• Ein harter Weg ins neue Jahr

    December 31, 2023 in Guatemala ☀️ 26 °C

    Nach all der Aufregung haben wir tief und fest geschlafen. Trotzdem weckt uns um 05.00 Uhr der Wecker zum Frühstück. Es ist noch dunkel, als wir aus dem Zelt kriechen. Der Ofen ist noch warm und er hat unsere Schuhe über Nacht halbwegs getrocknet. Die Pferde, die etwas früher als wir aufbrechen, sind bereits mit Nachschub an Proviant bepackt und machen sich auf den Weg zum zweiten Camp. 9 Stunden und rund 28km liegen zwischen uns und dem Schlaflager bei El Mirador.

    Alfonso wird die kommenden Tage unser neuer Guide sein. Wir erfahren von ihm, dass er am Vortag eine Gruppe zurück nach Carmelita geführt hat. Noch in der selben Nacht ist er wieder zurück ins erste Lager marschiert, von dem aus er uns ins nächste Camp begleitet. Wir fragen uns, wie ein Mensch das schaffen soll. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten.

    Wir sind nun wieder auf der Schlammpiste. Wir schwören uns, besser darauf zu achten, dass wir als Gruppe zusammenbleiben, vor allem da wir jetzt wissen, warum die Guides hier so gestresst sind und durch den Dschungel rasen. Schlafmangel mit Kokainkonsum auszugleichen ist nicht schlau, wenn man dafür verantwortlich ist, eine Wandergruppe 120km durch den Dschungel zu führen.

    Auch wenn heute wieder ein Kraftakt vor uns liegt, haben wir in dieser Etappe einen großen Vorteil. Durch Lasertechnologie haben Forscher*innen von Flugzeugen aus Straßen entdeckt, die die zahlreichen Ansiedelungen der Maya mit ihrer Hauptstadt verbinden.
    Und wir befinden uns auf dem Teil, der uns direkt in die untergegangene Dschungelmetropole führt.

    Wissenschaftler*innen bezeichnen das 270km lange Straßennetz als den ersten Freeway der Menscheitsgeschichte. Manche Teile der Straßen waren bis zu 60m breit. Diese Lebensadern des Handels waren einer der Hauptgründe, warum sich hier in diesem völlig abgeschiedenen Bereich der Welt überhaupt Siedlungstrukturen bilden konnten.

    Bestehend aus mehreren Schichten verliefen die Straßen über höher gelegene Dschungelgebiete. Somit war es den Siedlern auch in der Regenzeit möglich in Verbindung zu bleiben.
    Blieb der Regen für längere Zeit aus, wurden die tieferen Ebenen links und rechts entlang der Straßen als Wasserspeicher verwendet. Asphalt verdichtet heutzutage unsere schwarzen Autobahnen. Die Straßen der Mayas erstrahlten in einem hellen Weiß. Riesige Mengen an Holz wurden verbrannt, um aus Kalkstein den Straßenbelag zu gewinnen. In der Regenzeit wurde das Wasser von der Dammstraße in die ebenfalls mit Kalkstuck abgedichteten Becken geleitet. Dies war meist genug um die 6 Monate lange Trockenzeit zu überstehen. Riesige Korn- und Bohnenfelder wurden entlang der Straßen angelegt. So konnten man die bis zu 200.000 Menschen versorgen.

    Als die Maya im heutigen Mexiko ihre Blütezeit erlebten, war El Mirador in Guatemala bereits verlassen. Nur an wenigen Stellen erkennt man heute noch die ursprüngliche Maya-Straßen.

    Wegen den Speicherbecken, die immer wieder seitlich von uns zum Vorschein kommen, erkennen wir, dass wir auf der Mutter aller Straßen wandern. Wir gehen wieder durch dichtes Dschungelgebiet, aber dank der Baukunst der Maya mit weniger Schlamm an unseren Schuhen.

    Diesmal ohne ungewolltes Überlebenstraining kommen wir um 15.30 Uhr bei unserem Zeltplatz, wo wir die kommenden zwei Nächte schlafen werden, an.
    Jetzt heißt es erst einmal raus aus den Wanderstiefeln und ab in die Hängematten.

    Wir haben es geschafft und als Belohnung gibt es einen letzten wunderschönen Sonnenuntergang im Jahr 2023. Wir stehen auf der Spitze von der Pyramide El Tigre, welche sich im archäologischen Gebiet von El Mirador befindet. Von hier oben sehen wir das endlose Grün des Dschungels, das wir seit zwei Tagen durchwandern. Ein Gefühl, als würde man in einem Boot auf einem Ozean aus Bäumen treiben.

    Nach einer kalten, braunen Eimerdusche und einem typischen guatemalesischen Abendessen (Tortillas, Reis und Hähnchen) verkriechen wir uns erschöpft ins Zelt. Als bei uns das neue Jahr beginnt, sind wir längst im Tiefschlaf.
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