• Der morbide Charme Venedigs

    September 17 in Italy ⋅ 🌧 21 °C

    …oder wie aus einem Regentag noch ein besonderes Erlebnis wurde.
    Regen prasselt auf unsere Dachluke, man will nicht aus dem Bett, aber Mutter Natur ruft. Beim Frühstück den nächsten Campingplatz organisieren, Abbauen, Bezahlen, Verabschieden, Tanken, Pickerl nicht vergessen und „schon“ rollen wir auf der Autobahn gen Süden. Die Wolken hängen tief in den Bergen, wir können viel mit der Strecke verbinden, denn sie folgt dem geliebten Alpe Adria Radweg. Zuerst lässt der Regen nach, als wir nach rd. 1,5 Stunden bei Palmanove Richtung Mailand abbiegen reißt der Himmel auf, nach einer weiteren Stunde haben wir bereits den Camping Venezia Village erreicht. Einchecken unkompliziert, mit ACSI 27 €, perfekt. Der Platz ein Fünfer im Lotto, alles picobello. An der Rezeption erhalten wir für 6 € zwei Bustickets, der Weg zur Haltestelle dauert fussläufig 5 Minuten und drei Haltestellen weiter erreichen wir bei Sonnenschein Venedig.
    Jeder von uns war vor gefühlt 35 oder mehr Jahren -also in einem anderen Leben- schon einmal hier, Erinnerungen insofern gegen Null. Die Idee ist, sich einfach treiben zu lassen, die Atmosphäre zu atmen, Rialto-Brücke und Markusplatz, so kompliziert kann es ja nicht sein. Dann tauchen wir ein in die engen Gässchen, in denen man schnell die Orientierung verliert, die Sackgassen an denen die Brücken über das Wasser fehlen und die vielen anderen Menschen, die sich einfach nicht auf eine Marschrichtung einigen können, wahrscheinlich ähnlich verloren sind wie wir. Also doch Google Maps, die Orientierung ist zurück, begleitet von der Erkenntnis, wie weitläufig Venedig doch ist. Jetzt laufen wir auch übers Wasser, weil da Brücken sind. Wir kommen in die belebtere Umgebung, fragt sich, wo wir denn bisher mit den vielen anderen Menschen waren. Plötzlich folgen wir der Beschilderung Ponte di Rialto und erreichen den Canal Grande mit einem weiteren Zugewinn an Erkenntnis, es gibt noch viel viel mehr Menschen, die in der Nebensaison Venedig besuchen. Wir wollen dazugehören, machen Fotos von der Rialtobrücke, auf der Rialtobrücke und mit uns am Canal Grande. Frage: wollen wir eigentlich noch weiter, oder geht es langsam zurück. Wir verdursten mittlerweile, wie eine Fata Morgana taucht da in einer dunklen Gasse die Bar „Ai Stagneri“ vor uns auf, das Lokal ist winzig, bietet fast nur Stehplätze, aber Paolo weiß was wir brauchen, ein Spritz Veneziano, ein Moretti und zwei mal Prosciutto Crudo mit getrockneten Tomaten, gerettet.
    Doktor Google hat sich den Rückweg aus dem Labyrinth gemerkt, auch wenn wir mit den sieben Brücken von Peter Maffay bei Weitem nicht auskommen, finden wir so tatsächlich nach einer halben Stunde den Busbahnhof. Heute ist unser Tag, die Buslinie 5 wartet schon und der Fahrer stellt einen neuen Rekord auf, nach 7 Minuten sind wir bereits wieder zurück an der Haltestelle am Camping. In den Rezensionen wird die Pizza im Restaurant am Platz gelobt, wir können das nur bestätigen. Jetzt noch eine heiße Dusche dann wird es höchste Zeit die Bettkarte zu stempeln.
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