, machte ich mich zusammen mit Pascal auf zum Abstieg. Bis zu den Geröllfeldern kamen wir auch ganz zügig vorran, dann wurde es wieder beschwerlicher und uneindeutiger. Plötzlich hörten wir einen Hubschrauber, der hoch zum Gipfel fliegt. Ob da was passiert ist?  Kurz danach fliegt er wieder ins Tal nur um nach gut 10 Minuten mit zwei großen Säcken, die unten am Hubschrauber befestigt sind, wieder auf den Gipfel zu fliegen. Nach gut einer Stunde erreichen wir den blauen Gletschersee, diesmal machen wir jedoch eine Rast, um unsere Füße etwas im klaren Wasser zu kühlen. Kurz dannach tauchte der Hubschrauber plötzlich über uns auf und lud seine Fracht etwa 100 m von uns entfernt auf einer Felsfläche ab. Als wir nach ca. 30 min weiter gingen, nahm sich jemand der Hubschrauber-Ladung an. Ich fragte, was der Hubschrauber abgeladen hat, der Mann antwortet, das sei für den Skåla-Lauf am 18.8.
    Da rennen die Leute dann den Berg hinauf! Wie verrückt ist das denn? Ich war mit meinen 3 Stunden schon ganz zufrieden, wer weiß wie schnell die Läufer dann oben sind!
    Wir gingen also weiter und unterhielten uns. Da Pascal erst ein Jahr in Neuseeland war und ich auch gern mal da hin will, war das lange Zeit ein Thema. So verging die Zeit recht zügig, wir brauchten inklusive 30min Fußbad im See dann doch 3 Stunden für den Abstieg - genau so lang wie für den Aufstieg.
    Mit glühenden Knien und schweren Beinen erreichten wir den Parkplatz, auf dem Sandra schon auf uns wartete.  Nach kurzem Smalltalk ging es dann zurück auf den Campingplatz, denn Sandra war so lieb und hat ein vorzügliches Abendessen zubereitet, Spaghetti Bolognese - alles selbst gekocht. Genau das richtige nach so einem Tag! Wir luden Pascal noch zum Essen ein und nach einer warmen Dusche genossen wir mit herrlicher Aussicht auf den See unser Abendessen. Wir saßen und sprachen bis 23 Uhr und dann ging es ab in die Hütte. Was für ein Tag!
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