Lost and found
December 30, 2023 in Guatemala
☁️ 19 °C
"Espera! Slow down! Where are you? Ayuda! Help!" .... unsere Hilferufe werden nicht erhört.
Unsere Befürchtungen, dass wir uns durch das völlig rücksichtslose Verhalten des Guides verlieren könnten, sind wahr geworden. Aber warum warten die anderen nicht auf uns? Kann es sein, dass wir bereits am falsch Weg sind?
Wir sind jetzt nur noch zu sechst. Die drei australischen Burschen, ein völlig bekiffter Übersetzer, der mit der Situation komplett überfordert ist, und wir.
Wir stehen auf einen der vielen kleinen Wege, die in alle Himmelsrichtungen verlaufen. Wo müssen wir nur lang?
Nach weiteren Stunden im dichten Gestrüpp kommen wir zumindest auf einen etwas breiteren Weg, wo wir Pferdenspuren erkennen können.
Völlig erschöpft und durchnässt erreichen wir einen kleinen überdachten Rastplatz. Eine lange Pause können wir uns jedoch nicht erlauben. Wenn wir noch in das Camp wollen, bevor es finster wird, müssen wir weitergehen.
Aussichtslos und mit Tränen in den Augen folgen wir den breiten schlammigen Pferdeweg. Ob wir in die richtige Richtigung gehen, ist uns schon lange nicht mehr klar. Wenn wir auf der Route der Pferde bleiben, müssen wir doch irgendwann im Camp oder zurück in Carmelitta ankommen... zumindest hoffen wir das.
Verzweiflung kommt auf, als wir schon von weitem erkennen, dass der Hauptweg komplett unter Wasser steht und wir uns einem Sumpfgebiet nähern. Ringsum ist kein Weg mehr zu sehen - nur Wasser.
Wir kämpfen uns einige Meter durch den Matsch zurück, versuchen den Sumpf zu umwandern und verirren uns dabei immer tiefer im dichtem Dschungel. Panik kommt auf.
Wir kommen einfach nicht weiter, da uns das tiefe Wasser den Weg versperrt. Der Dschungel fühlt sich an wie ein Gefängniss ohne Ausweg. Abel, der Übersetzer, versucht es durch den Sumpf. Wir sind uns nicht einig, ob das so schlau ist. In unserer Verzweiflung entscheiden wir, ihm zu folgen. Wir würden alles dafür tun, um nicht mehr in dieser grünen Hölle zu sein. Also kämpfen wir uns bis zu den Oberschenkeln im Wasser durch den matschigen Sumpf.
Erleichtert und pritschnass atmen wir auf. Wir haben es durch das Wasser geschafft, aber was nun? Es dämmert bereits, die Tiergeräusche um uns herum werden immer lauter, wir stecken tief im Schlamm und finden keinen Ausweg.
Immer größer wird das Gefühl, dass wir im Kreis gelaufen sind, obwohl hier einfach alles gleich aussieht.
Plötzlich sind wir uns alle sicher. Diese wunderschöne rote Blume haben wir schon einmal gesehen. Sie ist die einzige Blume dieser Art, die uns bis jetzt aufgefallen ist und ihre Umgebung ist uns bekannt. Was sollen wir nun tun? Zurück gehen, den Weg weiter folgen, oder im nirgendwo hoffnungslos auf Hilfe warten.
Die rote Blume war nicht allzu weit vom Rastplatz entfernt. Wir können ungefähr einschätzen, wo wir sind. In Ruhe entscheiden wir uns, Richtung Rastplatz zu laufen. Sollten wir wirklich dort ankommen, könnten wir ein Nachtlager errichten.
Tatsächlich, wir haben es geschafft. Wir sind durchnässt und völlig erschöpft am Rastplatz angekommen. Obwohl wir ein bisschen erleichtert sind, einen Unterstand zu haben, herrscht Ungewissheit, ob wir heute, morgen oder überhaupt gefunden werden.
Mehrere Versuche einen Notruf abzugeben sind mangels Handyempfang fehlgeschlagen. Immer wieder benutzen wir die Notfallpfeifen an unseren Rucksäcken, um vielleicht doch von jemandem gehört zu werden.
Es scheint, als müssten wir tatsächlich die Nacht hier verbringen. Wir teilen uns in Gruppen auf. Ein Lagerfeuer ist jetzt die oberste Priorität, um Schutz vor wilden Tieren zu gewähren. Ein Teil von uns sammelt trockenes Holz, während die anderen ein Feuer entfachen. Die Vorliebe des Übersetzers bei Wandertouren durch den Dschungel stoned zu sein, ergibt sich nun zu einem Vorteil für uns. Schließlich braucht man ein Feuerzeug, um Gras zu rauchen.
Wir platzieren unsere Socken und Schuhe zum Trocknen am Feuer. Die warmen Flammen strahlen etwas Sicherheit aus.
Die Situation hat sich entspannt. Wir sitzen um das Feuer und können sogar gemeinsam Lachen.
Plötzlich steht unser Guide Necta (ohne Machete, Wasser und Erste-Hilfe-Set) vor uns. Als ob das ganze eine Prüfung gewesen wäre, kommt die Rettung erst, als wir uns selber in eine bessere Lage verholfen hatten. Am Sammelplatz ein Lager aufzuschlagen und nicht weiter zugehen war letztendlich die richtige Entscheidung.
Nach 5 Stunden alleine im Dschungel kam von unserem Guide keine Entschuldigung, kein "wie geht es euch?", sondern nur ein "Let's go, there is a Puma close-by".
Weiter 1,5 Stunden Fußmarsch in der Dunkelheit standen uns bevor, bis wir das Camp um ca. 7.30 Uhr abends kraftlos erreichten.
Nachdem wir heute 10 Stunden und weit über 30 km durch Wald, Schlamm und Sümpfe marschierten, von denen wir 5 Stunden lang große Angst erlitten, fallen wir komplett k.o. ins Zelt.
Als wir vom Rest der Gruppe getrennt waren, hat niemand Fotos gemacht. Diesen Tag werden wir wohl auch so niemals vergessen.Read more














TravelerSo ein Wahnsinn!
TravelerIch danke Gott, dass ihr das halbwegs gut überstanden habt, war immer in Sorge.
Traveler
Ein Erlebnis auf Lebenszeit.